Pressestimmen
Samstag, 4. Juni 2011
Isenhagener Kreisblatt 4.6.2011
Bergfeld. Hinter ihr liegen erneut anstrengende drei Wochen. Sybille Schnehage aus Bergfeld, Vorsitzende des Vereins für Humanitäre Hilfe Katachel, berichtete von ihrer letzten Reise an den Hindukusch.
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Die Bergfelderin vor der imposanten Kulisse der schneebedeckten Berge in Afghanistan.
Die Bergfelderin vor der imposanten Kulisse der schneebedeckten Berge in Afghanistan.
„Weil ich erst noch einiges in den zuständigen Ministerien zu klären hatte, flog ich aus Deutschland zuerst in die Hauptstadt Kabul, wo es mir mit Hilfe des Friedensministeriums gelungen ist, viele der Probleme, die sich seit den unschönen Vorfällen vor zwei Jahren in Katachel angehäuft hatten, zu klären. Anschließend ging es mit dem Auto weiter über den Salang-Pass und durch die besonders für Ausländer gefährliche Provinz Baghlan nach Kunduz. Durch Vermittlung des Parlamentspräsidenten Hadji Osmansai und des Ältestenrates in Katachel, wurden Verhandlungen zu einem glücklichen Ende geführt, sodass die massiven Bedrohungen unseres ehemaligen Mitarbeiters Dadgul gegen unseren Verein und insbesondere gegen meine Person, einzustellen sind. Besonders die Menschen im Dorf Katachel freuten sich sehr darüber, dass der Schwerpunkt unserer Hilfsaktionen nun wieder in ihrem Dorf liegen wird“, erklärte Schnehage.
Sybille Schnehage berichtete weiter, dass die medizinische Versorgung nach wie vor sehr schlecht ist. Vor allem, seit es – wie noch vor Jahren – nun keine Möglichkeiten der Hilfe durch deutsche Ärzte gibt. „Deshalb hatte ich unter anderem auch einen schweren Koffer mit Medikamenten aus Deutschland mitgebracht“, sagte Schnehage. An den Schulen verteilte die Vereinsvorsitzende wieder Unterrichtmaterial und Schreibwaren, die Fußball-Mannschaft der Katachelschule erhielt neue Trikots und Bälle.
„Zur Verteilung der Hilfsgüter, die wir mit Spendengeldern aus Deutschland gekauft hatten, kamen mehr als 400 Witwen und sonstige Hilfsbedürftige, die uns kannten, aber es kamen auch viele Menschen zum ersten Mal.“ Dabei hat Schnehage besonders das Schicksal des 19-jährigen Assadullah berührt, der beide Arme verloren hatte und nun vollständig auf fremde Hilfe angewiesen ist.
Eines ist Sybille Schnehage während ihres Aufenthalts ganz besonders ins Auge gestochen: Selbst die Bundeswehr, die ja in der Provinz Kunduz stationiert worden ist, um humanitäre Hilfe zu leisten, traut sich inzwischen nur noch in gepanzerten Fahrzeugen von ihrem Gelände. Und noch etwas ist neu, seit ihrem letzten Aufenthalt im vergangenen Jahr: Über dem Gelände steigt bei klarem Himmel ein Zeppelin in die Luft, der mit weitreichenden und hochauflösenden Kameras bestückt ist und die Gegend observiert.
„Dadurch sollen neuralgische Punkte besser überwacht werden und bei Bedarf notwendige Sicherungsmaßnahmen frühzeitig eingeleitet werden können“, sagt sie.
Dass sich in absehbarer Zeit an den Lebensumständen der afghanischen Bevölkerung etwas zum Guten wenden könnte, glaubt Schnehage hingegen nicht. „Es ist einfach nicht genug Arbeit da. Es fehlen Produktionsstätten. So könnte zum Beispiel eine Tabak-Fabrik mit den dazugehörigen Lieferanten, eine ganze Reihe neuer Arbeitsplätze schaffen.
Stattdessen, so Schnehages Kritik, „werden immer mehr Polizisten und Soldaten ausgebildet und bewaffnet, bis sich letztendlich nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden lässt“.
Von Detlev E. Deipenau
Sonntag, 19. Dezember 2010
Aller Zeitung Verfahren eingestellt: Schnehage hat keine Hilfsgelder veruntreut
Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat das Ermittlungsverfahren gegen Sybille Schnehage eingestellt. Seit Januar wurde gegen die Vorsitzende des Afghanistan-Hilfsvereins Katachel wegen des Verdachts der Veruntreuung von Hilfsgeldern ermittelt.
Hilfe für Afghanistan: Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen Katachel-Vorsitzende Sybille Schnehage eingestellt.
Der ehemalige afghanische Projektleiter Dadgul Delawar hatte Schnehage im Januar beschuldigt, Hilfsgelder in Höhe von rund 500.000 Euro unterschlagen zu haben. „Es haben sich keinerlei Anhaltspunkte für von Sybille Schnehage zu verantwortende Untreuehandlungen ergeben, insbesondere nicht für eine persönliche Bereicherung“, sagte Oberstaatsanwalt Joachim Geyer gestern. Die Ermittlungen gegen Delawar hingegen seien wegen dessen derzeitiger Unerreichbarkeit nur vorläufig eingestellt worden. „Er soll sich in Afghanistan in Haft befinden. Derzeit deutet einiges darauf hin, dass er die fehlenden Projektgelder veruntreut hat“, sagte Geyer.
Bei Sybille Schnehage ist die Erleichterung groß. „Ich wusste, dass an den Vorwürfen nichts dran ist. Deshalb hätte ich mir gewünscht, dass die Sache schneller vom Tisch ist“, sagte sie gestern.
Trotz der Ermittlungen lief die Arbeit in Afghanistan auch in den vergangenen Monaten weiter – wenn auch unter erschwerten Bedingungen. „Viele Menschen, von denen ich dachte, sie wären Freunden, haben mich fallen gelassen“, berichtet Schnehage. Außerdem seien weniger Spendengelder geflossen. „Ich musste um die Existenz des Vereins kämpfen“, so Schnehage. „Ein Jahr lang habe ich gekämpft und mein Leben eingesetzt, damit unsere Arbeit weiter geht.“
Jetzt plant die Katachel-Vorsitzende bereits ihre nächste Reise nach Afghanistan. Und dann hat sie viele neue Ideen im Gepäck, wie sie den Menschen vor Ort helfen kann.
Samstag, 6. November 2010
Gifhorn: Aufbauhelferin Sybille Schnehage für Afghanistan-Engagement ausgezeichnet
Gifhorn: Aufbauhelferin Sybille Schnehage für Afghanistan-Engagement ausgezeichnet
Die FDP-Kreistagsfraktion hat der Aufbauhelferin Sybille Schnehage aus Bergfeld eine besondere Ehrung zuteil werden lassen. Für ihr Afghanistan-Engagement erhielt sie eine Urkunde verbunden mit 500 Euro, die Fraktionsmitglieder aus eigener Tasche beisteuerten. Schnehage setze mit ihrem Engagement in einem von kriegerischen Auseinandersetzungen geschundenen Land ein unübersehbares Zeichen der Menschlichkeit, so Fraktionsvorsitzender Adolf Bannier.
Samstag, 31. Juli 2010
Hilfe für die Ärmsten
Gerade die Ärmsten brauchen Hilfe
IK 31.7.2010
Große Hitze liegt über der Provinz Kunduz, denn die Sonne brennt und erwärmt die Luft auf fast 50 Grad. Die Menschen leiden unter dem Klima und auch in den Häusern ist es wie im Glutofen, denn es gibt keinen Strom und keine Kühlaggregate bei den Ärmsten im ländlichen Raum. Hinzu kommt, dass der Fastenmonat Ramadan vor der Tür steht und die Menschen sich darauf vorbereiten. Eine Zeit, in der am Tag nicht gegessen und getrunken wird, besonders schwierig bei den Extremtemperaturen, in der aber auch das Essen im Mittelpunkt steht. Viele Witwen haben keine Reis mehr und auch keine Mehl, so dass sie den Fastenmonat nur im wahrsten Sinne des Wortes erleben werden.
Der Verein Katachel versucht den Frauen und ihren Kinders zur Seite zu stehen und möchte für die Frauen weitere Patenschaften finden, die diesen Frauen aus Deutschland mit einer monatlichen Spende von 26 € ihr Los erleichtern. In diese Rahmen sucht der Verein dringend Menschen der Region Niedersachsen, die solche Patenschaften übernehmen. Aber auch für eine Reisverteilung in den nächsten Wochen vor dem Ramadan werden Spenden gebraucht.
Wer das Projekt unterstützen möchte, der kann auf das Katachel e.V. Konto 014 160006 bei der Sparkasse Gifhorn Wolfsburg BLZ 269 513 11 spenden oder sich auch nach Patenschaften unter 05368 505 direkt erkundigen.
Donnerstag, 22. Juli 2010
Alle Rückgabeformulare unterzeichnet
Katachel e.V.
Presseerklärung
Alle Immobilien zurückübertragen
Nach einem langwierigen Rechtsstreit mit ausführlichen Ermittlungen in Kabul und Kunduz hat der afghanische Generalstaatsanwalt Aloko gemeinsam mit der Untersuchungskommission, bestehend aus den Staatsanwälten Safiullah, Bashir und Jalal Jalal dem Verein Katachel e.V. bestätigt, dass alle Aussagen der Vereinsvorsitzenden Sybille Schnehage der Wahrheit entsprechen und dass der ehemalige Projektleiter Herr Dadgul auch gestanden hat, die Immobilien des Vereins veruntreut zu haben.
Zusätzlich wurden dann alle Immobilien in Rückübertragungsurkunden an den Verein zurückgegeben. Diese Urkunden haben die Staatsanwälte und Regierungsmitarbeiter von Kunduz formuliert und mit unterzeichnet. Ebenso hat der Gouverneur der Provinz Kunduz Ingenieur Omar diese Dokumente beglaubigt, so dass jetzt alle Immobilien der Hilfsorganisation zur Verfügung stehen.
Dass dieser Erfolg im Rechtstreit möglich wurde, zeigt, dass die Justiz in Afghanistan nach vielen Jahren wieder in der Lage ist, Ermittlungen vorzunehmen, diese auszuwerten und dann auch die Konsequenzen daraus zu ziehen und dem Geschädigten Recht zu geben.
Der Verein dankt allen Mitarbeitern afghanischer Institutionen, die trotz massiver Bedrohungen durch den ehemaligen Projektleiter bereit waren, der Hilfsorganisation beizustehen und damit dazu beigetragen haben, dass der Verein wieder seine Aufgaben erfüllen kann.
Damit alle Projektteile wieder ihre Arbeit aufnehmen können, ist es nun notwendig, den Mitarbeitern die nötigen Anschubfinanzierungen zu stellen, denn in den ersten Monaten werden in den Projekten noch keine Einnahmen zu verzeichnen sein, so dass Spenden erforderlich sind, um den Arbeiterinnen und Arbeitern ihre Löhne bezahlen zu können. Der Verein Katachel e.V. hofft, dass ihnen die Spender der Region dabei behilflich sein werden, damit dieses erfolgreiche Projekt weiterhin den Menschen der Provinz Kunduz, insbesondere den Ärmsten, auf dem Weg in eine bessere Zukunft beistehen kann.
Montag, 14. Juni 2010
Schöner Sieg nach mutigem Kampf
HAZ 14.6.2010 von der Brelie
Wolfsburger Afghanistan-Hilfsverein "Katachel e.V." setzt Arbeit in Kundus fort
Wolfsburg. Unterschlagung, Betrug, Bestechung, Morddrohungen, ein Bombenanschlag -
für einen ebenso spannenden wie brutalen Krimi sind alle Voraussetzungen erfüllt. Es
gibt einen Verbrecher, dem etwas heldenhaftes anhaftet, und eine mutige Frau in der
Opferrolle. Sie heißt Sybille Schnehage, lebt in Bergfeld bei Wolfsburg und
engagiert sich seit 20 Jahren in Nordafghanistan für die ärmsten der Armen, für
Waisen und Kriegsopfer. Ende vergangenen Jahres stellte sie resigniert fest: "Mein
Lebenswerk ist zerstört." Ihr langjähriger Projektleiter in der Region Kundus, der
ehemalige Freiheitskämpfer Dadgul Delawar, hatte sämtliches Eigentum des von
Schnehage gegründeten Hilfswerks, der Organisation "Katachel e. V." an sich gerissen
und bei den afghanischen Behörden als sein persönliches Eigentum eintragen lassen.
Als Schnehage ihm auf die Schliche kam und vor die Tür setzte, reagierte er mit
Morddrohungen. Angeblich soll er auch Killerbanden angeheuert haben, um seine
ehemalige Chefin von weiteren Besuchen in Kundus abzuhalten.
Auch wenn sie oft der Verzweiflung nahe war, Schnehage steckte nicht auf. Sie lernte
Dari, die in Nordafghanistan übliche Sprache, knüpfte Kontakte zu den Regierenden in
Kundus, heuerte neue Mitarbeiter an und kehrte dieser Tage freudestrahlend und
voller Optimismus von ihrem jüngsten Besuch am Hindukusch zurück. "Ganz allein habe
ich gekämpft, niemand hat mir geholfen", sagt sie, "aber ich hatte Erfolg, wir
können unsere Arbeit fortsetzen."
Die afghanischen Behörden haben dafür gesorgt, dass "Katachel" sein Büro, seine
Orthopädiewerkstatt, seine Schuhfabrik, 18 Armenhäuser, seine Imkerei und auch seine
Fischzuchtanlage zurückerhielt. Die Fahrzeuge des Vereins hatte der geschasste
Projektleiter zuvor unbrauchbar gemacht, andere Immobilien des Vereins kurzfristig
seinen Verwandten übertragen. Jetzt wartet Schnehage noch auf die Rückgabe ihrer
kleinen Seifenfabrik, einiger Ackerflächen und eines Hofes neben der orthopädischen
Werkstatt.
Ihr eigenes Auto kann die Vereinschefin nicht mehr benutzen, Dadgul hat es in seinem
Heimatdorf Katachel, ein paar Kilometer östlich von Kundus, mit einer Bombe in die
Luft gejagt, als es mit vier Personen besetzt den Ort verlassen wollte. "Zum Glück",
sagt Schnehage, "hat es keine Schwerverletzten gegeben, aber das Fahrzeug ist hin."
Der Verein, der Polizeichef und der Bürgermeister von Kundus schalteten die
afghanischen Justizbehörden ein und baten auch Schnehage zum Verhör. Für einen
Dolmetscher fehlte ihr das Geld und die Unterstützung aus Deutschland, dennoch
gelang es ihr, zwei aus Kabul angereiste Staatsanwälte von der Schuld Dadguls zu
überzeugen. Der im Krieg gegen die Sowjetarmee schwerverwundete und in Deutschland
40-mal operierte Mann wurde festgenommen und in Kabul ins Gefängnis gesteckt. "Jetzt
hoffe ich, dass er sich nicht freikaufen kann und angemessen bestraft wird", sagt
Schnehage, die immer wieder einräumt, ihrem Mitarbeiter viel zu lange blind vertraut
zu haben: "Das war naiv von mir."
In Kundus ist sie dennoch weiterhin eine geachtete Frau, die von den Afghanen mit
Ehrungen überhäuft wurde und in Kabul sogar einen Ehrendoktortitel erhielt. Sie
beschäftigt inzwischen wieder gut 20 Mitarbeiter und bringt neuen Schwung in den
Hilfsverein. Bei ihrem jüngsten Besuch in Kundus hat sie getan, was sie immer macht,
wenn sie dort ist: Sie verteilt Geld an fast 400 arme Frauen, das sie bei
Vereinsmitgliedern und Gönnern in Deutschland einsammelt, sie gibt Bedürftigen Reis
und Öl, für Kriegsversehrte hatte sie Prothesen und andere Hilfsmittel im Gepäck,
eine kleine Geburtsklinik wurde mit Babywaagen und frischer Bettwäsche ausgestattet,
die Kinder in einem Waisenhaus bekamen Bekleidung und Spielzeug. Und einige
Lehrerinnen in den von Katachel e.V. aufgebauten Mädchenschulen erhielten als
Zeichen des Dankes neue Kleider. "Wenn man sieht, wie groß die Freude über unsere
Hilfe ist, wenn man die große Dankbarkeit zu spüren bekommt", sagt Schnehage, "dann
vergesse ich zumindest für einen Moment, in welcher Gefahr ich schwebe, wenn ich
dort ganz auf mich allein gestellt bin." Aber deshalb aufgeben, nein, daskommt für
sie nicht in Frage, jetzt nach der Wiederbelebung ihres Hilfswerks
Mittwoch, 28. April 2010
Imkerei in Kunduz hat den Betrieb wieder aufgenommen

Imkerei in Kunduz hat wieder ihren Betrieb aufgenommen
Bergfeld Nach vielen Schwierigkeiten, die der Bergfelder Verein Katachel in Kunduz in den letzten Monaten hatte, geht die Hilfe weiter und endlich war es in den letzten beiden Wochen soweit, dass die Rückgabe der Vereinseigentümer begonnen hat. So wurde die orthopädische Werkstatt mit dem Hof und den Gebäuden durch die afghanische Staatsanwaltschaft an den Verein zurückgegeben und die Mitarbeiter sind dort wieder im Einsatz und auch die vereinseigenen Fahrzeuge wurden übergeben. Leider hat der ehemalige Projektleiter alle Fahrzeuge beschädigt, so dass sie im Moment nicht nutzbar sind.
Von den ehemals 80 Bienenvölkern wurden leider nur noch 5 lebend übergeben und auch nur 15 Kästen stehen wieder für die neuen Mitarbeiter zur Verfügung. Dies lies aber die neuen Mitarbeiter nicht entmutigen. Imkermeister Wadud hat selbst 10 Völker und so wurden schnell 5 weitere hinzugekauft, so dass jetzt der Neuanfang mit 20 Bienenvölkern startet. Dabei stehen natürlich die Pflege der Bienen und die Völkervermehrung im Vordergrund.
Nach vielen Gesprächen erwartet der Verein nun, dass die weiteren Immobilien in den nächsten Wochen wieder an den afghanischen Partnerverein übereignet werden, so dass die Schwierigkeiten in Kunduz beendet werden. Leider gehen die Uhren in Afghanistan langsamer, so dass viel Geduld aufzubringen ist. In der Zeit des Wartens steht aber nach der Winterhilfe die Unterstützung der Patenfamilien im Vordergrund, so dass wieder Menschen gesucht werden, welche den afghanischen Armen hilfreich zur Seite stehen.
Weitere Informationen darüber können bei der Vereinsvorsitzenden Tel 05368 505 erfragte werden.
Der Videofilm von der Winterhilfe kann auf der Internetseite katachel.de angesehen werden.
Mittwoch, 24. Februar 2010
Afghanistan-Hilfe geht weiter
Afghanistan-Hilfe geht weiter
Mitglieder des Vereins Katachel entlasten Sybille Schnehage und ihre Mitstreiter
Von Andreas Stolz
Keine scharfe Kontroverse um Katachel. Bei der Jahresversammlung des Hilfsvereins für Afghanistan gab es Kritik am Vorstand, aber Sybille Schnehage und ihre Mitstreiter wurden – bei zwei Enthaltungen – entlastet.
Die Arbeit geht also weiter – mit der Unterstützung aller 40 Versammlungsteilnehmer. Dazu trägt nicht zuletzt der jüngste Sachstand aus dem Hilfsgebiet bei. Schnehage sagte, der Gouverneur der Provinz Kunduz habe bereits schriftlich die Rückübertragung der Katachel-Liegenschaften auf den Verein verfügt. "Das Schreiben liegt inzwischen beim Generalstaatsanwalt in Kabul", sagte Schnehage. "Aber in Afghanistam dauert vieles etwas länger."
Im Saal der VfL-Wolfsburg-Gaststätte am Elsterweg nahmen die Erklärungen der Vorsitzenden zum Verhalten ihres ehemaligen Projektleiters Dadgul Delawar den zeitlich breitesten Raum ein. Aus ihrer persönlichen Sicht listete Sybille Schnehage auf, wie sie von "dem Mann, dem ich das Leben gerettet habe" hintergangen worden sei. Ihre Ausführungen reichten von der detaillierten Schilderung eines (vermuteten) Mordanschlags mittels vergifteter Bratkartoffeln bis zu, nach ihrer Aussage, von Delawar gefälschten Verträgen. Urkunden über Immobilien, die Regierungsstempel trugen. Schnehage: "Nie und nimmer hätte ich das vermutet, und ich konnte diese Fälschungen auch nicht erkennen."
Die Schilderung löste bei einigen Mitgliedern zustimmendes Kopfnicken, bei anderen aber Widerspruch aus. Nicht, dass es seitens der Versammlung Zweifel an der persönlichen Integrität der Vorsitzenden gab. Aber bemängelt wurden Naivität und vor allem fehlende Transparenz. Dass die Mitglieder von Unregelmäßigkeiten und Umgereimtheiten nicht unterrichtet wurden, war ein Kritikpunkt. "Wann, wenn nicht in einem solchen Fall, wäre denn eine außerordentliche Mitgliederversammlung nötig?", fragte ein Teilnehmer.
Deutlicher wurde Siegfried Schuster, ehemaliger Leiter des Wolfsburger Jugendamts und Mitglied des Lions Clubs Hoffmann von Fallersleben: "Unser Verein hat Tausende für die Arbeit von Katachel aufgebracht. Wir überlegen, die Mitgliedschaft zu kündigen. Die Spendenbereitschaft ist derzeit gleich Null."
Aufgeworfen wurde angesichts der Ausführungen von Sybille Schnehage die Frage: "Ist Afghanistan angesichts der komplizierten Strukturen nicht eine Nummer zu groß für ein paar Gutmenschen aus Norddeutschland?" "Nein!", meinen Sybille Schnehage und ihre Vorstandskollegen mit Blick auf die baldige Rückübertragung der derzeit auf Delawar laufenden Immobilien an den Verein. Konsequenzen für die weitere Arbeit? Schnehage: "Die Aufgaben und Projekte sind inzwischen auf mehrere Schultern verteilt."
Montag, 22.02.2010
Die meisten Hilfsorganisationen sind weg, ...
Die meisten Hilfsorganisationen sind weg, soll ich etwa auch noch gehen?
4.12.2009 Braunschweiger Zeitung – Schulen sind geschlossen
Großansicht Sybille Schnehage aus Bergfeld im Kreis Gifhorn ist Gründerin und Vorsitzende des Hilfsvereins Katachel. Mit Spenden finanzierte sie den Bau von Schulen in Afghanistan. Derzeit unterstützt sie im Raum Kundus afghanische Witwen, die ein menschenunwürdiges Leben fristen. Schnehage kehrte vor Tagen aus Afghanistan zurück. Über die Sicherheitslage sprach mit ihr unser Redakteur Uwe Hildebrandt.
Können Sie sich in Afghanistan überhaupt noch frei bewegen?
Es ist inzwischen extrem gefährlich, so dass man sich als Ausländer gar nicht mehr frei bewegen kann. Ein Besuch des Basars in Kundus wäre Wahnsinn. Wenn ich vor die Tür gehe oder die ländlichen Regionen bei Kundus besuche, dann bin ich auf massiven Polizeischutz angewiesen. Zu einem Schulbesuch wurde ich von vier Fahrzeugen mit aufgesetzten Maschinengewehren begleitet.
Woraus speist sich Ihre Angst, aus Beobachtungen oder aus ausgesprochenen Drohungen?
Wie gefährlich es ist, das zeigen sowohl Beobachtungen als auch Berichte über Anschläge und Entführungen. Mich zu entführen, das würde ja richtig Geld bringen. Mir wurde auch schon konkret angedroht, dass etwas passieren könnte. Der Einfluss der radikalen Kräfte wird sichtlich größer.
Wie wird der von Deutschen initiierte Angriff auf die Tanklastwagen in der Bevölkerung bewertet? Haben die Deutschen wegen der vielen zivilen Opfer ihr Vertrauen verspielt?
Ich bin erstaunt darüber, dass man in Deutschland nur über diesen Vorfall redet, der ja nun schon etwas zurückliegt. Jetzt am 21. November sind mitten in Kundus drei Tanklaster in die Luft geflogen, bei mir haben die Scheiben geklirrt. Die Menschen sprechen nicht über die Vergangenheit, sondern über die aktuellen Bedrohungen. Sie haben Angst. Man muss an jeder Ecke damit rechnen, beschossen zu werden.
Wie bewerten Sie den Luftschlag?
Ich halte es für sehr schwierig, eine solche Entscheidung hier von Deutschland aus zu bewerten. Unsere Soldaten in Afghanistan müssen schnelle Entscheidungen fällen, während mehrere Gefechte laufen. Es ist extrem unübersichtlich. Und diese Tanklaster sind eine echte Gefahr. Natürlich ist es schlimm, wenn so viele Zivilisten ums Leben kommen. Aber ich maße mir nicht an, den Angriff als falsch oder richtig zu bezeichnen. Wir sollten jetzt nach vorne blicken.
Aber die Ausblicke sehen nicht besser aus als die Rückblicke. Warum ist das so?
Die Unzufriedenheit verschafft den Radikalen Auftrieb. Das größte Problem ist, dass der Aufbau stockt. Ich habe vor vier Wochen an einer Afghanistan-Konferenz in Berlin teilgenommen. Da wurde gesagt, dass das Kraftwerk in Khanabad gerade wieder aufgebaut wird. Aber ich war jetzt dort und habe Fotos gemacht – es passiert rein gar nichts. Das Kraftwerk könnte eine ganze Region mit Strom versorgen. Die Bürger warten darauf seit 2002.
Wenn Zusagen nicht eingelöst werden, dann wird der Frust immer größer. Der internationale Einsatz hat viele Hoffnungen geweckt, und kaum etwas davon ging in Erfüllung.
Warum führt diese Enttäuschung scheinbar automatisch dazu, dass radikale Taliban Zulauf bekommen?
Das Allerwichtigste wäre vor diesem Hintergrund wohl die Schaffung von Arbeitsplätzen für junge Männer. Eine halbe Million drängt jedes Jahr auf den Arbeitsmarkt und geht meist leer aus. In Afghanistan kann aber nur der heiraten und eine Familie gründen, der Geld hat. An die Familie der Frau müssen mindestens circa 5000 Euro gezahlt werden. Die jüngsten Söhne müssen sehr lange warten, da entsteht ein unglaubliches Aggressionspotenzial.
Sich den radikalen Kräften anzuschließen eröffnet einem zudem Einnahmequellen.
Was können Sie im Moment mit ihrem Hilfsverein überhaupt noch unternehmen?
Der Bau von Schulen hat derzeit nicht die oberste Priorität. Seit der Präsidentenwahl findet wegen der angespannten Lage sowieso kein Unterricht mehr in Kundus statt, es gab Drohungen. Bei dem zurückliegenden Aufenthalt habe ich an 400 notleidende Witwen Geld verteilt. Man kann sich das kaum vorstellen: Da kommen Frauen, die haben gar nichts, die hungern. Abends warten sie vor den Bäckereien und hoffen, dass diese Reste wegschmeißen. Die Witwen stehen in Afghanistan auf verlorenem Posten.
Wenn Sie auch persönlich so gefährdet sind, erwägen Sie dann einen Abbruch Ihrer Hilfsarbeit?
Die meisten Hilfsorganisationen sind ja wegen der angespannten Sicherheitslage schon weg. Das deutsche Restaurant, das es in Kundus gegeben hat, hat geschlossen. Soll ich jetzt etwa auch noch gehen und unsere Projekte aufgeben?
Ich muss bei meiner Arbeit halt besondere Vorsicht walten lassen. Als ich das Patenschaftsgeld an die Witwen ausgegeben habe, haben zwei Leute alle Wartenden durchsucht, damit bloß niemand mit einer Bombe vor mir steht.
In Kundus kann ich im Haus des Bürgermeisters leben, ich stehe unter seinem Schutz, er stellt mir bei Bedarf Polizisten zur Seite. Aber natürlich kann es nicht auf Dauer so weitergehen.
Inwiefern bemüht sich denn die Bundeswehr um die Sicherheit der Hilfsorganisationen?
Ursprünglich hieß es ja, dass die Bundeswehr dazu da ist, die Nichtregierungsorganisationen zu schützen. Aber sie liefert gar keinen Schutz. Natürlich würde ich mir das wünschen, dass die deutschen Soldaten einem zur Seite stehen. Die Bundeswehr sagt aber, dass es sich bei der Hilfsarbeit um afghanische Angelegenheiten handele.
Was sollte die deutsche Regierung jetzt tun?
Es muss sicherlich mehr Kontrolle geben, was mit dem bereitgestellten Geld gemacht wird. Es geht ja relativ viel Unterstützung nach Afghanistan, die Hilfsbeträge sollen noch aufgestockt werden. Aber ich weiß nicht recht, wo das Geld hingeht. Möglicherweise setzt es die afghanische Regierung falsch ein. Nehmen wir das erwähnte Kraftwerk in Khanabad: Wenn man zugesagt hat, dass man das Kraftwerk aufbaut, dann muss man auch dazu stehen.
Bucherlös an Katachel
Die Herzen gewinnen
Die Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen hat 2000 Euro für den Verein „Katachel“ gespendet. Mit dem Geld sollen Unweit des afghanischen Kundus Tiefbrunnen gebaut werden.
Von Sebastian Kimstädt
Appen/Uetersen. Gemeinsam mit dem Projektleiter Anwar Jan Mohammed nahm die Vorsitzende des Vereins, Dr. h.c. Sybille Schnehage gestern von den Unteroffizieren der Appener Luftwaffenschule die 2000 Euro entgegen.
Der Betrag setzt sich zum einen Teil aus freiwilligen Spenden der Lehrgangsteilnehmer und zum anderen Teil aus dem Erlös aus dem Verkauf des Buches „Erlebnisse und Empfindungen im Auslandseinsatz“ zusammen. Das Tagebuch hat der in Appen stationierte Oberstabsfeldwebel Andree Zipfel nach seinem Afghanistan-Einsatz geschrieben. Bei dem Einsatz lernte er auch den Verein von Sybille Schnehage kennen und stellte den Kontakt zwischen „Katachel“ und der Unteroffizierschule in Appen her.
Sybille Schnehage, die seit 1987 in Afghanistan tätig ist und jährlich zwei Monate am Hindukusch verbringt, lobt das Buch von Zipfel als sehr realitätsnah. Vermutlich auch deswegen lesen viele Soldaten das Buch, bevor sie zu ihrem Einsatz nach Afghanistan aufbrechen. Sie bekommen dadurch nicht nur einen ersten Eindruck von dem Land, sondern können auch etwas Gutes tun. Fast vier Euro des Verkaufspreises gehen an den Verein „Katachel“.
Der Verein weise sehr transparent die Verwendung seiner Spenden nach, loben Zipfel und der stellvertretende Schulkommandeur, Oberst Helmut Ondrat. Das Geld aus Appen beispielsweise soll in den Bau von Tiefbrunnen in einem Dorf unweit der Provinzhauptstadt Kundus fließen. Geplant ist, das Projekt später in der Unteroffizierschule zu dokumentieren.
Nach Einschätzung von Zipfel leistet „Katachel“ einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von Afghanistan und damit zu einer Verbesserung der Sicherheitslage dort. „Bei den Afghanen entsteht Zufriedenheit“, sagt Zipfel. Der Verein gewinnt die Herzen.
Im Zusammenhang mit der Sicherheitslage und der laufenden Debatte über den Afghanistan-Einsatz, begrüßt Sybille Schnehage die Stationierung der Bundeswehr in Kundus. „Die Menschen dort wollen das auch“, sagt sie. Allerdings werde die internationale Hilfe im Land falsch verteilt. Zu wenig von dem Geld komme bei der armen Landbevölkerung an, kritisiert sie. Das ist bei der Spende aus Appen anders.
Zahlreiche Rollstühle, Rollatoren, ...
Zahlreiche Rollstühle, Rollatoren, Gehhilfen und andere Hilfsgüter für Kunduz
Helfen, wo die Menschen in größter Not sind, dies ist seit Jahren das Ziel des Bergfelder Vereins Katachel e.V. und so werden neben den zahlreichen Projekten vor Ort, wie Schulbau, Witwenunterstützung und Brunnenbau auch in regelmäßigen Abständen Hilfsmittel in die nordafghanische Provinz Kunduz geliefert.
Bei diesem Transport, der unentgeltlich von der Speditionsfirma Hansmann bis zum Flughafen der Bundeswehr nach Waren durchgeführt wird, sind über 30 Rollstühle, 40 Rollatoren und zahlreiche Gehhilfen, die von Pflegeheimen und Privatpersonen zur Verfügung gestellt worden sind. Von Waren aus geht der Transport dann per Bundeswehrflug ins afghanische Kunduz, wo die Hilfsgüter in Kooperation von PRT (Provincial Reconstruction Team) und der orthopädischen Werkstatt von Katachel e.V. gezielt ausgegeben werden.
Die Mitarbeiter des Vereins Katachel e.V. haben die Teile über einen längeren Zeitraum in der Region gesammelt und zwischengelagert. Es sind auch Rollstühle dabei, die aus der weiteren Umgebung bis hin zur Harzregion gesammelt wurden. Nun im Januar war die Menge mit ca. 2 Tonnen so groß, dass ein Transport beantragt werden konnte.
Der afghanische Gast des Vereins Katachel e.V. und Mitarbeiter im afghanischen Dorf Anwar Jan war in den letzten Tagen dabei, als die Hilfsgüter verladen und nach Ehmen gebracht wurden und freut sich besonders auf die Rollstühle, denn zwei seiner Freunde sind nach Unfällen auf Hilfe angewiesen. Er wird dann nach seiner Heimkehr in Kunduz, gemeinsam mit der Bundeswehr, diese Hilfsgüter an Bedürftige weiterreichen.
Oberstabsfeldwebel Dirk Richter, auch ein Ehmener Bürger und tätig im Familienbetreuungszentrum Magdeburg freut sich ebenso über den Transport, denn solche Verteilungsaktionen verändert die gesamte Stimmung in der Region Kunduz zum Positiven, so dass zu hoffen ist, dass sich die Sicherheit der deutschen Soldaten in der Nordafghanischen Region verbessert.
Wer diese Hilfe unterstützen möchte, kann auf das Konto des Vereines bei der Sparkasse Gifhorn Wolfsburg BLZ 269 513 11 Kontonummer 014 160 006 spenden. Eine Spendenbescheinigung wird erteilt.
Foto
Anwar Jan(Katachel), Herr Schneidewind( Firma Hansmann), Ostfw Dirk Richter( Bundeswehr), Sybille Schnehage( Katachel e.V.)
Brillen meten voor Afghanistan
DORDRECHT - Studenten van het Da Vinci college in Dordrecht leveren een bijdrage aan beter zicht voor kansarme inwoners van Afghanistan. Ze gaan tweedehands brillen inmeten op hun werkplek bij opticiens.
Leerlingen van het Da Vinci met een doos vol brillen voor Afghanistan. FOTO HENK VEENSTRA
De brillen komen van de Stichting Remedi voor medische hulp. Die heeft vijfduizend brillen beschikbaar gesteld aan de Zwijndrechtse stichting Yes I Care.
"De studenten die meedoen aan dit hulpproject volgen bij ons een opleiding in deeltijd. Zij werken vier dagen in de week en volgen een keer per week les bij ons,'' zegt optiekleraar Ronald Kuilenburg van het Da Vinci college.
"De studenten moeten de tweedehands brillen voorzien van een sterktelabel. Dit doen zij op hun werkplek. De brillen worden vervolgens allemaal geseald en verstuurd naar Afghanistan,'' aldus Kuilenburg.
De Duitse stichting Katachel Association zorgt ervoor dat de brillen worden verspreid. Deze stichting houdt zich bezig met allerlei projecten in het noorden van Afghanistan. Zo bouwt de stichting onder andere scholen, waterputten en sanitaire voorzieningen in het land.
Voorzitter Schnehage van deze organisatie bracht vorige maand een bezoek aan de Dordtse school om uitleg te geven over de brillenactie en het belang van het vrijwilligerswerk van de studenten.
Veel mensen in Afghanistan kunnen een bril niet betalen. Kinderen lopen hierdoor zelfs leerachterstanden op. Met het brillenproject hopen de hulporganisaties kansarme mensen in Afghanistan te kunnen helpen.
Überleben nur mit Tee und Brot
Bergfelderin Sybille Schnehage unterstützt mit Hilfsorganisation Bevölkerung in Afghanistan
Bergfeld. So ganz ist Sybille Schnehage noch nicht wieder in Deutschland angekommen. Zwar ist
sie schon am vergangenen Donnerstag von ihrem über dreiwöchigen Aufenthalt in Afghanistan
zurückgekehrt, dennoch ist sie mit ihren Gedanken noch immer bei ihren Hilfsprojekten.
Sybille Schnehage ist erste Vorsitzende der Hilfsorganisation „Katachel - Verein für humanitäre
Hilfe in Afghanistan“, den sie 1994 gründete. Seitdem ist viel passiert. Mit Spendengeldern konnten
1060 Brunnen gebaut werden, 24 Schulen bereiten über 12 400 Jungen und 6 500 Mädchen auf die
Zukunft vor, Patenschaftsprojekte unterstützen im Ort Katachel 320 Witwen und deren Kinder.
Aber trotz der unermüdlichen Arbeit von Sybille Schnehage bleibt die Hilfe fast immer noch ein
Tropfen auf den heißen Stein. „Den Leuten geht es dort immer schlechter. Die Preise für Reis haben
sich verdoppelt. Die Menschen leben praktisch nur von Tee und trockenem Brot. Die
Ernährungssituation ist schlechter denn je“, unterstreicht Schnehage die Situation in Afghanistan.
Manche Menschen besitzen laut der Ehrendoktorin der Universität Kunduz in Afghanistan nicht
mehr als die Kleider an ihrem Leib. „Wenn man sieht, dass eine junge Frau nicht in der Lage ist ihr
Kind zu stillen, weil sie zu schlecht ernährt ist und in Deutschland Menschen überlegen, ob sie nun
grüne Filzblumen ins Fenster hängen oder doch lieber die pinke Tischlampe kaufen sollen – da
kann man nur den Kopf schütteln“, so Schnehage.
In ihrem rund dreiwöchigem Aufenthalt in dem 1000-Seelen-Ort Katachel in Nordafghanistan blieb
kaum Zeit zum durchatmen. Oft sitzen bis zu 50 Menschen vor ihrem Haus und hoffen auf eine
Patenschaft oder eine kleine Hilfe. „Aber man kann einfach nicht allen Menschen helfen. Klar fällt
es schwer, Leute abzuweisen, aber manchmal muss man hart sein, damit man was bewegt“, betont
die Trägerin der afghanischen Malalai-Medaille. Wichtig sei vor allem die Ausbildung und das
Schaffen von Arbeitsplätzen in der Region. Schnehage: „Der Staat hat keine Einnahmen und kann
der afghanischen Bevölkerung nicht helfen, deshalb versuche ich mit der Hilfsorganisation eine
Basis zu schaffen. Kinder werden in den Schulen unterrichtet und bekommen danach eine
Ausbildung.“
Damit sich dann der Kreis schließt hilft es nicht, Kleidung und andere Hilfsgüter nach Afghanistan
zu transportieren. „Ist doch ganz klar: Die Menschen müssen ihre Kleidung selber nähen, dann
haben sie Arbeit und können durch den Verkauf ihre Familien ernähren“, erklärt die Vorsitzende
der Bergfelder Hilfsorganisation. Schnehage sorgt unter anderem dafür, dass Arbeitsplätze
geschaffen werden. So hat sie bei ihrem letzen Besuch den Grundstein für eine Seifenfabrik gelegt,
die in vier bis sechs Wochen betriebsbereit sein wird. Im letzten Jahr wurde eine Fischzuchtanlage
und eine Imkerei erbaut. „Die Leute sprühen förmlich vor Freude und Energie, wenn sie die Erfolge
sehen“, erzählt Schnehage. So auch die Kinder der neu gebauten Schule „Tarnau“, die sie mit
Fußball-Trikots ausgestattet hat.
„Die intensive Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort macht die Abreise jedesmal zu einem
traurigen Erlebnis. Ich brauche etwa eine Woche, um mich wieder an das Leben in Deutschland zu
gewöhnen“, sagt Schnehage mit etwas Wehmut. „Aber ich zähle schon voller Vorfreude die Tage,
bis es Ende September wieder nach Katachel geht.“
Wer die Organisation unterstützen möchte kann Spenden auf das Konto des Vereins Katachel e.V.
bei der Sparkasse Gifhorn Wolfsburg (Kontonummer: 014 160 006, Bankleitzahl: 269 513 11)
einzahlen. Informationen über Patenschaften gibt Sybille Schnehage unter & (0 53 68) 97 80 16.
Außerdem ist der Bergfelder Hilfsverein unter www.katachel.de im Internet.
Shining World Heroine Award wurde verliehen.
Für ihren humanitären Einsatz für das afghanische Volk über einen Zeitraum von über 20 Jahren wurde die Vorsitzende des Bergfelder Vereins Katachel e.V. Sybille Schnehage am Samstag, den 26. April in Berlin in einem kleinen Festakt mit dem Shining World Heroine Award, einem internationalen Preis der Organisation der Masterin Ching Hai, dotiert mit 10 000 USD ausgezeichnet. Diese Gemeinschaft mit Mitgliedern aller Glaubensrichtungen, deren Engagement für den Weltfrieden auch von den Vereinten Nationen (UN) gewürdigt wurde, ist darum bemüht, die Probleme der Menschheit zu erkennen und Lösungswege aufzuzeigen, die das Zusammenleben der Menschen, aber auch der Tiere und der gesamten Umwelt durch aktives Handeln nachhaltig verbessern.
In der Laudatio hob die Leiterin der Organisation Supreme Meisterin Ching Hai hervor, unter welchen widrigen Umständen und mit wie viel persönlichem Einsatz es Sybille Schnehage in all den Jahren ermöglicht hat, dass den ärmsten Frauen des Landes am Hindukush, den Witwen, durch bisher 320 Patenschaften geholfen werden kann, dass 24 Schulen gebaut werden konnten und dass sich die Versorgung mit sauberem Trankwasser schon durch 1050 Brunnen in der Region Kunduz verbessert hat. Auch die Schaffung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen hat sich die Organisation Katachel e.V. zur Aufgabe gemacht.
Um diese unermüdliche Arbeit zu würdigen erhielt Sybille Schnehage nicht nur das Preisgeld von 10 000 USD welches sie für die Nothilfe für Witwen in Afghanistan verwenden möchte, sondern auch die Ehrenplakette und ein extra angefertigtes Ehrenjacket, so wie es bei hohen Ehrungen weltweit, aber insbesondere beim Hauptsitz der Organisation in Los Angeles üblich ist.
Die Organisation der Masterin Ching Hai zeichnet weltweit Menschen aus, welche sich auf den verschiedensten Gebieten um das Wohl der Menschheit verdient gemacht haben, sei es im Bereich humanitärer Hilfe, sei es beim Umweltschutz oder auch im Tierschutz. So stehen in der Liste der Geehrten so berühmte Namen wie Bill Gates, Angelina Jolie oder Arnold Schwarzenegger Mit der Verleihung an Sybille Schnehage ging die Auszeichnung erstmalig nach Deutschland, konkret nach Bergfeld in Niedersachsen.
Foto: Sybille Schnehage bei der Preisübergabe im Kreise der Mitarbeiter der Ching Hai Association
Erinnerung an getöteten Soldaten
Von Barbara Benstem
GIFHORN. Die Sicherheitslage in Afghanistan wird immer schwieriger, gleichzeitig stellt Aufbauhelferin Sybille Schnehage eine immer größere Unterstützung der Bevölkerung für ihre Arbeit fest. Die Bergfelderin kehrte vergangene Woche von einem weiteren Aufenthalt in Kundus zurück.
"Ich bin immer wieder begeistert, wenn ich sehe, was das Projektteam in der Zwischenzeit alles voranbringt", freut sich die 57-Jährige. Die Schule von Katachel sei zum Gymnasium ausgebaut worden, in einem eigens angelegten Teich konnten die ersten Fische für den Eigenbedarf gezüchtet werden. "Das ist besonders im Winter wichtig, wenn die Menschen noch mehr unter schlechter Ernährung leiden."
Darüber hinaus wurden von Projektgeldern 300 Ziegen gekauft. "Die haben wir an die besonders armen Witwenfamilien verteilt", schildert Schnehage. "Die Freude darüber war bei den Frauen und Kindern riesig." Vorangetrieben werde zudem die Seifenproduktion, die dem Dorf Katachel eine kleine Einnahmequelle bringen soll. "Wir haben jetzt eine Maschine, mit der die Wolle von den Kernen getrennt werden kann. Aus den Kernen entsteht ja das Baumwollöl, das wir für die Seifenproduktion brauchen", schildert Sybille Schnehage.
Stichwort: Sicherheitslage. "Sie ist eindeutig schlechter geworden, es gibt mehr Anschläge und Zwischenfälle", sagt die Aufbauhelferin. "Allerdings erfahre ich immer mehr Unterstützung aus der Bevölkerung. Die Menschen wissen, dass ich innerlich zur Hälfte eine von ihnen bin. Sie vertrauen mir und helfen, wo sie können."
Zu einem bewegenden Moment wurde während des jüngsten Aufenthalts Schnehages in Katachel die Benennung der Schule nach Michael Diebel. Der junge Reservist war bei dem verheerenden Attentat im Mai auf die Bundeswehr in Kundus getötet worden (Rundschau berichtete).
Dienstag, 02.10.2007
Katachel-Projekt: Tapferes Bollwerk im Terror
Von Barbara Benstem
AFGHANISTAN. Armut, Elend, explodierende Gewalt – wunderschöne Landschaften und Menschen voller Tapferkeit und Humanität. All dies erlebte ich während meines Aufenthaltes in Afghanistan, von dem ich im folgenden Reisetagebuch berichten möchte.
Um es vorweg zu nehmen: Weitaus schwieriger als gedacht gestaltete es sich, zum Hilfsprojekt Katachel im Norden Afghanistans zu gelangen. Denn nicht Uhrzeiten und Fahrpläne sind im Land am Hindukusch entscheidend, sondern das Wetter und die Sicherheitslage ...
15. Mai, Usbekistan: Nach 7 Flugstunden von Deutschland aus landen wir auf dem Bundeswehrstützpunkt Termez. Alle Pässe, auch die der mitfliegenden Generäle und der von Staatssekretär Peter Wichert (Verteidigungsministerium) werden von den Usbeken für den Zwischenstopp einkassiert. Übernachtet wird in einer kleinen Zeltstadt. In der Frühe soll es mit einer Transall nach Kundus weitergehen. Nachts tobt allerdings ein Sandsturm übers Camp, an Schlaf ist nicht zu denken.
16. Mai, Afghanistan: Nicht zu denken ist am Morgen auch ans Fliegen, der Sandsturm hat alles lahm gelegt. Am späten Nachmittag startet schließlich eine Transall Richtung Masar-i-Scharif, Afghanistan. Ich darf im Cockpit sitzen und verfolgen, wie der Pilot den schweren Transportflieger über die Bergrücken steuert. Mulmig wird mir erst, als ich am Boden erfahre, dass es wegen der Wetterlage keinen Weiterflug nach Kundus gibt. Die Bundeswehr in Masar-i-Scharif organisiert einen einheimischen Fahrer, der mich im zivilen, "unauffälligen" Fahrzeug nach Kundus bringen soll. So klein wie möglich mache ich mich auf dem Rücksitz, wage während der vierstündigen Fahrt nicht mal, nach einem Toilettenstopp zu fragen, geschweige denn, um eine Fotografierpause zu bitten. Schade um die wunderschöne Landschaft, die vorbeizieht.
Mehr als drei afghanische Felsbrocken fallen mir dann von der Seele, als mich Sybille Schnehage vom Projektteam Katachel nachts an der Stadtgrenze von Kundus mit einer herzlichen Umarmung empfängt. Im Dorf wird schon gefeiert: Das Mädchen Rahima, das in Wolfsburg wegen einer schweren Beinerkrankung operiert wurde, wird einen Jungen aus Katachel heiraten.
17. Mai, Katachel: Um 7.30 Uhr stehen Schul- und Werkstattbesichtigung auf dem Programm. Mehr als 1000 Kinder aus 13 Dörfern gehen in Katachel zur Schule, die erste wurde 1994 gebaut. In Werkstätten entstehen Wolldecken und Schuhe für den afghanischen Markt. Schnell gewöhne ich mich daran, dass selbst der Schulunterricht von bewaffneten Polizisten und Sicherheitsleuten bewacht ist. Auch ich tue gut daran, keinen Schritt ohne die Bewacher zu machen, die fürs Projekt arbeiten. "Die Arbeit war immer gefährlich und sie wird es wohl bleiben", sagt Sybille Schnehage. Politische Gründe, Neid, verletzte Ehre und immer wieder Armut sind Ursachen für Anschläge.
Schnehage und ihr Projektleiter Dadgul Delawar sind auf etlichen Feldern tätig. In der ganzen Provinz sind – oft in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr – Brücken, Brunnen und Schulen entstanden. Die studierte Physikerin hält zudem Vorträge zu Ökologie und Wasserwirtschaft.
Beim Rundgang durch die Umgebung treffe ich nachmittags auf Kinder, die schwere Lasten schleppen, Wasser vom Brunnen holen oder von der Feldarbeit kommen. Sofort strahlen sie übers ganze Gesicht, als wir kleine Kuchen und Stofftiere verteilen. So etwas wie das große Los hat Rahima gezogen: Sie bekam zur Hochzeit vom Projekt Katachel ein Heim aus festen Mauern und fünf Morgen Land. Auch die Bundeswehr kommt zur Hochzeit und gratuliert mit Geschenken.
18. Mai, Kundus/Katachel: Heute geht es mit der Bundwehr auf Informationsreise. Ausgestattet mit der schweren "Splitterschutzweste", die für die Soldaten zur unverzichtbaren Ausrüstung gehört, darf ich am Programm teilnehmen, das Staatssekretar Peter Wichert absolviert. Ein Tiefbrunnen wird besichtigt, eine Brücke eröffnet. Wichtige Gesprächspartner sind für den Politiker und die Bundeswehrgeneräle, die bei der Rundtour dabei sind, die Dorfältesten. "Allah ist für den Regen zuständig, die Menschen für die Bauwerke", sagt einer von ihnen.
Abends hat das Dörfchen Katachel die Bundeswehr zur sportlichen Begegnung eingeladen. Schwer bewacht und umjubelt von vielen Zuschauern geht die Partie Deutschland – Afghanistan über die Bühne.
Das Fußballfest klingt mit einem gemeinsamen Essen aus, das die Soldaten aus ihrer Kantine stiften.
19. Mai , Kundus: Mein Abflug in die Heimat steht bevor, doch inmitten meines Abschiedes von den Soldaten im Stützpunkt überstürzen sich die Ereignisse: In Kundus gibt es einen schweren Anschlag auf die Bundeswehr. Einer der Fußballspieler vom Vorabend stirbt. Insgesamt gibt es 8 Tote und viele schwer Verletzte (wir berichteten). Deutsche und Afghanen trauern gemeinsam. Weitere Selbstmordattentäter sollen in der Provinz unterwegs sein. Ich kann am späten Abend mit der ersten Maschine, die Richtung Deutschland geht, heimfliegen.
Obwohl der Bundeswehrkommandeur die Afghanen warnt, dass die Lage zu gefährlich sei, gehen am 24. Mai in Kundus 2000 Afghanen für die Deutschen auf die Straße. Dadgul Delawar gestern gegenüber unserer Zeitung: "Die Feinde der Deutschen sind auch unsere Feinde."
Helfen, aber nicht bevormunden
Von Barbara Benstem 25.2.2007 Gifhorner Rundschau
BERGFELD. "Afghanen haben eine andere Denkweise als wir", sagt Sybille Schnehage. "Wenn wir dorthin gehen, dürfen wir das nicht vergessen. Unsere Soldaten dürfen nicht nur strategisch ausgebildet werden, sie müssen sich auch in der Kultur auskennen."
Schnehage, Gründerin des Hilfsprojektes Katachel mit Sitz in Bergfeld, hielt jetzt in der Offiziersschule der Bundeswehr in Dresden vor 500 Soldaten einen Vortrag über Afghanistan. "Afghanische Frauen haben nicht das Bedürfnis, sich frei auf der Straße zu bewegen. Das müssten wir erst bei ihnen wecken, ohne sie aber zu bevormunden", sagt die Bergfelderin. "Und Taliban-Sympathisanten grundweg als Feinde zu betrachten, ist der falsche Weg. Wir müssen ihr Vertrauen gewinnen, mit ihnen sprechen. Nur so kann auch den Fundamentalisten der Wind aus den Segeln genommen werden."
Die Kenntnisse der 58-Jährigen, die sich seit 20 Jahren beim Wiederaufbau des Landes am Hindukusch engagiert, sind für die Bundeswehr von Bedeutung. In der Dresdener Offiziersschule, in die die Bergfelderin jetzt zum Vortrag eingeladen wurde, werden Soldaten auf einen möglichen Einsatz in Afghanistan vorbereitet.
Schnehage selbst reist im kommenden Mai erneut nach Afghanistan. Diesmal geht es darum, dass in den Hilfsregionen im Kundus eine Imkerei aufgebaut werden soll, die Seifenproduktion aus Baumwollöl und Schwarzkümmel gestartet und die Wolldeckenherstellung vorangetrieben wird. In allen Projekten werden Kriegswitwen beschäftigt, die sich und ihre Kinder dann durch ein kleines Einkommen versorgen können. "Außerdem werden wir unseren 1000. Brunnen und wieder etliche Schulen und Brücken einweihen und weitere Hilfsgüter verteilen können, die durch Spenden zusammen gekommen sind", freut sich die Katachel-Gründerin, deren Projektleiter in Afghanistan, Dadgul Delawar, stets eng mit der Bundeswehr zusammenarbeitet.
Interview 9.2.2007 mit Sybille Schnehage
Interview 9.2.2007 mit Sybille Schnehage Braunschweiger Zeitung von Volker Kühn
Sybille Schnehage reist seit 20 Jahren nach Afghanistan. Schon während der
Herrschaft der Mudschaheddin hat sie die Menschen vor Ort beim Wiederaufbau ihres
Landes unterstützt. Sie kennt aber auch die Zeit der Taliban und die Probleme, mit
denen Afghanistan heute zu kämpfen hat. Mit der Entwicklungshelferin sprach Volker
Kühn.
Frau Schnehage, wenn Sie im Bundestag über den Tornado-Einsatz in Afghanistan
entscheiden müssten: Wie würden Sie abstimmen?
Das ist eine schwere Gewissensfrage. Ich bin froh, dass ich sie nicht beantworten
muss. Ich bin mir nicht sicher, ob Deutschland überhaupt die Freiheit hat, den
Einsatz abzulehnen.
Immerhin hat die Nato die Bundesregierung um die Tornados gebeten. Deutschland ist
immerhin Teil der Nato und kann sich der Bitte schwerlich verweigern.
Die Zustimmung im Bundestag gilt als sicher. Deutschland rückt damit näher an das
Kampfgeschehen in Süd-Afghanistan heran. Befürchten Sie, Rache-Akte gegen die
deutschen Soldaten im Norden?
Nein. Ich glaube, die Afghanen können zwischen den Aufklärungsflügen der Deutschen
und dem Auftreten der Amerikaner, Briten und Kanadier unterscheiden.
Aber diese Flüge könnten zur Vorbereitung späterer Angriffe dienen.
Trotzdem. Die Deutschen haben einen hervorragenden Ruf in Afghanistan. Ich glaube
nicht, dass er darunter leiden würde.
Woher kommt dieser gute Ruf?
Die Deutschen treten einfach anders auf. Die US-Soldaten sollten sich ein Beispiel
daran nehmen. Sie begegnen den Afghanen auf Augenhöhe und behandeln sie mit Respekt.
Das ist unglaublich wichtig Menschen, denen Stolz und Ehre so wichtig sind wie den
Afghanen.
Und die Amerikaner?
...behandeln die Afghanen von oben herab. Sie tragen verspiegelte Sonnenbrillen, sie
jagen bei ihren Einsätzen die Frauen aus den Häusern und demütigen die Männer.
Für die USA geht es um den Kampf gegen den Terror, nicht so sehr um den
Wiederaufbau. Aber was bringt es aber, wenn ich 80 Kämpfer töte und dadurch 800 neue
Feinde habe? Denn all diese Toten haben zornige Angehörige.
Wie klappt ihre Zusammenarbeit mit den deutschen Isaf-Truppen?
Hervorragend. Wir verteilen die Hilfsgüter gemeinsam und sprechen uns bei den
verschiedenen Projekten ab. Wir haben das gleich Ziel: den Menschen zu helfen.
Das nehmen aber auch die USA für sich in Anspruch. Auch sie leisten Entwicklungshilfe.
Natürlich. Aber sie gehen ganz anders an das Thema heran. Oft ist es so, dass sie
mit ihren Millionen kommen und sagen: Wir bauen hier eine Schule - ohne, dass sie
vorher mit den Menschen vor Ort gesprochen habe.
Was machen Sie anders?
Wir fragen die Afghanen zuerst, was sie brauchen, wie wir helfen können. Und wenn
sie dann sagen, ja, wir wollen eine Schule bauen, dann binden wir die Einheimischen
mit ein. Sie bauen ihre Schule selbst. Wir geben nur Anschubhilfe.
ENDE DES INTERVIEWS
Sybille Schnehage (56)
wurde 1950 in Magdeburg geboren. Die diplomierte Physikerin engagiert sich seit 1987
für Afghanistan. Mit ihrem Verein "Katachel" baut sie Brücken und Schulen, bohrt
Brunnen und richtet Fabriken ein.
Der Verein beschäftigt bis zu 300 Afghanen. 2003 erhielt Sybille Schnehage für ihren
Einsatz das Bundesverdienstkreuz. Die zweifache Mutter wohnt mit ihrem Mann in
Bergfeld.
Helfen, die Menschen auf der Intensivstation
Helfen, die Menschen auf der Intensivstation Kunduz zu versorgen
Helfen vor Ort im nordafghanischen Kunduz, dies ist immer wieder
das Wichtigste für die Bergfelder Hilfsorganisation Katachel e.V.,
und so werden natürlich in erster Linie Hilfsprojekte zur
Selbsthilfe, wie Schulbauten, Brücken- und Straßenbauten,
Brunnenbauten, sowie verschiedene Ausbildungsprojekte unterstützt.
Dennoch ist auch manchmal eine ganz direkte Hilfe notwendig, wenn
Menschen schwer erkrankt im Krankenhaus Kunduz liegen und nur
unzureichend versorgt werden können. Ein Glück dabei war, dass der
Verein Katachel e.V. aus Wolfsburg Magensonden und die
dazugehörigen Flüssigkeiten, Katheder und andere Hilfsgüter
gespendet bekam, die dann von der Vorsitzenden Sybille Schnehage in
Kartons verpackt wurden und via Bundeswehr nach Kunduz gebracht
werden konnten.
Oberstleutnant Langer, der Leiter des Presseinfirmationszentrums
des PRT Kunduz und Katachel e.V. Projektleiter Dadgul übergaben die
Hilfsgüter an das Krankenhaus, nahmen des herzlichen Dank entgegen
und auch die afghanischen Medien berichteten über diese Aktion.
Wer dieses Hilfsprojekt unterstützen möchte, kann Spenden an
Katachel e.V. unter der Kontonummer 014 160 006 bei der Sparkasse
Gifhorn Wolfsburg BLZ 269 513 11 einzahlen.
Radiosendung swr 28.10.2006
Ursula Winkler porträtiert einen ehemaligen Mudschahedin, der verletzt wurde, im Stuttgart Katharinenhospital behandelt wurde und dessen Leben seither eine denkwürdige Wendung nahm.
Vor 13 Jahren war Dagdul ein moslemischer Kämpfer in Afghanistan. Dann wurde er schwer verletzt. Dagdul wurde quasi das Gesicht weggeschossen. Im Katharinenhospital in Stuttgart hat man sein Gesicht mit mehreren Operationen und Eigenhauttransplantation wieder rekonstruiert.
Bis heute muss Dagdul immer wieder für mehrere Monate nach Stuttgart ins Krankenhaus kommen. Das Ergebnis: Die Hilfe der Deutschen hat ihn so sehr beeindruckt, dass Dagdul selbst Gutes tun wollte. Er hörte auf zu kämpfen, gründete - gemeinsam mit Sybille Schnehage - den Verein "Katachel e.V." und fing an, rund um seinen Heimatort Katachel Schulen – insbesondere für Mädchen zu bauen.
Ursula Winkler hat Dagdul und eine Mädchenschule in Afghanistan für SWR 4 Radio Stuttgart besucht und berichtet im Frühmagazin am 28.10. zwischen 6.05 und 9.00 Uhr darüber.
Ursula Nanni Winkler
Höchster Orden für Schnehage
Von Barbara Benstem Gifhorner Rundschau 16.10.2006
GIFHORN/KUNDUS. Sybille Schnehage hat für ihre Verdienste in Afghanistan den höchsten Orden des Landes bekommen. Zudem verlieh die Universität Kabul ihr die Ehrendoktorwürde.
Gestern trafen sich Freunde, Wegbegleiter sowie Vertreter aus Politik und Gesellschaft in den Wolfsburger Schlossremisen, um den doppelten Anlass zu feiern.
Bereits im vergangenen Mai hatte das afghanische Parlament in Kabul den Beschluss gefasst, der Deutschen die höchste Auszeichnung zu verleihen. Die Sicherheitslage war allerdings für eine Fahrt von Kundus, wo das Hilfsprojekt Katachel der Bergfelderin angesiedelt ist, bis in die Hauptstadt Kabul zu kritisch. Im September, während eines weiteren Hilfseinsatzes der 56-Jährigen in der Provinz Kundus, fand dann der Festakt in der dortigen Hochschule statt. In diesem Rahmen wurde Schnehage auch die Ehrendoktorwürde der Universität Kabul verliehen. Grund: Die Afghanen danken ihr für den Anteil am Aufbau des Bildungswesens. 22 Schulen und etliche Ausbildungswerkstätten wurden durch Spendengelder und Materialien, die die Bergfelder für die Afghanen aufgetrieben hatte, gebaut.
Zu den Gästen, die sich zur Feier in den Wolfsburger Schlossremisen trafen, gehörte auch ein alter Weggefährte: Manfred Schikora hatte Schnehage Ende der 80er Jahre, als sie mit ersten Hilfslieferungen nach Afghanistan kam, kennengelernt. Um die Hilfsorganisationen herum gab es tagelange heftige Gefechte zwischen verfeindeten Stämmen. "Was sie aber mehr wütend und verzweifelt machte, war, dass die Hilfslieferungen nicht dorthin gelangten, wo sie hingehörten", erinnert sich Schikora, der damals für eine andere Organisation arbeitete. Ergebnis war, dass Sybille Schnehage den Verein Katachel gründete, der zur gerechten Verteilung der Hilfsgüter beitrug.
Jürgen Bammel, Samtgemeindebürgermeister von Brome, beglückwünschte die Bergfelderin zur doppelten Auszeichnung. "Wir sind stolz, eine solche Mitbürgerin zu haben. Möge ihnen die Power für ihr Engagement nie ausgehen."
Schnehage selbst erklärte: "Helfen kann man nur im Verbund, niemals allein. Am heutigen Tag sollen alle, die mich unterstützt haben, im Mittelpunkt stehen."
Glückwünsche gab es auch – in schriftlicher Form – von Ministerpräsident Christian Wulff. Er sprach Schnehage per Brief Respekt und Anerkennung für ihr unermüdliches Engagement aus.
Montag, 16.10.2006
Quelle
Wahl Wolfsburger des Jahres
"Gewinner sind Sie alle elf!"
Bärbel Gädke ist Wolfsburgerin des Jahres 2005, gefolgt von Sybille Schnehage und Herbert Gomoll
Von Daniel Puskepeleitis 27.1.2006
Es war ein bewegender Moment, als die Wolfsburgerin des Jahres 2004 ihre Nachfolgerin bekannt gab: Karin Elscher bemühte die Kinderbuchautorin Astrid Lindgren, die sich in ihrer schwedischen Heimat für den Tierschutz stark machte, und leitete über zur Wolfsburger "Anwältin der Tiere" und somit zu Bärbel Gädke. Sichtlich gerührt nahm die Vorsitzende des Tierschutzvereins den ersten Preis entgegen – und ist die Wolfsburgerin des Jahres 2005.
Zuvor hatte bereits Oberbürgermeister Rolf Schnellecke den zweiten Platz bekannt gegeben: Sybille Schnehage vom Hilfsverein Katachel, der sich von Wolfsburg aus um den Ort im afghanischen Kundus-Gebiet kümmert, wurde auf den zweiten Platz gewählt: "Ich danke meinem Mann, meinen Kindern, meiner Mutter und allen Helfern, ohne die die Hilfe für Katachel nicht möglich wäre", sagte Schnehage.
Roland Kalweit von der Autostadt hielt die Laudatio auf den Drittplatzierten: Herbert Gomoll, ehrenamtliche Aufsicht auf den Toiletten am Rathausplatz. In einer launigen Rede betonte er: "Herbert Gomoll zeigt, dass man im Ruhestand längst nicht zum alten Eisen gehören muss und auch ohne die Unterstützung von Vereinen ganz allein etwas bewegen kann." Der Gelobte gestand anschließend: "Ich bin heute der glücklichste Mann der Stadt."
Aber WN-Redaktionsleiter Thorsten Geil betonte: "Gewinner sind Sie alle elf!"
Zu Weihnachten -Schuhe für die Kinder
Zu Weihnachten -Schuhe für die Kinder in AfghanistanKunduz.
Nun kommt sie wieder, die kalte Jahreszeit in der auch in Afghanistan die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken und Schnee und Matsch die Straßen nur sehr schlecht begehbar machen. Hier in Deutschland ist nasskaltes Wetter kein Problem, denn unsere Kinder haben ausreichend warme Kleidung und festes Schuhwerk.
Ganz anders in Afghanistan, denn dort leben viele Familie in größter Armut, so dass ein Paar Schuhe ein Luxusartikel ist, und viele Mädchen und Jungen gehen daher auch im Winter mit Badelatschen zur Schule. Dass bei solchen Bedingungen die Kindersterblichkeitsrate im Land am Hindukush extrem hoch ist wird wohl keinen verwundern.
Vor drei Jahren hat der Verein Katachel e.V. aus Bergfeld in der Provinz Kunduz eine kleine Ausbildungsschuhfabrik gebaut, in der junge Männer den Beruf des Schusters erlernen können. Dort in dieser Kleinfabrik werden in Handarbeit feste Schuhe zu Schnüren hergestellt, die im Winter die Füße schön warm halten können. Solch ein Paar Schuhe kostet im eigenen Laden nur 8 Euro.
Nun möchte der Verein Katachel e.V. auch in diesem Jahr zur Weihnachtszeit, wie schon im vergangenen Jahr (siehe Foto) , wieder Geld für solche Schuhe sammeln, denn wenn man hier in Deutschland 8 Euro für ein Paar Schuhe für ein afghanisches Kind spendet, dann bekommt nicht nur das Kind warme Füße, auch der junge Auszubildende findet Arbeit, Ausbildung und damit eine Zukunft.
„Dies ist viel besser, als unsere abgelegten Sachen nach Afghanistan zu transportieren, denn das Land braucht Hilfe zur Selbsthilfe, Arbeit für die jungen Leute und Hoffnung. Wenn ich Schuhe von hier transportieren würde, dann wäre der Transport teurer als die Schuhe dort vor Ort“ erläutert dazu Vereinsvorsitzende Sybille Schnehage.
Wer sich an der Aktion beteiligen möchte, kann Spenden auf das Konto Katachel e.V. 014 160 006 bei der Sparkasse Gifhorn Wolfsburg BLZ 269 513 11 unter dem Stichwort Schuhe einzahlen. Eine Spendenquittung wird im Januar zugesandt.
Glückliche Kinderaugen
Glückliche Kinderaugen freuen sich über 5000 Kuscheltiere
Katachel e.V. verschickte über 62 Umzugskartons
Kunduz/Afghanistan Die Mädchen in der Mädchenschule der afghanischen Stadt Kunduz sind überglücklich, denn jedes Kind konnte bei der Verteilung eines der so geliebten Kuscheltiere in Empfang nehmen.
Durch einen Spendenaufruf in Wolfsburger Kurier waren über 5000 Plüschtiere zusammengekommen und auf die Reise nach Kunduz gegangen, wo ein erheblicher Teil von den Soldaten selbst im Krankenhaus an die kleinen Patienten verteilt wurde. Aber da es doch so viele Kuscheltiere waren da wurden auch einige Kartons in der großen Mädchenschule Kunduz abgegeben um dort den Mädchen eine Freude zu machen.
Da der Projektleiter von Katachel e.V. Dadgul Delawar vor einigen Tagen in Deutschland eingetroffen ist, ist im Moment die Sammelaktion für Kuscheltiere beendet. Wichtiger ist es zurzeit Geld für Kinderschuhe zu sammeln, für Schuhe, die dann in der dortigen Ausbildungsschuhfabrik angefertigt werden und für 8 Euro pro Paar aufgekauft werden und an die bedürftigen Kinder verteilt werden können. In dieser Ausbildungsschuhfabrik arbeiten vorwiegend Behinderte, die durch diese Arbeit ihre familien ernähren können.
In der Schule Moussassai in der Hochebene der Provinz, dort wo Katachel e.V. im Sommer eine neue Schule gebaut hat, warten fast 1000 Kinder auf Schuhe, denn dort ist die Armut so groß, dass fast alle Mädchen und Jungen auch im Winter barfuß in Badelatschen gehen müssen.
Bis jetzt sind Spenden für 220 Paar Schuhe eingegangen, so dass Katachel e.V. noch auf weitere Spenden hofft, damit nicht Kinder mit „blutendem Herzen“ ohne Schuhe der Verteilung zusehen müssen.
Gespendet werden kann unter dem Stichwort Schuhe auf das Konto Katachel e.V. Nr. 014 160 006 bei der Sparkasse Gifhorn Wolfsburg BLZ 269 513 11. Eine Spendenquittung wird bei Angabe der Spenderadresse zugeschickt.
Grüße vom VfL Wolfsburg nach Kunduz
Ein Poster mit den Unterschriften aller Vertragsspieler des VfL Wolfsburg wurde am 11. Februar den Wesendorfer Panzergrenadieren im PRT ( Provincial Reconstuction Team ) in Kunduz ( Afghanistan ) übergeben.
Das „weiße Gold von Kunduz“, es schneite heftig, bildete den Rahmen für die Übergabe des „Überraschungsgeschenkes“.
Eine Fan-Gruppe des VfL , an ihrer Spitze der Kommandeur Oberst Axel Binder und sein Stellvertreter Oberstleutnant i.G. Thomas Fischer, nahmen den willkommenen Gruß aus der Heimat begeistert entgegen.
Dadgul Delawar, der Vertreter der deutschen Hilfsorganisation Katachel e.V., war der Überbringer.
Das Poster wird einen Ehrenplatz im Kontingent erhalten.
„Der VfL soll wieder zu seiner alten Stärke finden und sich seinen angestammten Tabellenplatz, wie am Ende der Hinrunde erkämpfen“, meinte Oberfeldwebel Sascha Kornblum, einer der Fans, nach der Übergabe mit Blick auf den derzeitigen Tabellenplatz des VfL in der Bundesliga und den anstehenden Spielen.
Auch hier in Kunduz spielt man Fußball.
Über 20 regionale Vereine nutzen den Fußballplatz in Kunduz, nicht weit vom PRT entfernt.
Sehnsüchtig gehen die Blicke der Wesendorfer Soldaten zu den kickenden Afghanen, wenn sie auf Streife oder Patrouille am „Stadion“ vorbeikommen.
Die Wesendorfer wünschen dem VfL viel Glück und Erfolg !
Was ein entstellter Mathelehrer bewirken kann
FRIEDRICHSHAFEN - Die Zeit, in der man gerne in den Schoß der Familie zurückkehrt, ist oft eine Zeit der Rückbesinnung. Auf eine besondere Erinnerung baut Sybille Schnehage, die in Friedrichshafen aufgewachsen ist. Die Gründerin der Afghanistan-Hilfe Katachel glaubt, dass ihr Mathematiklehrer am Graf-Zeppelin-Gymnasium sie entscheidend beeinflusst hat.
"Mein früherer Mathematiklehrer Engelhardt hat mein Leben nicht nur damals beeinflusst. Er hat es noch viel intensiver in späteren Jahren getan. Ohne ihn hätte ich meine jetzige Lebensaufgabe nicht so aktiv angehen können. Denn jetzt kümmere ich mich als Vorsitzende des Vereins Katachel um Schwerstverletzte aus Afghanistan." Mit diesen Worten deutet Sybille Schnehage, dem Abitur-Jahrgang 1970 des Graf-Zeppelin-Gymnasiums (GZG) als Sybille Bosse bekannt, an, was der schwer kriegsversehrte Rechenkünstler in ihrem Leben Maßgebliches bewirkt hat.
Die 53-jährige Blondine und diplomierte Physikerin, die im niedersächsischen Bergfeld bei Wolfsburg wohnt, hat gerade einen schwer verbrannten siebenjährigen Jungen aus Afghanistan zu Gast. Wie sie dem Chronisten erzählt, habe sie "keine Angst vor schwersten Gesichtsverletzungen" - mit ein Verdienst ihres Mathelehrers. Oberstudienrat Engelhardt, der den GZG-Pennälern von Mitte der 50er- bis Mitte der 70er-Jahre unvergesslich ist, hatte sich nämlich schwerste Kriegsverletzungen zugezogen.
FRIEDRICHSHAFEN - Die Zeit, in der man gerne in den Schoß der Familie zurückkehrt, ist oft eine Zeit der Rückbesinnung. Auf eine besondere Erinnerung baut Sybille Schnehage, die in Friedrichshafen aufgewachsen ist. Die Gründerin der Afghanistan-Hilfe Katachel glaubt, dass ihr Mathematiklehrer am Graf-Zeppelin-Gymnasium sie entscheidend beeinflusst hat.
Von unserem Redakteur Bernd Galler
"Mein früherer Mathematiklehrer Engelhardt hat mein Leben nicht nur damals beeinflusst. Er hat es noch viel intensiver in späteren Jahren getan. Ohne ihn hätte ich meine jetzige Lebensaufgabe nicht so aktiv angehen können. Denn jetzt kümmere ich mich als Vorsitzende des Vereins Katachel um Schwerstverletzte aus Afghanistan." Mit diesen Worten deutet Sybille Schnehage, dem Abitur-Jahrgang 1970 des Graf-Zeppelin-Gymnasiums (GZG) als Sybille Bosse bekannt, an, was der schwer kriegsversehrte Rechenkünstler in ihrem Leben Maßgebliches bewirkt hat.
Die 53-jährige Blondine und diplomierte Physikerin, die im niedersächsischen Bergfeld bei Wolfsburg wohnt, hat gerade einen schwer verbrannten siebenjährigen Jungen aus Afghanistan zu Gast. Wie sie dem Chronisten erzählt, habe sie "keine Angst vor schwersten Gesichtsverletzungen" - mit ein Verdienst ihres Mathelehrers. Oberstudienrat Engelhardt, der den GZG-Pennälern von Mitte der 50er- bis Mitte der 70er-Jahre unvergesslich ist, hatte sich nämlich schwerste Kriegsverletzungen zugezogen.
Wie Sybille Schnehage weiß, habe er nur einen Arm gehabt und vor allem üble Kopfverletzungen, nur ein Auge, ein vernarbtes Gesicht und eine große Operationswunde an der Stirn. Er sei vom Krieg so stark gezeichnet gewesen, dass jeder es verstanden hätte, wenn er sich als Kriegsrentner zur Ruhe gesetzt hätte. Stattdessen habe er den Schülern Mut und im Zeichen von Zirkel und Geodreieck Späße gemacht, dass ihn alle schätzen und lieben lernten. Seine Fähigkeit, Wurzeln im Kopf zu ziehen, machte ihn am Gymnasium zur Legende, die die Schüler mit Vorliebe mehrmals täglich darauf aufmerksam machte: "Dumm, frech und feige, das sind mir die Kombinationen, die ich liebe!"
Von einem Panzer zerfetzt
Die Power-Frau mit Physikstudium, die sich gerne an ihre Schulzeit in Friedrichshafen zurückerinnert, hat gerade jetzt, vor Weihnachten, über ihren Lebensweg nachgedacht und sich nachhaltig an die Gesichtsverletzungen ihres Lehrers erinnert. Vor zwölf Jahren habe sie in Afghanistan einen jungen Mann getroffen, dem ein Panzer die Nase und den Oberkiefer weggeschossen hatte. Für sie sei es keine Frage gewesen, diesen ehemaligen Freiheitskämpfer mit nach Deutschland zu nehmen, wo ihm Chirurgen halfen, ein neues Gesicht zu bekommen. Heute sei dieser junge Mann, Dadgul Delawar, Projektleiter des Vereins Katachel, der nach einem Ort im Norden Afghanistans, in der Provinz Kunduz, benannt ist.
Dort hat Sybille Schnehage allein in diesem Jahr zehn Schulen, 35 Brücken, 20 Kilometer Straßen und 100 Brunnen bauen lassen, ehrenamtlich und von Spendengeldern. Nun machen unzählige Auszeichnungen bis hin zum Bundesverdienstkreuz sie zur Legende. Die agile Frau, nach der eine Straße am Hindukusch benannt ist, bedauert nur eins: Ihrem Mathelehrer kann sie nichts mehr davon erzählen. Er starb im März 1988.}
112 Rollstühle non-stop nach Afghanistan
Schuh-Spender gesucht
Von Christoph Knoop WN 9.12.2004
Heute geht der Flieger: Rund 200 Rollstühle, Gehhilfen und Toilettenstühle transportiert ein Flugzeug der Bundeswehr direkt ins afghanische Kundus. Organisiert hat die Hilfslieferung der Verein Katachel aus Bergfeld.
Vor dem St. Elisabeth-Altenheim in der Kettelerstraße stapeln sich die Rollstühle. "Es gab Probleme mit dem LKW, wir müssen warten", erklärt Sybille Schnehage, Vorsitzende des Vereins Katachel. Zusammen mit der Bundeswehr organisiert sie den Transport des medizinischen Geräts nach Afghanistan.
Auf dem Dachboden des Elisabeth-Heims hatten die Geräte jahrelang gestanden. "Das sind häufig Nachlässe Verstorbener, die von den Krankenkassen nicht zurückgefordert werden", erklärt Angelika Eggerling, die Leiterin des Heims. "Es wäre doch schade, wenn das Material hier rumsteht, während es andere gebrauchen können", sagt Eggerling.
Seit 16 Jahren engagiert sich Sybille Schnehage in Afghanistan. "Damals habe ich den ersten Rollstuhl gekauft, auf einem Schrottplatz." Sie schickte ihn nach Afghanistan. 1992 lernte sie dort einen jungen Mann kennen, der von einem Panzer schwer im Gesicht verletzt worden war. Heute leitet der die Aktionen des Vereins vor Ort. Katachel unterstützt Witwen, baut Schulen und betreibt eine eigene Schuhfabrik zur Ausbildung junger Afghanen. Hier werden mit Spendenmittel Schuhe hergestellt, die den Kindern im Land durch kalten Winter helfen sollen. Geld für 320 Paar hat der Verein schon zusammen.
Zu Weihnachten -Schuhe
Zu Weihnachten -Schuhe für die Kinder in Afghanistan
Bergfeld/Kunduz. Nun kommt sie wieder, die kalte Jahreszeit in der auch in Afghanistan die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken und Schnee und Matsch die Straßen nur sehr schlecht begehbar machen. Hier in Deutschland ist nasskaltes Wetter kein Problem, denn unsere Kinder haben ausreichend warme Kleidung und festes Schuhwerk.
Ganz anders in Afghanistan, denn dort leben viele Familie in größter Armut, so dass ein Paar Schuhe ein Luxusartikel ist, und viele Mädchen und Jungen gehen daher auch im Winter mit Badelatschen zur Schule. Dass bei solchen Bedingungen die Kindersterblichkeitsrate im Land am Hindukush extrem hoch ist wird wohl keinen verwundern.
Vor zwei Jahren hat der Verein Katachel e.V. aus Bergfeld in der Provinz Kunduz eine kleine Ausbildungsschuhfabrik gebaut, in der junge Männer den Beruf des Schusters erlernen können. Dort in dieser Kleinfabrik werden in Handarbeit feste Schuhe zu Schnüren hergestellt, die im Winter die Füße schön warm halten können. Solch ein Paar Schuhe kostet im eigenen Laden nur 8 Euro.
Nun möchte der Verein Katachel e.V. auch in diesem Jahr zur Weihnachtszeit, wie schon im vergangenen Jahr (siehe Foto) , wieder Geld für solche Schuhe sammeln, denn wenn man hier in Deutschland 8 Euro für ein Paar Schuhe für ein afghanisches Kind spendet, dann bekommt nicht nur das Kind warme Füße, auch der junge Auszubildende findet Arbeit, Ausbildung und damit eine Zukunft.
„Dies ist viel besser, als unsere abgelegten Sachen nach Afghanistan zu transportieren, denn das Land braucht Hilfe zur Selbsthilfe, Arbeit für die jungen Leute und Hoffnung. Wenn ich Schuhe von hier transportieren würde, dann wäre der Transport teurer als die Schuhe dort vor Ort“ erläutert dazu Vereinsvorsitzende Sybille Schnehage.
Wer sich an der Aktion beteiligen möchte, kann Spenden auf das Konto Katachel e.V. 014 160 006 bei der Sparkasse Gifhorn Wolfsburg BLZ 269 513 11 unter dem Stichwort Schuhe einzahlen. Eine Spendenquittung wird im Januar zugesandt.
13 Daumen für die Schule
Sonntag, 19.09.2004
Auf dem weißen Blatt Papier prangen unübersehbar 13 Daumenabdrücke, eingefärbt in schwarzer Tinte. Es sind die Unterschriften von Honoratioren aus zwölf Dörfern, die zum Distrikt Alyabad gehören. Darüber steht der etwas ungelenke Text einer Petition. Die Dorfeinwohner fordern darin das örtliche Bildungsministerium auf, dem Neubau einer Schule zuzustimmen. „Im Winter ist es in den Zelten kalt und im Sommer ist es heiß“, klagen die Bittsteller. Deshalb soll die NGO Katachel e.V. mit dem Bau einer neuen Mädchenschule beauftragt werden. 950 Schülerinnen sollen auf diese Weise endlich unter würdigen Bedingungen lernen können. Dann folgt das Wichtigste: Stempel, Unterschrift und Genehmigung des lokalen Beauftragten des Ministeriums. Die Arbeit, finanziert aus Mitteln des deutschen Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), kann damit losgehen.
Das kleine Dorf Katachel liegt keine 15 Autominuten östlich von Kundus. Doch es hat einen Bekanntheitsgrad, der weit über die Landesgrenzen Afghanistans reicht. Denn die NGO Katachel e.V. baut Brücken, Schulen, Wohnhäuser. Auf ihre Initiative werden Witwen unterstützt und Kriegsverletzte betreut. Die Deutsche Sybille Schnehage und der afghanische Ex-Mudschahed Dadgul Delawar sind es, die seit 1994 am Beispiel Katachel demonstrieren, wie Aufbauarbeit im Alltag aussehen kann. Katachel genießt fast schon Modellcharakter – und hat deshalb auch schon hohen Ministerbesuch aus Deutschland erlebt.
Für Dadgul ist Katachel schon lange Lebensinhalt. Der ehemalige Kämpfer, der 1991 als Kommandeur einer Einheit Mudschaheddin von einer Panzergranate schwer im Gesicht verletzt wurde, ist inzwischen ein überzeugter Helfer. „Früher konnten in jedem Dorf vielleicht gerade mal zwei Bewohner Lesen und Schreiben“, sagt er. „Heute sind es schon in jeder Familie zwei“. Und das soll sich fortsetzen – jetzt mit der neuen Mädchenschule. Bis Dezember soll das knapp 100 000 Dollar teure Projekt fertig sein. Parallel läuft schon eine andere Maßnahme. Auf einem großen Gelände entstehen Wohnhäuser für Afghanistan-Rückkehrer.
Dadgul weiß, was es bedeutet, in der Fremde zu leben. Denn der heute 41-Jährige verbrachte nach seiner Verletzung Zeit in Pakistan und später in Deutschland. „Die Heimkehrer brauchen ein neues Zuhause, um einen Neuanfang zu wagen“, sagt er. So wie Dadgul selbst. Er hatte das Glück, auf eine engagierte Unterstützerin zu treffen. Dieses Glück will er seither teilen.
Der sechsjährige Mirajan
Der sechsjährige Mirajan soll in Deutschland medizinisch behandelt werden
Von Birgit Winter
GRAFHORST. Stellen wir uns vor, wir kämen in ein Land, in dem die Zivilisation etwa 200 Jahre zurück ist. Was für ein Kulturschock! Wie wäre es, wenn wir lernen müssten, wie elektrisches Licht, fließendes Wasser oder eine ganz normale Toilette funktionieren? Genau das ist dem sechsjährigen Mirajan Totakhel aus Kunduz passiert. Sybille Schneehage, Vorsitzende des Vereins Katachel, die seit Jahren für humanitäre Hilfe in Afghanistan steht, hat den schwer verbrannten Jungen nach Deutschland geholt, um ihm hier dringend benötigte medizinische Hilfe zukommen zu lassen. Gestern stellte ihn Johannes Götz, Lehrer aus Grafhorst, bei dem er während seines Aufenthaltes in Deutschland wohnt, der Öffentlichkeit vor.
Mirajan hat sich in der Küche seiner Mutter verletzt, als ein Kessel mit heißer Suppe ausrutschte und seinen Oberkörper verbrühte. "Als der Bundeswehrarzt in Afghanistan die Verbrennungen sah, war er erstaunt, dass das Kind den Unfall überlebt hat", berichtet Schneehage. Jetzt soll er in Hildesheim in einer Spezialklinik operiert werden. Seine Beweglichkeit ist stark eingeschränkt. Er kann die Arme nicht heben und leidet wegen seiner Narben unter Atem- und Schluckbeschwerden. Doch die Kosten für die Behandlung und die Dauer seines Aufenthaltes sind hoch. "Wir rechnen mit einem Mindestbetrag von etwa 40 000 Euro", so Schneehage.
Hier hilft der Lions-Club Wolfsburg-Fallersleben: Er wird die Sachkosten übernehmen. Der Rest soll aus Spenden finanziert werden. "Wenn der Krankenhausaufenthalt zu Ende ist, soll der Junge in die Schule gehen", sagte Götz, dem Mirajan nicht von der Seite weicht. "Das Kind ist neugierig und lernt schnell", so der Lehrer. Mirajan soll ein Jahr in Deutschland bleiben.
Spendenkonto: Sparkasse Gifhorn Wolfsburg, BLZ 269 513 11, Konto: 014 160 006. Stichwort: Mirajan.
Eigene Straße in Afghanistan
Kunduz/Bergfeld (fri). Mitten in der Stadt staut sich der Verkehr. Pferdekutschen bleiben neben Lasteseln stehen, Radfahrer schlängeln sich durch die anwachsende Menschenmenge und die Autofahrer hupen noch viel mehr als sowieso schon üblich. Von herbei eilenden Kindern wird lautstark Wasser zum Kauf angeboten, Bäckerjungen kommen mit Fladenbrot. Die Gelegenheit ist günstig für allerlei Geschäfte!
Grund des Auflaufes sind deutsche Soldaten, die ein grünes Straßenschild an eine Hausmauer schrauben: „Sakar Schnehage“ steht darauf. Wohlwollend sieht der Bürgermeister von Kunduz, Said Sahangeer, der kurzen Zeremonie zu. Minuten später fließt der gewohnte orientalisch-chaotische Verkehr wieder, in der „Sakar Schnehage“ kehrt Normalität ein.
Wie kommt eigentlich, rund fünfeinhalbtausend Kilometer von Deutschland entfernt, eine Straße zu diesem Namen? Ganz einfach: durch einen kaputten Rollstuhl auf einem norddeutschen Schrottplatz. Zumindest hat die Geschichte einmal so angefangen.
1988 fand Sybille Schnehage zwei alte Rollstühle. Ihr Vater baute aus den beiden klapprigen Behindertenhilfen eine funktionsfähige, fast neue zusammen. Gemeinsam überlegten sie, wem sie den Rollstuhl übergeben sollten. Da Vater Arnold Bosse kurze Zeit davor einen Film über Afghanistan gesehen hatte, wandten sich die beiden an eine in diesem Land tätige Hilfsorganisation. Wenig später arbeitete Tochter Sybille bereits für die Organisation und hat bis heute über 500 Rollstühle und große Mengen Medikamente in das vom Krieg geschundene Land gebracht.
Die Idee einen eigenen Hilfsverein zu gründen, kam der heute 53-jährigen 1994. Sybille Schnehage lernte einen zur Behandlung in Deutschland weilenden Afghanen kennen, dem ein sowjetischer Panzer das Gesicht weggeschossen hatte. Zwischen Dadgul Delawar, der über Jahre immer wieder in der Bundesrepublik operiert wurde und ihrer Familie entwickelte sich eine enge Freundschaft. Der Mann aus Afghanistan überlegte damals, was er nach seiner Rückkehr in seinem Heimatdorf Katachel bei Kunduz für die Menschen machen könnte. „Als ich ihm da vorschlug, Verbindungsmann einer deutschen Hilfsorganisation zu werden, hat er sofort zugesagt“ erinnert sich die Helferin heute noch.
Seit damals hat sich „Katachel e.V.“ zu einem der wichtigsten Hilfsvereine in Afghanistan entwickelt. Er besitzt keine große Verwaltung und kann so schnell auf unterschiedlichste Situationen reagieren und die Spenden gezielt einsetzen. Zur Zeit wird speziell der Bau von Schulen unterstützt. „Besonders Mädchen und Frauen können kaum lesen“ weiß die Bergfelderin. Inzwischen gibt es Dank “Katachel“ zehn neue Schulen in der Region Kunduz, in denen über 6000 Jungen und knapp 2500 Mädchen im Schichtdienst unterrichtet werden. Die Kinder kommen aus 35 Dörfern und gehören den unterschiedlichen Volksgruppen an.
Außerdem kümmert sich der Verein vermehrt um sauberes Trinkwasser und stellt z.B. Material für Ringbrunnen zur Verfügung. Durch diese Hilfe entstanden rund 670 Wasserstellen, von denen 20 Dörfer versorgt werden.
Mit einem Witwenprojekt werden in der Region Kunduz schon 20 Witwen mit ihren zahlreichen Kindern durch Patenschaften unterstützt. Spender in Deutschland sorgen mit 26 €uro monatlich für die Ernährung und den Lebensunterhalt der Familien. Damit wird auch der Schulbesuch der Mädchen und Jungen gesichert.
Durch verschiedene vom Verein finanzierte Projekte haben viele Männer Arbeit gefunden. Für zurückkehrende Flüchtlinge wurden 150 ortsübliche Lehmhäuser gebaut und eine Schuhfabrik für die Ausbildung von Schustern eingerichtet. Darüber hinaus bauen angelernte Schreiner und Schlosser Schulmöbel zur Ausstattung der Lehreinrichtungen.
Für ihr Engagement und ihre Verdienste wurde Sybille Schnehage unter anderem im letzten Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Die Stadt Kunduz dankte ihr nun mit der Benennung einer Straße im Zentrum. Und die Bundeswehrsoldaten des Wiederaufbauteams (Provincial Reconstruction Team) in Kunduz ließen es sich natürlich nicht nehmen, die Straßenschilder in der „Sarak Schnehage“ gut sichtbar zu befestigen.
Text und Fotos: Johann Fritsch PIZ Kunduz
Der gute Mensch von Kundus
23.1.2004 Volksstimme
Sybille Schnehage vom Verein für humanitäre Hilfe in Afghanistan im vergangenen Jahr bei der Eröffnung der Brücke über den Naqi-Fluss in Katachel (Provinz Kundus). Der Bau des Übergangs wurde aus Spendenmitteln des Katachel-Vereins finanziert. Fotos: privat
Schwaneberg/Kundus - Seit fast 16 Jahren hilft Sybille Schnehage aus Schwaneberg (Bördekreis) den Menschen in Afghanistan, und seit 1994 ist sie Vorsitzende des "Katachel" e. V., dem Verein für humanitäre Hilfe - benannt nach einem kleinen nordafghanischen Ort in der Provinz Kundus.
Mit einem Rollstuhl hat es 1988 begonnen Viel zu tun nach über 20 Jahren Krieg
Für die Witwen im afghanischen Katachel und deren Kinder ist Sybille Schnehage "der gute Mensch". Viele von ihnen müssten verhungern, wenn es die 55-Jährige nicht gäbe. Für 270 Witwen hat die Schwanebergerin inzwischen eine Patenschaft in Deutschland organisiert. Die Frauen erhalten monatlich 26 Euro, um überleben zu können.
"In Afghanistan gibt es kein soziales Netz", sagt Schnehage. "Stirbt der Ehemann, darf sich die Witwe nur innerhalb der Familie des Verstorbenen wiederverheiraten. Ansonsten lebt sie von Almosen der Großfamilie. Doch die meisten Verwandten haben selbst nichts."
Es ist keine Seltenheit, dass Frauen mit Kleinkindern auf dem Arm abends zur Hauptessenszeit durch die Gassen gehen und um Speisereste betteln.
Ein Erlebnis hat sich ganz tief in die Erinnerung der Schwanebergerin eingebrannt: "Eine Witwe kam mit ihren Enkeln zu mir, im Arm ein schwarzes Bündel - ein neugeborenes Baby." Ihre Tochter habe Zwillinge geboren und sei dabei gestorben. Die Oma wollte versuchen die Kinder mit Kuhmilch aufzuziehen. "Sicherlich sind die Babys inzwischen gestorben", sagt sie immer noch tief betroffen.
Sybille Schnehage wurde in Magdeburg geboren und hat einen Teil ihre Kindheit in der Börde verlebt, bevor ihre Eltern Ende der 50er Jahre aus politischen Gründen in die Bundesrepublik gingen. 1990 kehrte sie auf den elterlichen Hof nach Schwaneberg zurück.
An ihre erste Begegnung mit dem Land am Hindukusch kann sie sich noch genau erinnern. "1988 war ich mit meinem Vater auf einem Schrottplatz. Dort lagen zwei kaputte Rollstühle." Der Vater baute aus den beiden klapprigen Behindertenhilfen einen neuen. Gemeinsam überlegten sie, wer einen Rollstuhl braucht. "Mein Vater hatte gerade einen Film über die Not in Afghanistan gesehen. Wir wandten uns an eine Hilfsorganisation, die dort tätig war. Wenig später habe ich für diese Organisation gearbeitet - sechs Jahre lang."
Inzwischen hat die 53-Jährige über 500 Rollstühle nach Afghanistan gebracht, dazu tonnenweise Medikamente.
Anfang der 90er Jahre führte sie ihr Weg auch nach Magdeburg. "An der Uniklinik wurden zwei Mädchen und ein Junge aus Afghanistan operiert. Einer heute 16-Jährigen wurden die Beine amputiert, das zweite Mädchen ist inzwischen Mutter von drei Kindern.
Die Idee, einen eigenen Hilfsverein zu gründen, hat sie eigentlich einem Afghanen zu verdanken. 1991 im Bürgerkrieg wurde ihm von einem Panzer das Gesicht weggeschossen. Sybille Schnehage lernte den schwer verletzten Dad Gol Delower kennen, als er mit einem Hilfsflug von Afghanistan in eine Stuttgarter Klinik gebracht wurde.
Über die Jahre, in denen er immer wieder in Deutschland operiert wurde, entwickelte sich eine Freundschaft zu dem heute 40-Jährigen. "Ich habe mir überlegt, was er in seinem Heimatdorf Katachel machen kann, wenn er wieder zurück ist. Als ich ihm vorschlug, Verbindungsmann eines deutschen Hilfsvereins in Afghanistan zu werden, hat er sofort zugesagt."
Seit 1994 hat sich der "Katachel" e. V. zu einem der wichtigsten Hilfsvereine für Afghanistan entwickelt. Anders als große Hilfsorganisationen mit einem riesigen Verwaltungsstab kann "Katachel" sehr schnell auf Situationen reagieren und Spendengelder gezielter einsetzen.
In jüngster Zeit hat sich "Katachel" speziell auf den Bau von Schulen konzentriert. Das erste Projekt war eine Mädchenschule in Katachel für die die Kirchengemeinde Wolfsburg 2500 Euro spendete.
"Besonders Mädchen können kaum lesen und schreiben", weiß die Schwanebergerin. "Das liegt aber weniger an den Vätern, vielmehr an ihren Großmüttern. Denn sie sind für den Brennstoff, einem Gemisch aus Kuhdung und Stroh, zuständig. Die Enkelinnen müssen helfen, das Brennmaterial herzustellen. Gehen sie zur Schule, fällt die Hilfe weg."
Ende 2003 wurde im Dorf Chugha an der Grenze zwischen den Provinzen Kundus und Takhar eine weitere gemischte Schule übergeben. 300 Mädchen und 600 Jungs lernen dort.
Insgesamt wurden sieben Schultrakte für 3400 Jungs und 1500 Mädchen gebaut - in Katachel, Chardarrah, Bazus, Eshantup und Chugha. In diesem Jahr sollen zwei weitere Schulen in der Provinz entstehen.
"Ein weiteres Problem, um das wir uns kümmern", sagt die Frau, die im vergangenen Jahr für ihr Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, "ist sauberes Trinkwasser. Der Verein stellt Material für Ringbrunnen zur Verfügung. Bis zum Sommer 2003 entstanden so 570 Wasserstellen, aus denen 20 Dörfer versorgt werden."
In wenigen Tagen macht sich Sybille Schnehage, die in der Gegend um Katachel nur "der gute Mensch" genannt wird, wieder auf den Weg nach Afghanistan. "Es gibt noch so viel zu tun, um dem Land nach über 20 Jahren Krieg zu helfen", sagt die Vereins-Chefin.
Von Bernd Kaufholz
Spendenkonto: Sparkasse Gifhorn Wolfsburg, BLZ 26951311, Kontonummer 014160006
Im Internet zu finden unter: home.wolfsburg.de/schneha/
Darmstädter Loge verlieh humanitären Preis
Die Darmstädter Freimaurerloge "Johannes der Evangelist zur Eintracht" verleiht jährlich seinen humanitären Preis an eine Aktion, deren Engagement besonderen Einsatz erfordert und die klar im Zeichen der Hilfe für den Mitmenschen steht.
Für das Jahr 2004 fiel die Wahl der Darmstädter Loge auf das Projekt "Hilfskonvoi konstruktive Friedensarbeit Afghanistan", einen Hilfstransport von 75 Rollstühlen, Krücken, Prothesen, 4000 T-Shirts und Pullovern als Schulkleidung und Holzbearbeitungsgeräten zum Aufbau einer Tischlerei. Auch die Transportfahrzeuge verblieben dort in der nordafghanischen Provinz Kunduz im Projekt Katachel, wo sie nicht nur für die Hilfsprojekte genutzt werden, sondern auch bei Bedarf bei der Bundeswehr zum Einsatz kommen.
Die Verbindung zu Darmstadt hatte sich in zweierlei Hinsicht ergeben. Zum einen waren es junge engagierte Menschen aus Darmstadt, die die Idee hatten den Hilfskonvoi durchzuführen und die dafür mit der Hilfsorganisation Katachel e.V. in Bergfeld im Kreis Gifhorn Kontakt aufnahmen, zum anderen waren es die Gifhorner Dr. Bernd John zusammen mit seiner Ehefrau gewesen, die ihren gut gepflegten und geliebten Hanomag Baujahr 1968 dem Verein Katachel zur Verfügung gestellt hatten, damit mit diesem Oldtimer Hilfsgüter transportiert werden können. Das Ehepaar John hat selbst lange Jahre in Darmstadt gewohnt, und Dr. Bernd John war dort nicht nur beruflich erfolgreich, sondern auch als Bruder der Freimaurerloge seinen Logenbrüdern freundschaftlich verbunden.
So erfuhren die engagierten Darmstädter von diesem Projekt, welches als Kooperation der Gruppe und dem Verein Katachel im Sommer erfolgreich durchgeführt wurde und viel zum guten Image der Deutschen in der Provinz Kunduz im Vorfeld des Militäreinsatzes beigetragen hat.
Das Preisgeld von insgesamt 4000 Euro wurde der 1. Vorsitzenden Sybille Schnehage überreicht, verbunden mit der Bestimmung, dass davon in der neuen Tischlerei Katachel Schulmöbel für die neuen Vereinsschulen in Auftrag gegeben werden, die dann einerseits den Kindern gute Lernbedingungen schaffen, andererseits aber auch den jungen Männern in der Tischlerei Arbeit und ein gesichertes Einkommen neben der Ausbildung bieten. Damit ist eine echte Nachhaltigkeit des Transportes gesichert.
Die jungen Fahrer des Konvois erhielten während des kleinen Festaktes in den Räumen der Loge in Darmstadt vom Meister vom Stuhl persönlich gestaltete Urkunden, mit denen sie stets an ihren selbstlosen Einsatz erinnert werden.
Sybille Schnehage dankte der Loge für den großzügigen Preis, aber auch den jungen Leuten, die diese Fahrt so mutig durchgeführt hatten und den Spendern der Fahrzeuge, wie dem Ehepaar John und der Firma Hansmann aus Wolfsburg-Ehmen, ohne deren Großzügigkeit der Transport nie hätte stattfinden können.
Operation für Anissa (13):Wolfsburger helfen
Operation für Anissa (13):Wolfsburger helfen Afghanin
Wolfsburger Allgemeine Zeitung 26.11.2003
(syt)
Anissa Delawar kann wieder lachen. Vor knapp zwei Monaten kam die
13-Jährige aus Afghanistan nach Wolfsburg. Die Reise war nötig, denn die
Beine des Mädchen sind stark deformiert Anissa leidet unter O-Beinen,
möglicherweise die Folge von Vitamin-Mangel. Sybille Schnehage vom Verein
"Katachel" erfuhr davon und sorgte dafür, dass die Afghanin Hilfe im
Klinikum erhält.
Anissa hatte Probleme beim Laufen. "Die Füße schlugen gegeneinander",
erzählt Dr. Wolfgang Klein, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie. Eine
Operation war nötig: Ärzte mussten beide Unterschenkel brechen, um die Beine
zu korrigieren. Anissa trägt deshalb so genannte Fixateure. Der Eingriff
erfolgte außerhalb des normalen Dienstes. "Das Personal hat freiwillig
mitgearbeitet", so Dr. Klein. Es ist ihr persönlicher Beitrag für das
Hilfsprojekt Katachel.
Auch Geld ist nötig, um Anissa zu helfen: 2500 Euro. Das gibt der Lions-Club
Wolfsburg-Fallersleben. Familie Kracht aus Ehmen hat die junge Afghanin für
die Dauer ihres Wolfsburg-Aufenthalts aufgenommen. Marianne Kracht macht es
gern: "Ich habe immer die Arbeit von Sybille Schnehage bewundert." Nun hilft
sie selbst, Anissa fühlt sich wohl, kocht gern mit ihrer Pflegemutter. Nur
manchmal habe sie ein “bisschen Heimweh⊃3;.
Einmal in der Woche telefoniert sie mit den Eltern. Ihr Vater leitet das
Katachel-Projekt in der Provinz Kunduz. Sybille Schnehage kennt ihn gut. Er
wurde 1992 in Wolfsburg ärztlich behandelt, wusste also, was auf seine
Tochter zukommt und Anissa wusste auch Bescheid.
Deshalb holte Sybille Schnehage sie guten Gewissens nach Deutschland: “Sonst
ist das schwierig. Die Seelen der Kinder nehmen Schaden.⊃3; Anissa geht es
gut, in zwei bis drei Wochen fängt sie an, mit Stützen laufen zu lernen.
Wenn alles gut geht, kann sie in vier Monaten wieder in ihre Heimat.
Gifhorner Tierschutzverein spendet Stofftiere
Gifhorner Tierschutzverein spendet Stoff- und Plüschtiere
Tierschutzverein Gifhorn und Umgebung e.V.
Pressemitteilung Samstag, 22.11.03
Wer denkt in Afghanistan schon über Tierschutz nach? Ein vom Bürgerkrieg gezeichnetes Land, dessen Kinder eine ungewisse Zukunft vor sich haben, hat andere Sorgen. Aber die Tiere sind es, die – wie überall auf der Welt – den Kindern als Freund und Beschützer Trost und Hoffnung schenken. Wenn auch nur aus Stoff und Plüsch: Wer erinnert sich nicht gern an die Kinderzeit, als das geliebte Kuscheltier das Kissen mit ihm teilte?
So möchte sich der Gifhorner Tierschutzverein an der Plüschtier-Aktion von Sybille Schnehage, Vorsitzende des Vereins „Katachel e.V.“, für die Kinder in Afghanistan beteiligen. 300 kleine Bellos, Miezis und andere Lieblingstiere, die nach der Verlosung während des Altstadtfestes Gifhorn 2003 übrig geblieben sind, werden innerhalb der nächsten Tage ihre weite Reise nach Afghanistan antreten.
Der Gifhorner Tierschutzverein hofft, dass die Überbringer der kleinen Plüschtiere mit ihren Geschenken gleichzeitig dazu beitragen, dass sich der Frieden zwischen Menschen und Tieren im friedlichen Miteinander der Menschen fortsetzen kann.
Kunduz Expertin:Größter Feind ist die Malaria
10.10.2003 Braunschweiger Zeitung
Von Christian Meyer
Die schweren Pickups der Hilfsorganisationen wirbeln auf den unbefestigten Pisten rund um Kunduz noch nicht viel Staub auf. Während in der afghanischen Hauptstadt Kabul auch die Lieferwagen von großen internationalen Organisationen die Straßen verstopfen, ist von der Hilfe auf vier Rädern in der nordafghanischen Provinz noch nicht viel zu sehen. "Hier prägen noch Pferdekutschen das Stadtbild", erzählt die Gifhornerin Sybille Schnehage. Die Vorsitzende von Katachel, einem Verein für humanitäre Hilfe in Afghanistan, beriet jüngst ein Expertenteam des deutschen Verteidigungsministeriums vor Ort.
Vor einem möglichen Einsatz der Bundeswehr in Kundus wollte sich der Spähtrupp ein genaues Bild von der Situation in Afghanistan machen. Von der Pferdekutschen-Idylle will sich das Verteidigungsministerium nämlich nicht täuschen lassen. Die Deutschen seien eben gründlich, meinen auch die Afghanen. Soldaten, Baufachleute und Geologen – insgesamt 30 Experten "wollten in Kunduz auch Kontakte für mögliche Projekte knüpfen", sagt Schnehage.
Verrottete Maschinen
Norbert Stier, Oberst der Bundeswehr, schüttelte in der Baumwollfabrik Spinsar eifrig die Hände der kleinen Belegschaft. Vom einstigen gewinnbringenden Rohstoff der Provinz, der Baumwolle, können die Afghanen heute mehr schlecht als recht leben. "Sechs Jahre alte Ballen gammeln dort noch in den Lagerhallen", berichtet Schnehage.
Das Problem: Kurzfaserige Baumwolle, wie sie in Afghanistan angebaut wird, findet wegen ihrer schlechten Qualität kaum Abnehmer. Die alten, aus Deutschland stammenden Maschinen sind verrottet und kaum noch einsatzfähig. Die Fabrik musste Mitarbeiter entlassen. Schnehage empfahl dem Besuch aus Deutschland deshalb, Saatgut langfaseriger Baumwolle einzuführen und moderne Maschinen zu kaufen. Mit denen könne die Baumwolle besser, schneller und hochwertiger bearbeitet werden.
Die Delegation besuchte auch das Wasserkraftwerk in Khanabad. Oder vielmehr das, was davon übrig geblieben ist: die Grundmauern. Amerikanische Kampfflugzeuge hatten es im Krieg gegen die Taliban bei einem Angriff zerstört. Mit Hilfe deutscher Firmen könnten die Afghanen es wieder aufbauen und anschließend Masten aufrichten sowie Stromleitungen legen. "Strom bezahlen die Bewohner von Kundus nämlich noch viel zu teuer an das Nachbarland Tadschikistan", berichtete Schnehage den Experten.
Eine echte Energieleistung ist die Autofahrt von Kabul nach Kunduz. Für die 330 Kilometer lange Buckelpiste in die Hauptstadt benötigen schnelle Fahrer rund 14Stunden. Wenn die Deutschen kommen sollten, werden vielleicht die maroden Straßen endlich befestigt und geteert, hofft die Vereinsvorsitzende.
Ziel all dieser Maßnahmen: die Afghanen wieder in Arbeit zu bringen. "Wenn sie nicht beschäftigt sind und kein Geld verdienen, sind sie gefährlich", weiß Schnehage. Dann bauen in den hochliegenden Provinzen Badachshan und Takhar manche Bauern in ihrer Existenznot etwa Mohn an, und skrupellose Händler transportieren Heroin in den Westen. Hilfsprojekte aber wie etwa der Neuaufbau der Baumwollfabrik brächten Wohlstand und Sicherheit in die Provinz und könnten die Bauern davon abhalten, auf die Droge zu setzen, ist die Gifhornerin überzeugt.
Die Bundeswehr könnte durch ihre Präsenz die allgemeine Sicherheitsstruktur in Kundus verbessern. "Wenn Soldaten in Kunduz wären, würden auch die Hilfsorganisationen folgen", meint Schnehage und beruft sich dabei auf das Beispiel Kabul. Die Anwesenheit von Militär habe "rund 1500 Hilfsorganisationen" in die Hauptstadt gesogen. Unter dem Schutz deutscher Soldaten könnten die Hilfsorganisationen Schnehages Vorschläge umsetzen.
Winkende Kinder
Doch wie riskant wäre ein Kunduz-Einsatz für die Bundeswehrsoldaten? "Gefahren gehen in erster Linie von Malaria oder Durchfallerkrankungen aus. Aber dafür gibt es ja einen Truppenarzt", sagt Schnehage.
Tadschiken, Paschtunen und Usbeken würden in der Provinz euphorisch auf die Bundeswehr warten. "Die Deutschen sind in Kundus angesehen. Die Afghanen schätzen es, dass die Bundeswehr kein militärisches Interesse an ihrem Land hat", hat die Gifhornerin beobachtet. Und das habe auch Oberst Norbert Stier registriert. Mit Fähnchen in schwarz-rot-gold winkten die Kinder der Katachel-Schule ihrem deutschen Besucher in Tarnkleidung zu. Und alle wollten sie dem Mann die Hand schütteln – in der Hoffnung, ihn bald wiederzusehen.
Um etwa Schulen und Brücken in Afghanistan zu bauen, ist Katachel auf Spenden angewiesen: Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg, BLZ26951311, Kto.Nr.014160006.
Bewohner hoffen auf Bundeswehr
Berlin - In den Norden Afghanistans rückt die Bundeswehr >demnächst vor. Geplant ist der Einsatz von bis zu 450 Soldaten. Aber was sie in Kundus erwartet, weiß niemand. Selbst das Erkundungsteam >hatte wenig Zeit, Eindrücke vor Ort zu sammeln. Sybille Schnehage dagegen hat 15 Jahre Erfahrung. Sie leitet den Verein Katachel, der seit 1994 humanitäre Hilfe am Hindukusch leistet.
Die Taliban haben sie nicht vertreiben können. ''Mutter von Kundus'' wird sie genannt, seit sie den Menschen in der Region hilft. Mit der Ankunft der Deutschen verbinden sich große Hoffnungen. ''Alle dort sind überaus erwartungsfroh'', sagt sie.
Erbärmlich geht es zu in den Provinzen Kundus, Badakhschan, Baghlan und Takhar. 20 meist ganz einfache Menschen haben an einem Tag aus Afghanistan bei Sybille Schnehage angerufen, als bekannt wurde, dass
die Bundeswehr ihren Einsatz ausweiten will - ein Zeichen für ''wahnsinnige Freude''.
Zweimal im Jahr ist Sybille Schnehage mehrere Wochen in Afghanistan. Anfangs musste sie von Pakistan aus operieren, seit Mitte der neunziger Jahre darf sie ins Land. In diesen Tagen macht Schnehage sich wieder auf den beschwerlichen Weg von der Hauptstadt Kabul nach Katachel, einer Art Vorort von Kundus. Die Straße dorthin
ist in einem katastrophalen Zustand. ''Wenn man schnell ist, schafft man die 330 Kilometer in 14 Stunden'', erzählt sie. So schlecht steht es überall um die Infrastruktur des Landes.
Schnehage und ihre Helfer haben mittlerweile 570 Ringbrunnen, 150 Lehmhäuser und sechs Schulen gebaut, an denen 4000 Jungen und Mädchen unterrichtet werden. Ende November soll eine weitere Schule für 900 Kinder fertig sein. Das Schulhaus in Katachel war schon vor den Zeiten der Taliban errichtet worden. Deren Terrorherrschaft machte sich hier, fernab von Kabul, nicht so stark bemerkbar: Mädchen durften unterrichtet werden - mit Sondererlaubnis.
Die Geschichte des Vereins Katachel ist eng verbunden mit Stuttgart: 1992 brachte Schnehage einen jungen Mann aus Afghanistan mit, dem Nase und Oberkiefer fehlten - eine russische Granate hatte ihn lebensgefährlich im Gesicht getroffen. Ärzte des Katharinenhospitals, Spezialisten der Klinik für Kiefer- und Gesichtschirurgie, operierten und behandelten Dadgul Delawar acht Jahre lang kostenlos. Aus der Bevölkerung kamen zudem viele Spenden für ihn. Heute ist Delawar Projektleiter in Katachel.
Aufgabe der Bundeswehr wird es sein, zivile Helfer beim Aufbau von Straßen, Schulen und Krankenhäusern militärisch zu schützen - in einer Region, die so groß ist wie Bayern und Hessen zusammen, wo im Sommer Temperaturen von bis zu 50 Grad im Schatten erreicht werden, wo es im Winter schneit, wo Malaria-Gefahr herrscht und Pferdekarren das Straßenbild bestimmen. 3,2 Millionen Menschen leben dort. Ihnen fehlt es an Strom und sauberem Wasser. Dafür werden Aufbauhelfer gebraucht. Schlecht steht es auch um die Sicherheit: Schulen müssen ständig bewacht werden, damit die Möbel nicht gestohlen werden. Armut macht kriminell. Schnehage: ''Wir brauchen aber nicht an jeder Ecke Polizisten, sondern eine zuverlässige Präsenz. Die Menschen
müssen wissen: Wenn etwas passiert, ist jemand da.''
Selbstverständnis und Denken der Afghanen bringt sie auf eine einfache Formel: ''Arbeit bringt Lohn, Lohn bringt Ehre, und beides ermöglicht Frieden.'' Die Generation der 15- bis 30-Jährigen ''kann
nichts außer Schießen'', sagt sie. Die ehemaligen Kämpfer haben nichts anderes gelernt. Heute sind viele von ihnen frustriert - und deshalb gefährlich. Sie sind naiv, werden aber häufig zu Unrecht unterschätzt: ''Sie sind sehr intelligent, aufnahmefähig und flexibel.'' Deshalb machen vor Ort auch nur Afghanen die Arbeit von
Katachel. Schnehage wird nur auf deren Initiative hin aktiv: ''Ich halte nichts von Bevormundung.'' Jetzt will sie sich ganz besonders dafür einsetzen, Ausbildungsstätten für Erwachsene zu schaffen, so wie die Ausbildungs-Schuhfabrik, die vergangenen Sommer fertig gestellt wurde.
Weitere Hilfsorganisationen werden in Kundus, wo es bisher nur wenige Projekte gibt, dringend gebraucht, sagt Schnehage. Die Landwirtschaft ist völlig vernachlässigt. Die Baumwollfabrik, die der Provinz einst Reichtum brachte, muss wieder in Gang gebracht werden. Noch fehlen den Menschen Saatgut und Maschinen.
Dass Hilfsorganisationen, die mit Soldaten zusammenarbeiten, Feindschaft und Terror auf sich ziehen, glaubt Schnehage nicht. Es gibt eine Vertrauensgrundlage, weil Deutsche in der Region einen guten Ruf haben und ihnen keine ''Hintergedanken'' unterstellt werden. ''Man identifiziert sich sogar mit ihnen'', sagt Schnehage.
Die Fußballstars aus der Bundesliga sind allgemein bekannt: Im Fernsehen läuft ein alter Vorspann der Sportsendung ''ran'' - mit Giovane Elber im VfB-Trikot.
Sybille Schnehage: In Kunduz
Sybille Schnehage: In Kunduz haben Deutsche einen guten RufAllerzeitung 21.8.2003 von Christina Rudert
Hintergrund / Bergfelderin kennt sich aus in der Provinz, in der vielleicht die Bundeswehr stationiert
wird
Tief verschleierte Frauen, eine Hauptverkehrsader fast ohne Autos und akute Malaria-Gefahr – das
würde die Bundeswehrsoldaten erwarten, wenn das Verteidigungsministerium beschlösse, ein
Kontingent in der nordafghanischen Provinz Kunduz zu stationieren. Armut, Hitze, aber auch ein
herzliches Willkommen sind sicher, denn “in dieser Provinz haben die Deutschen einen guten Ruf“,
sagt Sybille Schnehage. Ein Ruf, der nicht zuletzt der Bergfelderin und ihrem Projekt Katachel zu
verdanken ist.
Die Provinz besteht aus zwei besiedelten Landstrichen, beide ziehen sich entlang der
Schmelzwasserflüsse von Ost nach West. Kunduz und Khanabad sind die beiden größeren
Siedlungen im südlichen Streifen, im drei Fahrstunden entfernten nördlichen Siedlungsstreifen liegt
Imam Sahib. Hochgebirge und Wüste umgeben die Provinz, in der nach Schätzung Sybille
Schnehages ungefähr 200.000 Menschen leben. “Das lässt sich aber schwer sagen.“ Paschtunen,
Usbeken und Tadschiken wohnen in friedlicher Koexistenz.
Das Klima auf 2000 Meter Höhe ist extrem. “Im Juli gibt es Temperaturen bis 50 Grad im Schatten.
Und im Januar liegt Schnee“, hat Sybille Schnehage beide Extreme schon erlebt. Normalerweise ist
die Hitze wegen geringer Luftfeuchtigkeit auch für Europäer gut zu ertragen – wenn da nicht die
großen Reisfelder wären, auf denen das Wasser steht.. “Ende Juni wurde der Weizen geerntet,
dann wurden die Felder gewässert.“ Daher rührt auch die Malaria-Gefahr.
“Die Provinz Kunduz ist landwirtschaftlich geprägt“, berichtet die Bergfelderin. Hauptexportgut war
bis zum Krieg Baumwolle. “Während des Krieges hat Usbekistan angefangen, langfaserige Baumwolle
anzubauen und zu vermarkten – in Kunduz stehen aber nach wie vor die alten Maschinen für
kurzfaserige Baumwolle.“ Das macht es problematisch, auf dem Weltmarkt wieder Fuß zu fassen.
Reis, Weizen, die Okra-Schote – eine Bohnenart – und Zwiebeln wachsen auf den Feldern. “Und
Kunduz ist für seine Melonen und Weintrauben berühmt.“
Industrie fehlt völlig. “Das Wasserkraftwerk von Khanabad wurde 2001 von den Amerikanern
bombardiert, das Maschinenhaus zerstört.“ Sybille Schnehage wäre nicht Sybille Schnehage, hätte
sie nicht schon mit dem Hersteller des Kraftwerks Kontakt aufgenommen – Firma Siemens. “Es
laufen Gespräche, das Werk wieder instand zu setzen.“ Damit wäre die Stromversorgung fast der
kompletten Provinz gesichert.
Mit dem Auto sind die 330 Kilometer von Kabul nach Norden bis Kunduz eine 14-stündige Strapaze.
“Und das ist schon schnell.“ Sybille Schnehage hat die Tour mehrfach hinter sich gebracht. “Bis
zum Salang-Pass ist die Straße relativ gut“, beschreibt sie. Hinter dem Tunnel in 4000 Meter Höhe
kommt eine Piste, die nicht mal mehr die Bezeichnung Feldweg verdient, sagt Schnehage.
Auch aus der Luft ist Kunduz erreichbar, es gibt einen Flughafen, ein ehemaliger russischer
Militärflugplatz. “Der gleicht aber eher einem bewachten Schrotthaufen – dort stehen alte
Hubschrauber und Flugzeuge, die Landebahn ist extrem kurz.“ Und von Service natürlich keine Spur.
“Nicht mal sanitäre Anlagen sind vorhanden.“ Außerdem ein kritisches Gelände, “denn hier liegen
ringsum noch Minen und Munition“.
Die Stadt selbst ist eine typische Kleinstadt. “Das Leben hinkt dem in Kabul um 100 Jahre
hinterher.“ Autos fahren kaum, Pferdekarren und Rikschas dienen als Transportmittel. Die Frauen
gehen tief verschleiert, sie tragen die Burka mit dem Stoffgitter vor dem Gesicht. Wer sich Arzt
nennt, ist nach deutschen Maßstäben höchstens ein Krankenpfleger. Im Krankenhaus fehlt es an
qualifiziertem Personal ebenso wie an medizinischem Gerät, auf dem Land gibt es überhaupt keine
medizinische Versorgung.
Und Kunduz ist “die Wiege des Buzkashi“, weiß Sybille Schnehage.. Dabei handelt es sich um einen
Vorläufer des Reiterspiels Polo. Reiter und Pferde sind so gut, dass sie sich jedes Jahr zum
Neujahrsfest in der Hauptstadt Kabul präsentieren. “An zweiter Stelle kommt Volleyball, aber Fußball
holt immer mehr auf und lockt inzwischen schon mehr Zuschauer..“ Sogar die Sportschau und RAN
sind bekannt: “Die reichen Leute haben so gute Satellitenschüsseln, dass sie deutsches Fernsehen
empfangen können.“
Und das Thema Sicherheit? “Kunduz wurde immer als sehr gefährlich eingestuft. Voriges Jahr im
September ist zum ersten Mal ein deutscher Botschaftsvertreter mit mir nach Kunduz gekommen“,
sagt Sybille Schnehage. “Er war positiv überrascht von der offenen Aufnahme. Überall begrüßten
ihn deutsche Fahnen, fast jeder weiß, was VW ist, und die wichtigsten Fußballmannschaften von
Kunduz spielen in deutschen Trikots.“
Um nichts zu verharmlosen, sagt die Bergfelderin allerdings auch: “Ich komme als Verwandtschaft
nach Kunduz, ich gehöre zur Familie. Deshalb bin ich sicher.“ Aber einen Tipp gibt sie trotzdem:
“Wenn ich irgendwo bin, quatsche ich mit allen Leuten. Ich bin sofort mit ihnen im Gespräch. Wer
sich mit Bewaffneten umgibt und nicht den Kontakt sucht, sorgt für Misstrauen. Dabei ist Vertrauen
am allerwichtigsten.“
Kuscheltiere als Mitbringsel für die Waisen
Allerzeitung 19.7.2003
(tru) 270 Witwen aus dem afghanischen Dorf Katachel und der näheren Umgebung bekommen Monat für Monat von den deutschen Spendern 26 Euro, um sich und ihre Kinder überhaupt ernähren zu können. „Als ich in Katachel war, habe ich 20 weiteren Witwen Geld gegeben, obwohl es für die noch keine Paten gibt,“ sagt die Bergfelderin Sybille Schnehage, Vorsitzende des Vereins Katachel. „Ich hoffe, dass ich Spender finde, denn ich kann doch diese Frauen nicht einfach wieder wegschicken!“
Ein Erlebnis hat sie besonders berührt: „Eine Witwe kam mit ihrem Enkel zu mir, im Arm ein schwarzes Bündel. Als ich sie fragte, was sie da habe, zeigte sie mir ein neugeborenes Baby.“ Ihre Tochter habe Zwillinge bekommen und sei bei der Geburt gestorben. „Jetzt will die Frau die beiden Babys mit Kuhmilch durchbekommen- ich vermute mal, die Kinder sind schon tot“, sagt Sybille Schnehage. Sie erzählt sachlich, aber die Betroffenheit ist ihr anzumerken.
Für die Kinder der Witwen, die in Deutschland Paten haben, hat Sybille Schnehage dieses Jahr auch etwas mitgebracht: Kuscheltiere. „Am Anfang hatten die Kinder Angst davor. Aber dann hat sich im Dorf ziemlich schnell herumgesprochen, was ich da habe, und dann wollten natürlich alle Kinder ein Kuscheltier haben.“ Dafür reichten die Mitbringsel allerdings nicht aus.
Sowohl für diese Patenschaften als auch für das Gehalt der Lehrer an ihren Schulen, für weitere Brunnen und neue Schulen, für Ausbildungsplätze und Häuser braucht Sybille Schnehage regelmäßige finanzielle Unterstützung. „Das müssen keine großen Summen sein, auch viele kleine Spenden bringen was.“ Ebenso ist ein monatlicher Festbetrag denkbar. Die Spenden sind steuerlich absetzbar, da Katachel ein eingetragener Verein ist. Die Bankverbindung lautet: Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg, Bankleitzahl 26951311 Kontonummer 014 160 006.
Hilfskonvoi nach Katachel
Bergfeld (tru). „Oh, das Fax geht wieder nicht durch!“ Ungeduldig tritt Sybille Schnehage von einem Bein aufs andere. Denn jetzt kommt es auf Minuten an: „Meine Jungs sind noch in Katachel, alle krank, und es gibt keine Heimflüge.“ Von Bergfeld aus telefoniert die engagierte Helferin abwechselnd mit Afghanistan und dem Außenministerium.
„Meine Jungs“ sind die zehn Fahrer des Hilfskonvois mit fünf Lastwagen und Transportern und der Reporter vom ZDF, der den Konvoi nach Katachel begleitet hat.
74 Rollstühle, 4000 Shirts und eine komplette Tischlerei sind in den gespendeten Wagen (AZ berichtete) auf dem Landweg nach Afghanistan gereist. Es war eine lange Reise: „Drei Wochen waren geplant, fünf Wochen waren sie unterwegs.“ Und der Darmstädter Verein, der den Konvoi als Friedensfahrt proklamiert hatte, „kümmert sich um gar nichts“, schimpft Sybille Schnehage. „Eigentlich hätten sie vorher Rückflüge buchen müssen.“ Nun versucht sie, freie Plätze zu organisieren.
Der Konvoi kam in Katachel an, als Sybille Schnehage nach vier Wochen in der Provinz Kunduz fast schon wieder auf dem Rückflug war. Nach einem Vortrag an der pädagogischen Hochschule, nach der Übergabe von Fußballtrikots, nach dem Auszahlen der Patenschaften an 270 Witwen. Zwei Schulen waren eingeweiht worden, von den Baufortschritten an der Brücke konnte sich die Vorsitzende des Vereins Katachel ebenfalls noch selbst überzeugen.
„Jetzt plane ich für das nächste Jahr“, sagt Sybille Schnehage, kaum dass sie wieder in Bergfeld gelandet ist. Eine weitere Schule soll weit weg von der Provinz-Hauptstadt entstehen. „Ich will den Ärmsten helfen, und die wohnen in abgelegenen Regionen.“ An die beiden Mädchenschulen müssen dringend je zwei bis drei Räume angebaut werden. „Zurzeit werden die Mädchen im Freien unterrichten – bei 40 bis 45 Grad unzumutbar.“ Um das Gehalt der Lehrer bezahlen zu können, sucht Sybille Schnehage Paten. „30 bis 40 Euro pro Monat brauchen wir pro Lehrer.“ Brunnen sind dringend notwendig. „Bei uns ist in jedem Haushalt ein Wasserhahn. Dort würde man sich über einen Ziehbrunnen im Hof freuen.“ Und für all das braucht Sybille Schnehage Geld.
Trikots für 30 Mannschaften
Allerzeitung AZ 19.7.2003
(tru) "Erziehung zum Frieden" nennt der afghanische Projektleiter in Katachel Dadgul Delawar den Aufbau von mittlerweile 15 Fußballmannschaften in der Provinz Kunduz. Trikots sind vorhanden, Sybille Schnehage hatte wieder etliche im Gepäck.
Ihr geht es in erster Linie um eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung für die Jugendlichen. Für 30 Fußballmannschaften reichen die Shirts mittlerweile, ausgemusterte Hamden von der deutschen Nationalmannschaft ebenso wie vom VfL Wolfsburg, aber auch von anderen DFB-Teams sind dabei. Auch Bundestrainer Rudi Völler beteiligte sich mit einer großzügigen Spende an der Aktion -Sport statt Krieg. Und die Franz-Becken-Bauerstiftung hat den Hilfskonvoi ebenfalls unterstützt.
Barfuß muss inzwischen niemand mehr auf das Spielfeld. Nachdem die erste Sendung Sportschuhe nach und nach in den Familien verschwand, damit niemand ohne Schuhe durch den Winter kommen musste, sorgt mittlerweile eine Schuhfabrik dafür, dass die Kicker auf guten Sohlen unterwegs sind. Ein Benefizspiel zwischen dem VfL Wolfsburg und TSV Bergfeld im vorigen Jahr hatte die Finanzierung des Baus ermöglicht(AZ berichtete).
Katachelpräsentation in Kyoto
„Es war einfach überwältigend, 2000 Teilnehmer aus 160 Länder, Minister, UN-Mitarbeiter und 150 Mitgewinner und Vertreter ihrer Wasserprojekte weltweit,“ so schildert Sybille Schnehage, Vorsitzende des Vereins Katachel e.V. die Erlebnisse bei der internationalen Weltwasserkonferenz im Kongresszentrum in Kyoto, Japan.
Der Verein Katachel e.V. war als einer der 150 weltbesten Wasserprojekte im Rahmen eines Wettbewerbes zur Posterpräsentation eingeladen worden und hatte damit die Möglichkeit, dies für die ärmsten Menschen der Welt so wichtige Projekt, vorzustellen.
Die Zukunft der Welt wird von der Bereitstellung von Wasser und sauberem Trinkwasser anhängen und die Bedeutung wird leider noch nicht entsprechend erkannt, so lautet das Resumée, welches Sybille Schnehage aus dem fernen Japan mitbrachte, denn neben der Präsentation des eigenen Projektes hatte sie die Möglichkeit in zahlreichen Sessions viel über die weltweiten Aktivitäten zu lernen.
„Mir war nie bewusst, welch großer Genderaspekt allein in unserem Projekt vorhanden ist, denn erst dort wurde mir klar, wie wichtig gerade für Frauen und Mütter das saubere Trinkwasser ist, ist doch deren Verantwortungsbereich im Rahmen der Nahrungzubereitung, die Männer hingegen sind die Nutzer des landwirtschaftlichen Wasserhaushaltes.“ stellt sie fest,“ aber auch die wichtigen Veränderungen, die Afghanistan bezüglich des Abwassers vornehmen muss, wurden mir erst bei verschiedenen Sitzungen klar, als ich wirklich innovative Projekte kennenlernen konnte. Natürlich werde ich versuchen dies alles möglichst zügig umzusetzen, doch fehlen uns im Moment die finanziellen Mittel, da der Bau von 3 Schulen im Jahre 2003 im Mittelpunkt stehen soll.“
Das von der Firma atob aus Wolfsburg-Neuhaus erstellte Poster über das Brunnenprojekt in der Provinz Kunduz fand überall Begeisterung und besonders die Delegierten des afghanischen Landwirtschaftsministerium waren von der Arbeit im Norden des Landes angetan. Leider gab es aber keine Möglichkeit mehr den ersten Preis zu gewinnen, da der Wettbewerb schon entschieden war, er ging an ein Universitätsprojekt in Kolumbien, und alle 150 Preisträger nur noch ihre Arbeiten vorstellen konnten. Dennoch war die Reise, die vom WorldWaterForum finanziert wurde, ein voller Erfolg und ein ganz besonderes Erlebnis.
Einen LKW für Katachel e.V./Afghanistan
Mit großer Freude nahmen die Mitarbeiter des Vereins Katachel e.V. die Schlüssel und die Papiere des VW-MAN LKWs entgegen, den die Speditionsfirma Hansmann Ehmen, vertreten durch den Firmenchef Herrn Hansmann und den Prokuristen Herrn Schneidewind, für die Hilfe in Afghanistan spendete.
„ Es ist einfach großartig, dass die Firma Hansmann so großzügig ist, denn nun können die 35 Rollstühle, die wir hier noch stehen haben, mit auf die Reise nach Afghanistan gehen um dort Behinderten zu helfen.“ erklärte Sybille Schnehage, die 1. Vorsitzende des Vereins Katachel e.V. „ Im Mai geht ein Konvoi mit 7 Fahrzeugen ab Darmstadt auf die Reise und die 12 Studenten der Hochschule in Darmstadt werden so auf dem Landwege insgesamt 50 Rollstühle, Krücken, 10 Nähmaschinen und eine Tischlerwerkstatt in die Provinz Kunduz im Norden Afghanistans bringen. Auch Prothesen und andere Hilfsgüter werden mitgenommen, so dass man wirklich von einer großen Hilfsaktion spreche kann.“
Die Fahrzeuge werden alle in Afghanistan bleiben. „Dieser LKW der Firma Hansmann wird in Zukunft dann der Schule in Katachel, der Ausbildungsschuhfabrik und der neuen Tischlerei zur Verfügung stehen. Damit können dann die Güter transportiert werden, insbesondere auch dann, wenn wir für die neuen Schulen die Fenster und Türen, sowie die Dachsparren anliefern müssen. Damit ist dies natürlich eine große Erleichterung für die Arbeit vor Ort. Ich selbst werde Anfang Juni nach Afghanistan fliegen um dort alles zu planen, wenn der Konvoi ankommt, denn ich möchte selbst die Rollstühle an die Bedürftigen verteilen und auch die Fußballtrikots für 25 Mannschaften selbst überreichen.“ plant Sybille Schnehage schon für die Zukunft in der Provinz Kunduz.
Es ist angedacht dann dort jeder der Vereinsschulen ein Fahrzeug zur Verfügung zu stellen, welches dann vielseitig, auch als Schulbus eingesetzt werden kann.
„Wir danken der Firma Hansmann recht herzlich für die großzügige Spende und hoffen, dass der Transport ohne Probleme erfolgen kann.“
Sauberes Trinkwasser für 25000 Menschen
14.03.2003 Gifhorner Rundschau
Von Anke Weber
Direkte humanitäre Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort für Afghanistan, das ist der Generalauftrag des Vereins Katachel, der vor etwa neun Jahren in der Region Wolfsburg gegründet wurde.
Initiatorin und Vereinsvorsitzende Sybille Schnehage organisiert seit 1984 von Deutschland aus Hilfe zum Aufbau des vom Bürgerkrieg zerstörten Landes, dessen Bewohner noch immer große Not leiden.
In wenigen Tagen wird die Afghanistanaktivistin am Weltwasserforum, dem "World Water Council", in Kyoto teilnehmen. "Allein die Einladung zu diesem Kongress ist bereits eine riesige Anerkennung der Arbeit für die Menschen in Afghanistan", betont Sybille Schnehage. Das "World Water Council" ist zugleich ein Wettbewerb der weltweit besten Wasserprojekte.
Die Teilnahme an diesem Wettbewerb entstand eher zufällig: Christiane Finkenstein, Mitglied des Vereins Katachel, entdeckte hierzu Informationen im Internet und meldete prompt das Trinkwasserbrunnenprojekt für das "World Water Council" in Kyoto an.
Fast 1000 Organisationen weltweit haben sich für diesen Wettbewerb vorgestellt. Das Brunnenprojekt von Katachel rückte in die engere Auswahl der 150 besten Projekte. Vom 15. bis 24. März wird Sybille Schnehage in Kyoto das Trinkwasserbrunnenprojekt des Vereins aus dem Raum Wolfsburg vorstellen.
Maßgabe für die 150 Teilnehmer ist eine professionelle Präsentation ihrer Projekte. Anhand der Auswahl der besten Präsentationen wird eine Jury das weltbeste Wasserprojekt ermitteln. Für Sybille Schnehage war damit klar, das hierfür eine selbstgebastelte Fotowand nicht in Frage kommt. Die Wolfsburger Agentur "a To b" sponsorte ein von der Agentur entworfenes Plakat, das anhand von eindrucksvollen Ansichten die Arbeit und die bisherigen Ergebnisse des afghanischen Brunnenprojektes zeigt.
Mittlerweile können in der Region Kunduz (Nordafghanistan), in der auch das Dorf Katachel liegt, rund 25000 Menschen mit sauberem Trinkwasser aus 570 Ringbrunnen versorgt werden.
Interessierte, die mehr über die Hilfsprojekte von Katachel erfahren möchten, können weiterführende Informationen unter folgenden Adressen abrufen: http://katachel.de oder unter e-mail: Schnehage@wolfsburg.de.
Hanomag für Katachel
04.03.2003 Aller Zeitung
Wenn auf der Landstraße nach Katachel die Autoelektronik spinnt, ist das nächste Diagnosegerät der Fachwerkstatt Welten entfernt. Deshalb sind in Afghanistan Oldtimer angesagt, bei denn alles mechanisch funktioniert. So einen hat Bernd John aus Gifhorn jetzt der Katachelhilfe gespendet: einen 35 Jahre alten Hanomag-Laster für den universellen Einsatz als Bus und Transporter.
„Keine Elektronik“, sagt John und zeigt auf den AL 28, Baujahr 1968. „Das Ding ist gebaut für den robusten Einsatz.“
Genau der richtige für Katachel. „Was sollen wir mit Hightech in der Wüste?“, sagt Sybille Schnehage vom Hilfsverein Katachel. Der feine Staub in Afghanistan würde jede Elektronik moderner Geländewagen in kürzester Zeit lahmlegen. Deswegen setzt sie auf die Mechanik des Hanomags, bei dem selbst die Scheibenwaschdüsen mit einer Fußpumpe betätigt werden müssen. „Den kann da jeder reparieren.“
In Katachel soll der Laster als Werkstattwagen dienen – und Schülern und Lehrern als Schulbus. Zu allererst wird er Transporter sein. Ende Mai wird Markus Lindermeir vom Hilfsverein „kunterbunte Welt“ aus Darmstadt mit dem Gifhorner Hanomag und vier weiteren Fahrzeugen Hilfsgüter nach Afghanistan fahren.
„Traumhaft“, freut sich Lindermeir über die Spende des Gifhorners. „Auch der Zustand des Wagens. Besser als neu.“ Mindestens 200 Stunden Restaurierungsarbeit hat Bernd John zusammen mit einem versierten Kfz-Meister in den alten Hanomag investiert, den er 1989 vom THW Braunschweig erwarb. „Jedes Teil haben wir abgenommen“, sagt er und klopft auf den Kotflügel.
Und nun trennt er sich von dem Gefährt, und will noch nicht mal einen Cent dafür haben. Schwer falle ihm das nicht, sagt der Mann, der schon Länder wie Libyen, Jordanien und Syrien besucht hat und über die Herzlichkeit der Menschen dort schwärmt, die man im Abendland so selten finde. „Ich identifiziere mich mit den Ideen des Vereins Katachel“, sagt er. „Jeder hat die humanitäre Pflicht, Not zu lindern. Und ich weiß, dass der Hanomag in gute Hände kommt.“
Hohe Auszeichnung
Als sie das Bundesverdienstkreuz am Revers hatte, korrigierte Sybille Schnehage gestern Abend als erstes die Zahlen, die Landrätin Marion Lau zuvor in ihrer Laudatio genannt hatte. „Weil in der Zwischenzeit schon wieder so viel passiert ist“, erklärte die Bergfelderin im Gifhorner Schloss.
Für ihr Engagement in Katachel in Afghanistan erhielt die 52-Jährige die Auszeichnung, überreicht von ihrer langjährigen Freundin Marion Lau. „Deshalb bleibe ich auch beim Du“, erklärte diese. Hier und da reicherte sie die Laudatio mit persönlichen Erlebnissen an, ließ die Beharrlichkeit und den Mut der gebürtigen Magdeburgerin anklingen und brachte ihre Bewunderung für den unerschrockenen Einsatz zum Ausdruck.
Flüche in Landessprache
Die direkte Hilfe zur Selbsthilfe, die geschaffene Perspektive für Frauen und Kinder, das hob Marion Lau besonders hervor und berichtete, dass die neuste Herausforderung der Ausgezeichneten – die übrigens in der Landessprache fluchen kann – der Bau von Ausbildungsstätten für Erwachsene ist.
Kein roter Teppich
21.000 Bewohner der Provinz Kunduz werden mittlerweile mit Trinkwasser aus Brunnen versorgt, die der 1994 gegründete Verein Katachel gebohrt hat. „Wir haben 150 Häuser für Flüchtlinge gebaut, und an unseren Schulen werden 2500 Schüler unterrichtet“, listete Sybille Schnehage die korrekten Zahlen auf. Sie beschönigte nichts: „Einen roten Teppich habe ich nur selten vorgefunden, meistens war es ein steiniger Weg, und der Prophet gilt nun mal im eigenen Land nichts.“ Zwar sei sie ungeduldig, aber auch zäh und ausdauernd, weshalb auch böse Worte sie nie entmutigt hätten.
„Die Ehrung nehme ich für die Gemeinschaft, für das Team um mich herum entgegen“, betonte die ehemalige Deutsche Wushu-Meisterin. „Ohne euch hätte ich das gar nicht geschafft.“ Und an ihren Mann Michael gewandt: „Eigentlich gehört dieses Ding sowieso dir.“
Aller-Zeitung Gifhorn (tru)
20.12.2002 22:01
Neue Schulen für 1750 afghanische Kinder
Sybille Schnehage in Katachel: Immer mehr Hilfesuchende wenden sich an die Bergfelderin
Bergfeld „Wir brauchen dringend Hilfe, denn unsere Kinder müssen endlich die Chance haben zu lernen.“ Mit diesem Worten kamen aus drei Orten die Ratsmitglieder zur Vorsitzenden des Vereins Katachel e.V. und baten darum in ihren Orten Schulen für Mädchen und Jungen zu bauen. Dort hat Unicef nur Zelte aufgestellt, Zelte, die im Sommer zu heiß sind und im Winter zu kalt. Dies Provisorium halten die Bürgermeister nicht für sinnvoll und möchten lieber, wie auch die Orte Katachel und Chardarra, mit dem deutschen Verein aus Bergfeld zusammenarbeiten und richtige Schulgebäude erstellen.
So gibt es vieles von der Reise in die nordafghanische Provinz Kunduz von Sybille Schnehage zu berichten. Trotz der gespannten Lage im Land war sie, begleitet vom 2. Sekretär der Deutschen Botschaft Jürgen Gauster über den Hindukush nach Kunduz gereist um alle vom Verein umgesetzten Projektteile zu besuchen und zu dokumentieren.
Da waren zunächst die Einweihungen der beiden von Katachel e.V. gebauten neuen Schulen in Chardarra, die eine für 300 Mädchen und 1300 Jungen, die andere für 150 Mädchen. Auch der Expräsident Rabbani, General Daud, der Oberbefehlshaber des Nordens, der Erziehungsminister von Kunduz und seine Kollegin für Frauenfragen sowie tausende interessierter Bürgerinnen und Bürger waren gekommen um ist festlichem Rahmen, auch mit dem Traditionstanz Atam, die Eröffnung der Deutschen Schulen zu feiern. Herr Gauster von der Botschaft war begeistert über die Akzeptanz dieses Hilfsprojektes und spendete selbst spontan noch eine Verstärkeranlage für die große Schule Katachel.
Aber auch die Inbetriebnahme der Ausbildungsschuhfabrik wurde gefeiert. Diese kleine Fabrik, die mit einem Benefizspiel der Fußballer des VfL Wolfsburg und des TSV Bergfeld mit finanziert wurde, bietet 50 jungen Männern, davon die Hälfte Schwerbehinderte Arbeit und eine Chance für die Zukunft. Verbunden mit dieser Einweihung war natürlich auch ein großes Fußballspiel in den Trikots der deutschen Teams.
Für 100 Familien die aus Pakistan oder Iran in ihre Heimat zurückgekehrt sind, hat die Flucht ein Ende und der neue Anfang ist gemacht, denn Katachel e. V. hat ihnen beim Bau ihrer Lehmhäuser kräftig unter die Arme gegriffen, mit unterstützt vom Auswärtigen Amt und vom BMZ. Das bedeutet, die Menschen haben wieder ein Zuhause und auch sauberes Trinkwasser, denn in den letzten 4 Monaten wurden weitere 220 Ringbrunnen zur Versorgung der Menschen gebaut. Auch die Bevölkerung im Bergdorf Moussassai ist froh, denn nach den Kriegszerstörungen im November wurden jetzt wieder 30 Häuser aufgebaut.
Betreten wegen Blindgängern verboten prangt über dem zerstörten Gebäude des Wasserkraftwerkes in Khanabad. Trotzdem kletterten Sybille Schnehage und ihre Begleiter, u.a. der Polizeipräsident von Kunduz General Gholam in die Maschinenhalle und notierten die Schildaufschriften der Turbinen, denn Siemens hatte die Kraftwerk einst erbaut, ein Kraftwerk, das noch bis November Strom lieferte und als Kollateralschaden von den amerikanischen Bomben zerstört wurde. Sollte der Wiederaufbau gelingen, dann könnte von dort umweltfreundlich der ganze Norden mit Strom versorgt werden, eine wichtige Aufgabe für die Verbesserung der Infrastruktur der Region.
25 Kartons mit Hilfsgütern und 4 Rollstühle und drei Bündel Krücken hatte S. Schnehage dabei und verteilte die Dinge an Hilfesuchende. Die Medikamente, Spritzen und Kanülen wurden im Krankenhaus in Kunduz dankbar entgegengenommen, und besonders glücklich sind die Behinderten, die jetzt im Rollstuhl auch einmal das Haus verlassen können.
Die Not ist groß, besonders für die Witwen und Waisen, aber Sybille Schnehage musste die Bitten von über 20 Frauen abweisen denn noch andere notleidende Frauen warten auf eine Patenschaft aus Deutschland.
Wer sich über das Hilfsprojekt oder auch über Patenschaften informieren möchte, kann dies bei Sybille Schnehage unter Tel 05368 505 oder Lilo Weber 05833 1841 tun. Spenden, steuerlich abzugsfähig, können unter Katachel e.V. Kontonummer 014 160 006 bei der Sparkasse Gifhorn Wolfsburg BLZ 269 513 11 eingezahlt werden.
Allerzeitung 28.9.2002
Kinder pflücken Tulpen in den Minenfeldern
Unmittelbar nach dem Krieg besuchte Sybille Schnehage die von Bomben und Erdbeben zerstörte afghanische Region um Kunduz.
"Die Erde schwankte. Ich hatte das Gefühl, zu erleben, wie sich die Erdplatten bewegen. Es war das zweite Mal, dass ich ein Erdbeben in Afghanistan erlebte. Aber als so bedrohlich habe ich die Situation gar nicht empfunden", erinnert sich Sybille Schnehage. Erst als sie einige Tage später mit ihrer Familie telefonierte, mitbekam welche Sorgen man sich in Bergfeld (Landkreis Gifhorn) um ihr Leben machte, wurde ihr die Situation bewusst. In der Region südlich von Kunduz lag das Zentrum des Bebens, dort hielt sie sich auf.
Vor wenigen Tagen aus Afghanistan zurückgekehrt, war Sybille Schnehage eine der ersten Europäer, die sich in das Landesinnere wagte. In der deutschen Botschaft hatte man ihr abgeraten in die entlegene Region zu fahren. Botschaftsangehörigen sind diese Fahrten ins Landesinnere verboten. Die meisten Hilfsorganisationen beschränken ihre Einsätze auf die Region um Kabul, weil diese als relativ sicher gilt. "Ich bin in der Nacht zu Fuß von einem Dorf in das andere gegangen. Ich habe mich sicher gefühlt", berichtet die resolute Frau.
Ob sich denn etwas verändert habe, sei dem die Taliban verjagt wurden? "Äußerlich wenig", sagt sie, "die Burka, der Schleier der Frauen, wird weiter getragen. Selbst in Kabul seien Frauen nur mit Kopftüchern eher die Ausnahme." Aber die Gespräche seinen offener geworden. Atmosphärisch habe sich viel verändert.
Der Krieg hat das schon vorher zerstörte Land weiter in den Abgrund gerissen. Die Straße von Kabul nach Kunduz, der Region in dem ihr kleines Hilfsprojekt angesiedelt ist, ist völlig zerstört. Bombentrichter reiht sich an Bombentrichter. "Für wenige Kilometer brauchten wir 16 Stunden. Während der Fahrt musste ich mich immer wieder übergeben, so schlecht war mir. Anfahren, bremsen, um die Trichter herum rangieren, eine normale Fahrt ist nicht möglich", schildert sie die Situation.
Dann die Bilder, bei deren Anblick dem Betrachter der Atem stockt. Direkt neben der Straße markieren rote Farbflecken die Erde, jeder Fleck signalisiert eine Mine. Zwischen den roten Farbtupfern blühen malerisch rote Tulpen. Kinder laufen zwischen den roten Punkten hin und her, pflücken die roten Tulpen, um sie am Straßenrand zu verkaufen, so zum Unterhalt der Familie beizutragen. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich die Folgen vorzustellen.
Sybille Schnehage kann viele solcher Geschichten erzählen. Weil sie das Geld für das Hotelzimmer sparen wollte, 50 Dollar kostet eine Übernachtung in Kabul, wohnte Sybille Schnehage während ihres jüngsten Aufenthaltes in einer Privatwohnung im Bezirk Makroyan, einem zerschossenen Plattenbau, mit Plastikfolien vor den Fenstern und ohne Wasserversorgung und einer nichtablaufenden Toiletten mit Blick in den Himmel, denn in der Decke ist ein Loch, hervorgerufen durch einen Raketenangriff, mit 17 Menschen auf 50 Quadratmetern.
Die letzte Nacht in Kabul verbrachte sie dann im Camp der deutschen Soldaten. "Ein hartes Leben. Sie haben mich sehr freundlich aufgenommen und mir ihre Arbeit erläutert. Die Streifendienste, und, und... ", berichtet sie. Während für die Mitarbeiter der meisten Hilfsorganisationen Wohnungen, für afghanische Verhältnisse Luxuswohnungen, zur Verfügung gestellt werden, leben Bundeswehrsoldalten unter einfachsten Bedingungen.
Ihr eigenes kleines Hilfsprojekt hat den Krieg halbwegs unbeschadet überstanden. Ein Geländewagen wurde in den Kriegswirren im November gestohlen. Aber der neue Gouverneur Gholam stellte kürzlich einen aus seinem eigenen Fuhrpark zur Verfügung. Die Schulen, die ihre Organisation "Katachel e.V." errichtete, wurden nicht zerstört. Die Kinder spielen, wie vor dem Krieg, im Trikot des VfL-Wolfsburg, Fußball. Über dem Eingang wehen einträchtig die afghanische und die deutsche Fahne. Der normale Schulbetrieb geht weiter. Sie muss nicht, wie sie es befürchtet hatte, wieder von vorn anfangen. Aber auch in der Nähe der von ihr betreuten Projekte fielen zahlreiche Bomben.
Und die Aufgaben sind größer geworden.
In Moussassai, einem abgelegenen Dorf in den Bergen wurden 150 Häuser zerstört. 30 Lehmhäuser sollen nun mit der Hilfe ihres Vereins aufgebaut wurden. Weitere Schulprojekte sind hinzugekommen. Ein großes Schulzentrum, bereits im Rohbau, muss dringend fertig gestellt werden.
Sybille Schnehage ärgert sich über die Schulbücher, die den Kindern dank internationaler Hilfe zur Verfügung gestellt werden. Zählen lernen die Kinder, in dem sie Kalaschnikows (Sturmgewehre) auf Bildern zählen. Die Bücher kommen aus den USA. So hat sie sich Erziehung zum Frieden nicht vorgestellt.
250 Brunnen müssen in der Region in den kommenden Wochen gebaut werden. Aber besonders wichtig ist Sybille Schnehage ein Projekt: der Bau einer Ausbildungs-Schuhfabrik. Seit Jahren wird sie nicht müde zu erklären: Afghanistans größtes Problem sind die ehemaligen Soldaten. Wird ihnen keine Lebensperspektive geboten, droht das Land erneut im Chaos unterzugehen. Ihre Überzeugung: Soll das Land wirklich Frieden finden, müssen diese Männer eine Berufsausbildung erhalten. Waffen sind in Afghanistan in großen Teilen in der Öffentlichkeit untersagt, aber dennoch immer noch allgegenwärtig. Ihre kleine Schuhfabrik, so hofft sie, kann dazu beitragen den Teufelskreis zu durchbrechen. Neben 15 festen Mitarbeitern sollen dort ständig etwa 45 junge Männer ausgebildet werden, die sich anschließend in den Dörfern als Handwerker selbstständig machen.
Hört man ihr aufmerksam zu, merkt man schnell: In Afghanistan hat sich doch viel verändert. Die Afghanen sind selbstbewusster geworden. Die Bevölkerung beobachtet sehr kritisch, wie sich Hilfsorganisationen in ihrem Land verhalten. "Arbeiten sie so wie Katachel e. V., gab der Gouverneur der Region einer großen Hilfsorganisation als Ratschlag mit auf dem Weg."
Obwohl ihre Familie nicht gerade begeistert ist, plant sie im Herbst erneut eine Reise nach Afghanistan. Dadgul Delawar, ein ehemaliger afghanischer Soldat, den eine Gesichtsverletzung entstellt, kümmert sich in ihrer Abwesenheit im die Koordinierung der Projekte.
Die Afghanen nehmen es selbst in die Hand, ihr Leben zu verändern. Diese Hilfe zur Selbsthilfe ist neben der humanitären Hilfe das zentrale Anliegen des kleinen Vereins. Für ihre Arbeit wurde Sybille Schnehage mit der Elisabeth-Norgall-Medaille in Frankfurt ausgezeichnet.
Der Verein Katachel e.V. ist zu erreichen unter der Internetadresse http://home.wolfsburg.de/schneha/ Die Bankverbindung lautet Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg (BLZ 269 513 11) Kontonummer 014 160 006.
Lahta, die Glückliche
Lahta, die Glückliche Geschichte einer zufriedenen Frau in NordafghanistanDie kleinen Füsse des Kindes in ihrem Bauch strampeln. Lahta legt ihre Hand auf ihren hochschwangeren Leib und blickt hinüber auf ihre kleine Terrasse vor ihrem neuen Lehmhaus. Da sitzen sie, die deutsche Frau mit den hellen Haaren, kurz wie die eines Mannes, und spricht in einer fremden Sprache mit Dadgul, dem Cousin ihres Ehemannes Khaista Khan.
Lahtas Gedanken wandern zurück an den Tag, der ihr Leben und das ihres Dorfes völlig veränderte.
Damals hatte sie gerade Khaista Khan, einen gutaussehenden jungen Mann aus der Nachbarschaft geheiratet und war mit ihrem ältesten Sohn Khaista Gol schwanger. Khaista Khan war ein wunderbarer Ehemann. Er konnte sogar Lesen und Schreiben und leitete mit die Geschicke des Dorfes. Wann das damals war, das weiß sie nicht genau. Lahta braucht nicht lesen können, sie hat Khaista Khan. Aber jetzt ist ihr Sohn schon fast groß; Dadgul meint, Khaista Gol wäre 10 Jahre alt.
Dadgul, auch einer der wichtigen Männer in ihrem Dorf Katachel, war für die Kämpfe gegen die Russen und die Kommunisten zuständig. Als hoher Kommandant führte er seine Männer immer wieder erfolgreich in Gefechte, er sah gut aus, und seine Frau Kandigol erwartete damals ihr 4. Kind. Kandigol hatte schon 2 Töchter und nur einen Sohn. Natürlich hoffte man auf einen weiteren Jungen.
Das Baby- du sollst auch ein Sohn werden – strampelt wieder.
Es war damals ein ganz warmer Nachmittag und Lahta saß in der offenen Küche, heitzte das Feuer mit getrockneten Kuhpfladen und kochte wie jeden Tag Palau, das afghanische Reisgericht, als Khaista Khan aufgeregt in den Hof stürzte, - Damals lebte die Familie noch eng gedrängt in den Lehmhöhlen oben im Dorf- , und rief: „Dadgul ist verletzt und wird sterben!“. Kandigol fing an zu schreien, Nigargh, Dadguls Mutter weinte und die Kinder blickten ungläubig auf den Onkel.
Dadgul war von einem Panzergeschoss getroffen worden und hatte Nase und Oberkiefer verloren, eine Verletzung, die kein Mensch in dieser Gegend überleben kann.
Alle im Dorf hatten ihn aufgegeben, aber Pandagol, Lahtas Schwager, hatte ihn nach Taluqan gebracht. Dort wurde er erstversorgt und dann per Pferd nach Pakistan gebracht. Eine Woche waren sie damals unterwegs, und jeder dachte, Dadgul Delawar, der Tapfere, stirbt. Aber wie ein Wunder, er überlebte.
Nach und nach wurde er dünner und dünner, denn er konnte nur schwierig mit einem Schlauch im Magen mit Milch ernährt werden.
Kandigol bekam ihr Kind, nur eine Tochter. Sie gab ihr den Namen Aziza, Liebling, doch Khaista Khan sagte Dadgul: „Deine Frau hat noch einen Sohn geboren, du kannst glücklich sterben.“-
6 Monate später kam Monaf, ein anderer Schwager aus Pakistan und erzählte von einer Frau, die Dadgul mit nach Deutschland genommen habe. -In drei Monaten wird Dadgul wieder gesund sein- hofften alle.
Zwei Jahre war Dadgul weg und kam dann wieder, entstellt, aber gesund. Und er war ein ganz Anderer geworden. Von nun an wollte er keine Kalaschnikow mehr sehen, keine Schulterraketen und keine Pistolen, und er liebte sogar seinen Nicht-Sohn Aziza. Ständig erzählte er vom Bau einer Schule. Khaista Khan musste ihm seinen Gemüsegarten verkaufen, und das Leben in Katachel veränderte sich.
Zwei Zimmer aus Lehm wurden gebaut, und die Mädchen und Jungen gingen auch zur Talibanzeit in die Schule.
Lahta war immer schwanger. Es wurden nur Mädchen geboren, Nasbada, Palwasha, Narges und Anissa, und Katachel wurde ganz anders.
Die Schule wurde größer, es wurde eine Brücke gebaut, und nun konnte man auf einem richtigen Weg die Hauptstrasse nach Kunduz zu Fuß in einer halben Stunde erreichen, die Witwen aus Katachel und aus den anderen Dörfern bekamen Geld aus Deutschland, und Khaista Khan baute für die ganze Familie einen neuen Hof.
Nun leben die vier Brüder mit Omas, Frauen und Kindern in sauberen Lehmhäusern mit richtigen Fenstern, und das Trinkwasser aus den neuen Ringbrunnen ist richtig klar und sauber. Das Glück ist eingezogen im kleinen Dorf am Gau Kush; man hat zu Essen, Geld für Medizin und seit Jahren ist kein Kleinkind mehr weggestorbern.- Und eine neue Schule hat Katachel, so richtig aus Stein, das Aushängeschild der Provinz Kunduz.
Lahta ist stolz auf Khaista Khan. Jetzt ist er ein richtiger Khan, ein wichtiger Mann. Er ist der Chef der Hilfe in Katachel. Alles fragt nur ihn, denn Dadgul ist für die Deutsche immer unterwegs.
Als die blasse Frau aus Deutschland vor zwei Jahren hier war, da war alles wegen der Taliban noch schwieriger. Jetzt hat Khaista Khan noch einen zweiten Sohn, denn ihr 6. Kind war Gulde, ihr ganzer Stolz.
"Was wird das Baby in meinem Bauch?" fragt sich Lahta und lächelt hinüber. "Inshallah, wie Gott will, denn im nächsten Jahr wird Allah mir wieder ein Kind in den Bauch legen, dann ist Katachel noch schöner und wartet auf meinen nächsten Sohn".
Wer mehr über die Geschichte Lahtas in Katachel erfahren möchte, kann sich unter Tel 05368 505 bei der Vereinsvorsitzenden Sybille Schnehage oder unter Tel 05833 1841 bei Kassenwartin Lilo Weber informieren.
Spenden können steuerlich absetzbar auf das Konto Katachel e.V. Kontonummer 014 160 006 bei der Sparkasse Gifhorn Wolfsburg BLZ 269 513 11 eingezahlt werden.
Die Frauen beobachten sehr genau
Die Frauen beobachten sehr genau, wie sich das Leben verbessert - 08.06.2002
Verändert sich das Leben in Nordafghanistan? Sybille Schnehage erzählt aus ihren Erfahrungen in Katachel. Da ist Dagul, der als Kommandat gegen Russen und Kommunisten kämpfte, dem eine Panzergranate das Gesicht zerfetzte. Aus dem Soldaten von einst wurde der örtliche Organisator des kleinen Hilfsprojektes aus Deutschland. Heute trägt er keine Schulterraketen und Pistolen mehr. Stattdessen koordiniert er alles rund um das Hilfsprojekt in seiner Region. Dass die kleine Schule des Ortes auch unter den Taliban nicht geschlossen wurde, ist unter anderem sein Verdienst. Auch Mädchen wurden in Katachel während der Zeit der Taliban stets unterrichtet. Zu der Anfangs kleinen Schule aus Lehm kam inzwischen eine größere aus massivem Stein dazu und 400 Jungen und 200 Mädchen lernen für eine bessere Zukunft. Sie gelten beide als Vorzeigeprojekt in der ganzen Region Kunduz. Eine Brücke wurde gebaut, damit die Menschen die Hauptstrasse zur Regionalhauptstadt innerhalb einer halben Stunde zu Fuß erreichen können. Die Witwen in Katachel und benachbarten Dörfern erhalten Geld aus Deutschland, um überleben zu können. Lahta, die Frau des stellvertretenden Projektkoordinators, die gerade ihr sechstes Kind erwartet, registriert sehr bewusst, wie sich das Leben im Dorf verändert. Ihre Familie, vier Brüder, die Großmütter und die Kinder leben in neuen sauberen Lehmhäusern mit richtigen Fenstern. Während des langen Krieges lebten sie in Lehmhöhlen oberhalb des Dorfes. Dass Menschen klares Trinkwasser aus einem sauberen Ringbrunnen holen, ist nicht selbstverständlich in den Dörfern am Gau Kush. Lahtas großes Glück: „Wir haben Essen, Geld für Medizin und seit Jahren ist kein Kleinkind mehr im Dorf gestorben." Die blonde, blasse Frau aus Deutschland und die junge Frau aus Afghanistan haben sich viel zu erzählen. Sybille Schnehage hat die Landessprache längst erlernt. Solche positiven Gespräche auf den Terrassen der Lehmhäuser sind es, an die sie sich erinnert, wenn sie wieder in Deutschland ist.
Klaus Hermann Braunschweiger Zeitung, 08.06.2002
Frauenalltag in einem Afghanischen Dorf
Blumenstrauss und Regenbogen - Frauenalltag in einem Afghanischen Dorf
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Texte:
Dorette Deutsch
Sender Freies Berlin, Kulturzeit, 19.4.02, 19 Uhr
Hoffnung im Trümmerfeld
Schulbildung in Afghanistan
Musik 1
Autorin:
Zwischen den Wiesen und Lehmhäusern des afghanischen Dorfes Katachel singt Nasbara ein kleines Lied. Es ist ein Ringelreihen in der Abenddämmerung, wenn die Sonne schon im Westen über der Steinwüste des Hindukusch untergeht. Hinter den Bergen ist das Abendrot zu sehen, die Männer kommen von der Feldarbeit in die Innenhöfe zurück, und Nasbaras Mutter Lachta fängt mit der Palau-Zubereitung an.
Nasbara lebt in Katachel, einem kleinen Dorf in der Provinz Kunduz, eine der 34 Provinzen Afghanistans, mehr als eine Tagesreise von der Hauptstadt Kabul entfernt. Der Weg zu Nasbara, zu ihrem Dorf und zu der Schule, in die sie schon seit drei Jahren geht, führt über den gefährlichen Salang-Pass, den einzigen Weg über den Hindukusch. Massoud, Hekmatyar und andere Kriegsherren waren hier und haben in zerschütteten Tunnels, mitten im Eis, immer auch die eigenen Zeichen der Zerstörung zurückgelassen.
Nasbara ist acht oder neun Jahre alt: Im Innenhof von Katachel, in dem die 40 Mitglieder ihrer Grossfamilie leben, weiss es niemand genau. Am Tag ihrer Geburt hat ihre Mutter Lachta gleich nach Sonnenaufgang wie immer Feuer gemacht, Fladenbrot gebacken und das Haus versorgt. Irgendwann kam Nasbara auf die Welt, wurde von den anderen Frauen dick eingeschnürt und von ihrer Grossmutter in die Wiege gelegt. Es war Krieg, als Nasbara geboren wurde; seit ihre Mutter und Grossmutter sich erinnern können war es so. Doch im Gegensatz zu ihrer Mutter und Grossmutter wird Nasbara in die Schule gehen.
Musik 1 weiter
Angelockt von einem engagierten Hilfsprojekt haben wir uns auf den Weg über den Hindukusch, zu Nasbara und ihrer Schule gemacht.
Wie sieht es, jenseits der Trümmerfelder und ausserhalb der Hauptstadt Kabul, in Afghanistan aus? Wer hat die Macht in den Provinzen? Wie sieht der Tagesablauf von Nasbara und ihrer Familie aus? Wird Nasbara die Möglichkeit einer Ausbildung haben, oder wird sie, wie ihre Mutter, mit 16 verkauft? Sind inmitten der Trümmer und der vertrockneten Landschaft noch die Farben und Gerüche des alten Morgenlandes erhalten geblieben?
Musikakzent (1 weiter)
Am 23. März, nach dem afghanischen Neujahrsfest, hat die Schule in ganz Afghanistan wieder begonnen.
Mearyi? Kommst du mit? Hatte das Nasbara nach dem ersten Schultag gesagt und die fremde Besucherin in die Welt von Katachel geführt.
O-Ton 1, Gol Dastar:
Mein Name ist Gol Dastar, ich stamme aus Katachel, wo ich immer gelebt habe. Ich habe acht Kinder, fünf Töchter und drei Söhne. Zwei von ihnen sind schon verheiratet. Mein Mann ist jetzt bereits sechs Jahre tot. Als ich 16 Jahre alt war, habe ich ihn geheiratet. Er war mein Cousin und lebte im selben Hof.
(O-Ton hochziehen)
Unsere Mütter haben das arrangiert, und das ist bei uns immer so. Für den Brautpreis wurde von meinen Eltern die Mitgift gekauft. Zu meiner Hochzeit gab es ein ganz grosses Fest. Meine Eltern haben zwei Kühe geschlachtet und Palau gekocht. Das ganze Dorf, achthundert Leute, waren da, denn alle sind miteinander verwandt. Ich besitze zwei Ziegen und ein bisschen Land. Aber das reicht nicht aus, um meine ganze Familie sattzubekommen. Ich baue Weizen an, damit ich wenigstens Brot aus Wasser und Mehl backen kann. Eine Mühle gibt es auch bei uns im Dorf. Fladenbrot und Tee gibt es morgens und mittags, abends koche ich Palau, aus Reis, Zwiebeln, Tomaten, Öl und Rosinen. Einmal in der Woche gibt es Fleisch. Ich arbeite als Hausmeisterin in der Schule, damit meine Familie genug zum Leben hat. Natürlich brauche ich das Geld. Aber ich will auch etwas für mein Land und mein Dorf gehen. Damit unsere Kinder, vor allem unserer Töchter, endlich wieder in die Schule gehen.
Autorin:
Die kleine Schule, in die Gol Dastar- zu deutsch Blumenstrauss- jeden Morgen zusammen mit ihrer Tochter Saguna geht, liegt nur ein paar Schritt von ihrem Lehmhaus entfernt. Saguna, - Regenbogen-, ist fünfzehn Jahre alt und bereits als Hilfslehrerin angestellt. Wie alle Häuser von Katachel ist auch das Schulhaus von einer hohen Mauer umgeben. Ein blaues Eisentor führt hinein. Im Garten blühen Mandel- und Kirschbäume, dazwischen sind Blumenbeete angelegt.
Die Schule, in der Gol Dastar arbeitet, hat das deutsche Hilfsprojekt Katachel e.V. gebaut, das seit 1994 in dem afghanischen Dorf gleichen Namens tätig ist. Gol Dastar verdient zwei Millionen Afghani im Monat, - 25 Euro, mit denen sie ihre gesamte Familie ernährt. Auch ihre Bezahlung hat der Verein übernommen.
Gol Dastar, Saguna und die Schuldirektorin Mina laden nach dem Neujahrsfest zu einem Besuch der kleinen Schule ein.
Musik 2
O-Ton 2, Lehrerin Mina:
Als die Taleban hierher kamen, hatte meine Tochter Sahìa gerade die 11. Klasse im Gymnasium abgeschlossen und musste die Schule verlassen. Während des Bürgerkriegs wurden dann mein Mann und mein Sohn erschossen. Mit meinen acht Kindern war ich dann ganz allein. Drei meiner Kinder haben wenig später geheiratet. Mein ältester Sohn und meine älteste Tochter leben bei mir. In Katachel habe ich dann Arbeit in der kleinen Dorfsschule gefunden. Es war sogar ein Taleban-Kommandant, der mich aufgefordert hat, hier im Dorf den Unterricht für die Mädchen weiterzuführen. Der Schulraum war dann im ersten Stock von meinem Haus untergebracht. Warum machst du das, habe ich ihn gefragt, wenn es doch eigentlich verboten ist. Und er hat geantwortet, das muss so sein. Und so habe ich dann hier etwas Geld verdient, als das Leben in der Stadt noch schwieriger war. Alle meine Sachen aus der Stadt habe ich verkauft, nur das Haus ist noch da. Schulen für Kinder zwischen sieben und dreizehn Jahren waren ja immer erlaubt, aber alle weiterführenden Schulen verboten. Jetzt, nach Schulanfang, gehen etwa 150 Mädchen hier in die Schule. Aber dabei gibt es ein grosses Problem: Die Mädchen können nicht aus den umliegenden Dörfern zu Fuss hierherkommen. Wir müssen also ein Auto haben, um die Kinder hierherzufahren.
Unterrichten darf ich jetzt alles, sogar Sport, weil die Zeiten wieder ruhig sind. Was die Kinder hier lernen?
Zuallererst natürlich Farsi, weil wir hier im Paschtunengebiet sind und Farsi Fremdsprache ist. Dann Malen, Zeichnen, was alles verboten war. Mathematik, alle Naturwissenschaften. Die Mädchen gehen gerne in die Schule, aber wir brauchen jetzt noch drei weitere Lehrerinnen, weil ich 150 Kinder nicht ganz alleine unterrichten kann.
In den Städten gibt es schon einen Neuanfang. Aber auf dem Land funktioniert noch gar nichts. Hier bei Kunduz gibt es dreizehn Dörfer, aber nur eine einzige Schule. Aber ohne das Hilfsprojekt gäbe es gar keine Schule hier. Mit der neuen Regierung haben wir jetzt endlich eine Chance bekommen- vorher haben wir wie im Gefängnis gelebt. Jetzt sieht man Frauen im Fernsehen, in den Schulen- es ist wie überall auf der Welt auch. Wir können nur hoffen, dass es wirklich so bleibt.
Autorin:
Mina lebt in einem alten Haus in traditioneller afghanischer Bauweise: Im ganzen Dorf scheinen die Lehmhäuser direkt aus der Erde zu wachsen. Jeder Hof besteht aus drei, vier Häusern mit quadratischen Innenräumen, in denen die Familie wohnt, schläft und isst. In den kleineren Nebengebäuden sind die Tiere, Hühner, Ziegen, eine Milchkuh untergebracht. Wie alle anderen ist Minas Lehmhaus innen blau gestrichen und mit dunkelroten Teppichen und Matten ausgelegt. Wasser wird draussen am Brunnen geholt, die Kochstelle im Hof mit getrockneten Kuhfladen geheizt, Strom gibt es nicht. Es wird noch lange dauern, bis das neue afghanische Fernsehen, jeden Abend auf Paschtu und Farsi, auch in den Dörfern zu sehen ist.
Der grösste Teil der Afghanen lebt auf dem Land. 98 Prozent von ihnen sind Analphabeten. Unverändert seit Jahrhunderten haben die Frauen das Leben in den Innenhöfen, die Männer das Leben in der Öffentlichkeit bestimmt. Doch entgegen unserem gängigen Bild werden Entscheidungen von beiden gemeinsam getroffen.
Sybille Schnehage vom Verein Katachel hat sich durch ihre persönliche Freundschaft zu dem afghanischen Projektleiter Dadgul Delawar seit 1994 und in schwierigster Zeit in der Provinz Kunduz engagiert. Vierzig afghanische Mitarbeiter arbeiten inzwischen für den Verein. Um die beiden Schulgründungen für Jungen und Mädchen ist ein vorbildliches Dorfentwicklungsprojekt entstanden, das inzwischen immer weitere Kreise zieht: Patenschaften für mittellose Witwen wie Hausmeisterin Gol Dastar wurden vom Verein Katachel ebenso übernommen wie das Gehalt der Lehrerinnen. In den letzten Jahren wurden viele neue Lehmhäuser gebaut und 200 Brunnen gebohrt.
O-Ton 3, Sybille Schnehage:
Ich denke, man muss sich hier nur umkucken, und dann sieht man, wie viel wir hier verändert haben. Denn die Leute haben früher in Lehmhöhlen gewohnt unter wirklich schlechten hygienischen Bedingungen. Das sieht jetzt, wenn man hinkommt, romantisch aus, aber dort zu leben war extrem schwierig. Man sieht eben, dass Neu-Katachel zum Teil schon aufgebaut ist, viele sind schon umgezogen, in gut belüftete Zimmer, die ganz vernünftig aussehen, in denen man gut leben kann, und damit hat sich eigentlich schon viel verbessert. Es war auch vorher so, dass die Wasserversorgung hier völlig von diesem kleinen Lehmbach abhing, und zwar auch das Trinkwasser. Inzwischen haben die Leute sauberes Wasser. Damit ist natürlich die Sterblichkeitsrate für die Kinder deutlich gesunken.
Autorin:
Nach den Plänen der Zentralregierung werden bald alle Lehrer vom afghanischen Staat bezahlt. Doch viele Pläne und Neuerungen greifen bislang nur in der Stadt. Auf dem Land, weitab von den sicheren Strassen der Hauptstadt, fehlt jede Infrastruktur - und das Geld. Hier wird man weiterhin auf engagierte Projekte wie Katachel angewiesen sein.
Auch Sher Mohamad, Malek von Shandarrà hat sich hilfesuchend an das Hilfsprojekt Katachel gewandt:
O-Ton 4, Sher Mohamad:
Unsere Leute haben wir schon lange gesagt, unsere Kinder lernen nichts mehr, also musst du als unser Malek eine Schule bauen. Ich hatte schon vor acht Jahren an einem geeigneten Ort zwischen den Dörfern angefangen, aber dann kamen die Taleban, die nur die Koranschule gleich neben der Moschee erlaubt haben. Ich bin verantwortlich für den Distrikt der Vier Täler – Shan darrà. Neben den Nahrungsmitteln ist der Schulbau das allerwichtigste hier, damit unsere Kinder wieder lernen, Arbeit finden und etwas für sich und ihr Land tun können. Denn die nächste Generation, die jetzt heranwächst, darf nicht wie wir auf fremde Hilfe angewiesen sein.
O-Ton 5, Sybille Schnehage:
Wir werden also in Shandarrà eine kleine Mädchenschule bauen, das bedeutet vier Zimmer, eine kleine Toilette hinten, nach ortsüblichen Verhältnissen. Und wir werden dann versuchen, diese Schule gut auszustatten. Damit nur Mädchen, die in besonders abgelegenen Gegenden leben, lernen können.
Er hat mir einen Plan gegeben, mit Kostenvoranschlag, zur Fertigstellung der Schule, mit Toilettentrakt, mit allem drum und dran, und das ist alles komplett für Kosten von 35 000 Euro. Wir haben ihm jetzt gesagt, ich kann ihm nicht versprechen, dass ich das mache, ich kann ihm nur versprechen, zu versuchen, so viele Spenden zusammenzubekommen, dass ich das machen kann.
Autorin:
Mit ihrem Hilfsprojekt ist Sybille Schnehage zur wichtigen Ansprechpartnerin geworden und hat weitere Projekte angeregt.
O-Ton 6, Sybille Schnehage:
Ich finde ihn toll, ich finde aber auch den Schuldirektor toll, die hatten die Entwürfe dabei, die hatten alles komplett vorbereitet, das ist für Afghanistan ungewöhnlich. Ich wäre natürlich froh, wenn ich das umsetzen könnte. So wie ich die Grösse einschätze, könnten hier mindestens 600 Kinder in die Schule gehen. Er hat am Anfang gesagt, Vormittag Jungen, nachmittags M
dchen, so dass die immer separat auf dem Gelände unterrichtet werden.
Autorin:
Ein Abstecher in die Stadt. Im Auftrag der Interimsregierung ist General Mohamad Dout für die Schaffung von Infrastrukturen und die Sicherheit in den Provinzen Mazar-i-Scharif, Kunduz, Tandokan und Bachalan zuständig. So als wolle er ein sichtbares Zeichen setzen, macht er in seinem Büro mit hilfesuchenden Lehrerin bekannt. Die eine von ihnen hatte als Stylistin bei Hochzeitsfesten, die andere als Hausfrau überlebt.
O-Ton 7, General Mohamad Dout:
In Kunduz gehen nach sechs Jahren 7800 Kinder wieder zur Schule, und es wird wie ein wirklicher Neuanfang sein. Wir haben insgesamt 42 Schulen hier, die jetzt alle sehr renovierungsbedürftig sind. Die Taleban hatten sogar die Schultore verschlossen und die Stühle und Tische wegtransportiert. So dass wir jetzt noch nicht einmal die Grundausstattung zur Verfügung haben. Wenn Krieg herrscht, gibt es auch keine Arbeit und keine Normalität. Deshalb steht die Sicherheit für mich an erster Stelle. Schliesslich sollen auch die Flüchtlinge zurückkommen können. Das ist mein vorrangiges Ziel. Ich bin als Gouverneur für die vier Provinzen Mazar-i-Sharif, Kunduz, Tandokan und Bachalan zuständig. Mein wichtigste Aufgabe ist es, noch vor allem anderen, hier für Ruhe und die Sicherheit der Menschen zu sorgen. Ich habe von meinen Leuten alle Häuser durchsuchen und alle Waffen und Raketen einsammeln lassen. Ohne Militärpräsenz war hier jeder bewaffnet. Als nächster Schritt muss nun die gesamte Infrastruktur neu geschaffen werden: Strassen, Wohnhäuser, Schulen. Und dabei sind wir auf ausländische Hilfe, auf die UNO, auf Amerika und Europa angewiesen. Nach 23 Jahren ist der Schaden einfach zu gross, als dass wir es noch allein schaffen könnten.
Zuvor gab es im Land eine funktionierende Infrastruktur, und die Menschen lebten vor allem von der Landwirtschaft: Es gab viel Baumwolle, aber auch Eisenverarbeitung, Ölgewinnung, alles gab es hier. Inzwischen ist alles zerstört, nichts von allem ist erhalten geblieben. Wir müssen also in unserer Heimat wieder bei Null anfangen. In Kunduz gab es eine baumwollverarbeitende Fabrik, die vor Jahrzehnten von der deutschen Regierung gebaut worden war. Die Anlagen stehen jedenfalls noch, wenn hier wieder Baumwolle angebaut wird, könnten die Leute wieder Arbeit finden.
O-Ton 8, Sybille Schnehage:
Sie versuchen überall, so kleine Staudämme zu machen, bis jetzt haben sie sich auch mit dem Gedanken getragen, ob sie in der Beziehung noch was verbessern können. Im Moment ist es so, dort hinten kommt also der Gaukusch an, sie haben mehrere Stauschritte gemacht auf den verschiedenen Seiten und leiten das dann in kleine Gräben um, buddeln dann Gräben zu ihren Weinstöcken oder zu den Weizenfeldern, je nachdem, wie der Wasserbedarf ist, oder auch zu Blumen und Bäumen. Es wird so sein, dass jetzt die erste Ernte in zwei Monaten erfolgen wird, und anschliessend hoffen sie, dass sie dieses Jahr mal wieder Wasser haben, dann würde man hier versuchsweise aus dem Fluss die Felder unter Wasser setzen, denn dann könnte man eine zweite Ernte, eine Reisernte, einfahren. Und das hängt natürlich von den Regenfällen ab.
Autorin:
Entwicklungshilfe, weitab von Kabul, fängt jeden Tag neu und in vielen kleinen Schritten an. Eine ganze Generation junger Männer hat nichts als den Krieg erlebt – ein gefährliches Potential. Um gerade für sie neue Arbeitsplätze zu schaffen, hat der Verein Katachel den Bau einer Schuhfabrik geplant.
O-Ton 9, Sybille Schnehage:
Ich denke, das Problem von Entwicklungshilfe aus Amerika und Europa ist, dass wir immer besserwisserisch auf die Leute zugehen. Ich sehe es als viel wichtiger an, dass man die Ideen der Leute, der Einheimischen aufnimmt; die müssen sich mit dem Projekt identifizieren, und die gewinnen mit dem Projekt auch Ehre; er hatte die Idee und hat sie ausgesprochen, er hat mich überzeugt und nicht ich ihn, und er wird seine eigene Ehre damit identifizieren, ob das mit der Schule was wird.
So ein Ort besteht ja nicht nur aus verschiedenen Dorfansammlungen, sondern das ist meistens ein Verwandschaftsverband aus mehreren Familien. So wie hier in Katachel sind alle miteinander verwandt, so dass jeder immer mit seinem Dorf und seiner Verwandtschaft eng verbunden ist.
Autorin:
Golam Mohamad ist Militärkomandant von Kunduz. Da er gegen die Taleban kämpfte, aber nicht auf der Seite der tadschikischen Nordallianz war, geniesst er das besondere Vertrauen der hier mehrheitlich paschtunischen Bevölkerung.
O-Ton 10, Komandant Gholam Mohamad:
Da die Taleban jetzt weg sind, habe ich kein Problem mehr mit der Regierung. Mit einer Waffe darf man die Stadt Kunduz noch nicht einmal mehr betreten, weil am Ortseingang meine Soldaten zur Kontrolle stehen. Jetzt haben wir eben das Problem, das neue Afghanistan zu bauen. Es ist jetzt umso schwieriger, weil allzu lange Krieg war. Neun Jahre war Krieg mit der Sowjetunion, und dann noch 12 Jahre Bürgerkrieg. Und diese beiden Kriege haben Afghanistan ganz kaputt gemacht. Das Afghanistan von heute ist ein Afghanistan der armen Leute, die Arbeit, Nahrung und Wasser brauchen.
Von Kabul bis Kunduz verkehren inzwischen viele Lastwagen, die Hilfsgüter, Nahrungsmittel, Schulbücher bringen. Vorher gab es nichts, auch weil der Salang-Pass acht Jahre lang unbefahrbar und gesprengt war. Jetzt hat das Ausland seine Hilfe angeboten, und man merkt, dass diese Hilfe auch langsam ankommt. Aber natürlich dauert in der Provinz alles etwas länger.
Wir haben ständigen Kontakt mit der Zentralregierung und ich persönlich bin mit der Regierung Karsai sehr zufrieden, einfach auch, weil sie für Sicherheit gesorgt hat. Ich gebe ständig nach Kabul weiter, was hier passiert, und nehme als Militärkommandant die Anordnungen der Zentralregierung entgegen.
O-Ton 11, Gol Dastar:
In den letzten fünf Jahren waren alle Kinder zuhause. Es war eine schlimme Zeit. Aber ich hoffe, dass es mit der neuen Regierung jetzt ruhig bleibt und unsere Kinder wieder lernen, so dass wir uns irgendwann wieder selbst helfen können. Zeitungen gibt es bei uns nicht, aber ich höre regelmässig die Nachrichten im Radio. Auch die letzten Wintermonate waren schlimm. Wir haben alle in grosser Angst vor den Bomben gelebt, aber was hätten wir schon machen können. Angst haben wir immer noch. Jede Nacht müssen wir das Haus bewachen, weil wir keine richtige Mauer mehr um den Hof haben.
Am meisten wünsche ich mir jetzt, dass wieder Ruhe herrscht. Dann könnte ich mein Haus herrichten, den Nagel aus meinem Bein ziehen, weiterhin in der Schule arbeiten und meine Kinder sattbekommen.
Autorin:
Irgendwann kann ihre Tochter Saguna vielleicht sogar zur Ausbildung nach Kabul gehen. Schon jetzt hat sie kleine Schreibarbeiten für die Dorfbewohner übernommen. Vielleicht wird Saguna dann bald ein eigenes Einkommen haben und nicht mehr, wie als Brautpreis üblich ist, für fünf Dollar verkauft. In einem Land ohne jegliches Sozialsystem sind Kinder das Geschäft: der Sohn muss im Alter für die Eltern arbeiten, die Töchter werden verkauft. Für ihre kleine Schwester Sadeka hat der Verein Katachel inzwischen die neue Stelle einer Handarbeitslehrerin geschaffen.
O-Ton 12, Sybille Schnehage:
Sie leben in einer ganz grossen Naivität, die wir uns in Europa gar nicht vorstellen können. Das bedeutet auch, dass sie in ihrem Hof auch zufrieden sind, sie kennen das Leben nichts anders, sie bekommen ihre Kinder, sie betreuen ihr Kinder, sie kochen. Der Mann geht nach draussen, kauft ein. Sie haben auch noch keine anderen Bedürfnisse und das wird ein ganz langer Weg sein bis die Frauen in der Lage sind, das Bedürfnis zu haben, ich will raus, ich will arbeiten gehen, ich will selbständig sein. So ein bisschen versuche ich, diesen Witwen durch die Patenschaften auch die Selbständigkeit zu geben, denn endlich haben sie die Gelegenheit, über das Geld, das ihnen gehört, auch frei zu verfügen.
Musik 3 (Navross)
Autorin:
Am Tag nach dem Neujahrsfest und dem Besuch seiner halbfertigen Schule, wartet Sher Mohamad, der Malek von Shandarrà, mit einer Überraschung auf: Am Ende des Tales, nahe der Grenze zu Tadschikistan, lädt sein Freund, der alte Khan der Nomaden, zu Joghurt und Fladenbrot ein. Auch für den Khan begann jetzt eine bessere Zeit. Erst jetzt, nach dem Ende der Talebanzeit, hat die Regierung ihm und seinen Stamm wieder Weideflächen zur Verfügung gestellt. Auf den Bergen, weitab von den Städten und Dörfern, beginnt das freie Afghanistan, hatte der Malek gesagt. Die Männer haben die Schafe für die Nacht zusammengetrieben, unverschleiert und mit offenem Blick servieren die Frauen aus dem Haus des Khan den fremden Gästen den Tee. Der Malek bittet seinen Freund, dass für eine bessere Zukunft auch die Mädchen und Jungen der Nomaden in Zukunft in seine Schule gehen. Als unser Besuch zu Ende geht, besteigt der Malek das schwarze Pferd des alten Khan. Sein klappriger Jeep, wie er nun für die mühsamen Behördengänge notwendig ist, bleibt, zusammen mit der Kalaschnikoff seines Bewachers, für einen Augenblick am Strassenrand zurück.
Für einen Augenblick haben wir ein Bild aus dem freien Afghanistan und ein Mosaikteil der kollektiven Erinnerung gesehen
Musikakzent (2 weiter)
O-Ton 13, Sybille Schnehage:
Also ich denke, dass eine Lawine von europäischer Kultur auf Kabul zukommt. Da wird sicher viel Positives bewirkt werden, aber sicher auch viel von der ursprünglichen Kultur kaputt gemacht werden. Ich hab’ für Kunduz noch die Hoffnung, dass sich die alte Kultur erhält, das ist wichtig. Man sollte immer beides fördern, einmal natürlich die moderne Zeit. Es sollte Strom und Wasser geben, und natürlich Gesundheitsversorgung. Wenn ich an die Kinder denke mit Vereiterungen und Verletzungen, wo ich sagen muss, ich kann nichts machen. Da muss natürlich ein vernünftiges Krankenhaus her, wo die Leute kostenlos behandelt werde, denn sonst heisst es, ich will von dir Geld. Der Turban sollte gar nicht wegfallen, er sollte erhalten bleiben, und vieles, was hier positiv ist. Die Stammesstruktur, der gut funktionierende Familienverband, das sollte man belassen, man muss hier nicht unbedingt eine europäische Kleinfamilie gründen.
O-Ton 14, General Dout:
Ich glaube, dass der Frieden jetzt von Dauer ist. Viele Krisen und Konflikte waren durch unsere Nachbarstaaten nach Afghanistan hineingetragen worden. Jetzt haben wir die Ursachen erkannt, und deshalb bin ich sicher, dass Afghanistan ruhig bleibt. Denn schliesslich blickt die ganze Welt, die UNO, Amerika, Europa auf uns. Vorher hatte uns die Welt vergessen. Aber jetzt weiss man, dass es uns gibt.
Autorin:
Auf dem Rückweg über den Salang-Pass fallen uns die Gestalten und Begegnungen aus den Dörfern ein: Nasbara mit ihrem Lied, der Malek von Shandarrà, die resolute Witwe Gol Dastar mit ihrer Tochter, die schön wie der Regenbogen ist, prägen sich als bleibende Bilder unserer Erinnerung ein.
Ein engagiertes Projekt hat diesen Teil Afghanistans bereits ein Stück aus dem Elend geholt.
Am Strassenrand hat ein kleiner Junge leuchtendrote Frühlingstulpen gepflückt. Ganz nah bei den Blumenteppichen sind im gleichen blutigen Rot die warnenden Kreis für Landminen zu sehen. Im Gedanken an die Gefahr, die er für den Unterhalt seiner Familie lief, kaufen wir ihm zwei Sträusse ab. Ein paar getrocknete Blätter und die Erinnerung an viele Gestalten und Begegnungen nehmen wir in die Welt des Abendlandes mit. Der Junge ist so alt wie Nasbara, die in Katachel schon in die Schule geht. Vielleicht kommt sogar für den Jungen im Minenfeld einmal eine bessere Zeit.
O-Ton 15, General Dout:
Die Menschen in unserem Land haben alles mitgemacht. Flucht, Hunger, Tod. Ich hoffe, dass Gott uns jetzt helfen wird, damit unser Land wieder Frieden findet.
Musik 3 weiter (Navross)
Wasser und Mehl fürs tägliche Fladenbrot
In dem afghanischen Dorf Katachel hat Sybille Schnehage gelernt, wie man einen richtigen Brunnen baut: zwölf Meter tief, damit man auch in Zeiten größter Dürre an das Grundwasser kommt, die Pumpe aus Tadschikistan, und am besten zieht man das Wasser mit Eimern hoch, was zwar weniger schön, aber viel praktischer ist. 125 Euro kostet ein Brunnen, und damit werden 40 Menschen zehn Jahre lang mit sauberem Trinkwasser versorgt. Bei der Einweihung wird ein Schild mit dem Namen des Spenders vor den Brunnen gestellt.
Hilfe muss direkt und nachvollziehbar sein, sagt Sybille Schnehage, und das hat sie von Anfang an zum Prinzip ihres Engagements in Afghanistan gemacht. In den Dörfern, die ihr Verein Katachel betreut, musste bislang niemand fliehen, weil es bei aller Not immer ausreichend Wasser gab. Mit Wasser und Mehl für das Fladenbrot Nan ist die allernötigste Grundversorgung hergestellt.
Wenn Sybille Schnehage, von Beruf Physikerin, von den Anfängen ihres Afghanistan-Projekts spricht, fallen ihr zuerst zwei Erlebnisse ein: die eigenen Urlaubsreisen in ferne Länder, hinter dem Strand die Elendshütten, und die Begegnung mit ihrem heutigen Projektleiter Dadgul Delawar. Nach dem Ende des Bürgerkriegs hatte Sybille Schnehage zunächst verletzte Kinder zur Behandlung nach Deutschland geholt. Auf dem Flughafen von Peschawar sah sie auch Dadgul Delawa. War er noch fanatischer als alle anderen, weil er sogar als Mann sein Gesicht verbarg? Erst später sah sie, dass unter dem Schleier gar kein Gesicht mehr war.
Dadgul, der Held
Dadgul, dem eine russische Panzergranate Nase und Oberkiefer weggerissen hatte, wurde im Stuttgarter Katharinenhospital operiert und im Haus Schnehage gesund gepflegt. Da hat er von der damals siebenjährigen Vanessa Deutsch gelernt und bei der Gelegenheit auch mitbekommen, dass Mädchen, anders als in seinem Dorf, keine zweitklassigen Menschen sind. Zu schwerer Arbeit wäre er nach seiner Verletzung nicht mehr fähig gewesen. Und so hat man gemeinsam an ein zukunftsträchtiges Projekt für Dadgul und Afghanistan gedacht. Wegen seiner Verletzung im Kampf gegen die Russen galt Dadgul als ein Held. Er hat die wichtigsten Kontakte hergestellt für den Verein Katachel, der nach dem Dorf, aus dem er stammt, genannt ist.
Noch in der Zeit des Bürgerkriegs und später unter der Herrschaft der Taliban, als Innenansichten für Ausländer kaum möglich waren, fuhr Sybille Schnehage als eine der wenigen regelmäßig ins Land. Mit Schrecken denkt sie heute an all die Fettnäpfchen ihres ersten Besuchs. Wie sie unaufgefordert den Empfangsraum der Männer betrat, Männern die Hand gab oder ihnen gar in die Augen sah. Aber dann war Dadgul an ihrer Seite und holte sie mit einer kleinen bewaffneten Gruppe sicher am Khaiberpass ab.
Als Adoptivmutter Dadguls hat sie auf die Jahre umgerechnet ein paar Monate ihres Lebens in afghanischen Innenhöfen verbracht. Etwa dreißig Personen leben in einer Hofgemeinschaft, Verwandte bis zum vierten Grad. Der liebevolle Umgang trotz aller Armut ist Sybille Schnehage am stärksten in Erinnerung geblieben. Die Purdah ist das Reich der Frauen, hier findet das eigentliche Leben jeder afghanischen Familie statt. Der älteste Mann vertritt die Familie nach außen, während die älteste Frau das Leben in der Purdah bestimmt. Kein Fremder betritt den Innenhof. Entgegen unserem Bild, sagt Sybille Schnehage, werden Entscheidungen von Frauen und Männern gemeinsam getroffen.
Die Menschen, die sie in den Innenhöfen von Katachel kennen gelernt hat, sind heute Teil ihrer eigenen Familie. Da ist Kandigol, die Zuckerblume, deren Lehmhaus jeden Winter durch die schweren Schneemassen ein Stück tiefer sinkt. Da ist Kandigols kleine Tochter Anissa, bei der Sybille Schnehage über Satellitentelefon Rachitis diagnostiziert und ihr mit Medikamenten geholfen hat. Und dann gibt es noch Nigargh, die alte Paschtunin, die durch die Gründung der Schule ihr traditionelles, im Ehrenkodex der Paschtuwali verankertes Weltbild wanken sah. Wenn ihre Enkelinnen in die Schule gehen, wer soll ihr dabei helfen, wenn sie bei Sonnenaufgang Kuhmist mit Stroh verkneten und als Brennmaterial für den Lehmofen trocknen muss?
95 Prozent der Dorfbevölkerung sind Analphabeten, und das war schon immer so. Was musst du nur für einen schrecklichen Mann haben, hat Nigargh einmal zu ihr gesagt, der dich allein so weit in die Welt hinaus lässt.
In der Lehmhütte nebenan wohnt die völlig mittellose Witwe Maimanà. Acht ihrer Kinder sah sie in den letzten Jahren sterben, bis ihr nur noch ein verkrüppeltes Mädchen blieb. Maimanà bat schließlich den Verein um das notwendige Geld für die Operation, denn ein Mädchen mit Klumpfuß kann das Alter der Mutter nicht sichern. Und schließlich fällt Sybille Schnehage auch der Malek aus dem Nachbardorf ein, mit dem Katachel jahrhundertelang in Blutfehde lag. Als ihr der Malek ein wertvolles Kleid brachte und seine drei Söhne in die neue Schule gehen ließ, war es mit der Schießerei zwischen den beiden Dörfern vorbei.
Unser Ziel war es von Anfang an, die gesamte Infrastruktur zu verbessern, sagt Sybille Schnehage. Katachel begann als Projekt einer umfassenden Dorfentwicklung und ist doch schon lange nicht mehr darauf beschränkt. Nachdem die dringendste Not der 800 Bewohner gelindert war, wurde auch die weitere Umgebung einbezogen. Für zwei Schulen hat der Verein Gelände gekauft und die Maurerarbeiten bezahlt, allein dadurch war ein Teil der Bewohner nicht mehr arbeits- und mittellos.
Keine Fische, sondern Angeln heißt dieses Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Projektleiter Dadgul hat sich inzwischen auch die stickigen, ungesunden Lehmhütten der Dorfbewohner vorgenommen. Mit 500 Euro pro Bau hat der Verein das Grundmaterial für neue Häuser finanziert, auch die Steine wurden von den Dorfbewohnern selbst gebrannt. In den Schulen lernen 150 Mädchen und 400 Jungen, streng voneinander getrennt, auf Paschtu und Farsi Lesen, Schreiben, Erdkunde keinen Koran. Für die Mädchen ist besonders Gesundheitserziehung wichtig, sagt Sybille Schnehage, und da fallen ihr gleich wieder bleibende Bilder ein: das Zwillingspärchen, bei dem der Junge rosig und wohlgenährt und das kleine Mädchen halb verhungert war. Sie bekam, was nach seinem Hunger übrig blieb.
Um die Projekte durchzusetzen, musste Sybille Schnehage mit Takt und Klugheit vorgehen. Der Bürgermeister von Katachel hat mich angeschrieben, und der Gouverneur hat schon damals, 1994, bei mir angerufen, ich möge bitte eine Schule bauen. Dann erst habe ich angefangen. Sodass die Initiative eigentlich immer von den Afghanen ausging und nicht von mir. Dass manchmal die Briefe an ihren Mann und nicht an sie gerichtet waren nun ja, sie hat es, leicht verärgert, hingenommen. Chanoma, die weibliche Form von Chan, die Verehrungswürdige, wird sie heute genannt. Und als neulich der Bürgermeister von Dschalalabad anrief, hat er, trotz ihrer gerade fünfzig Jahre, Ade, gute Großmutter, zu ihr gesagt.
Hier zählen auch Frauen
Die 28 afghanischen Mitarbeiter haben in den vergangenen sieben Jahren in der Provinz Kunduz mehr als 200 Brunnen gebaut. Ein Witwenprojekt, das über Patenschaften finanziert wird, bewahrt die Ärmsten der Armen vor dem sonst ziemlich sicheren Verhungern. Die Rechtlosigkeit der Frauen insgesamt aber ist ein Problem, das nur durch behutsame Erziehung zu ändern ist. Die Mädchen hat der Schulbesuch jedenfalls deutlich selbstbewusster gemacht. Einige werden selbst in dem Projekt tätig sein. Denn schon seit Beginn sind bei Katachel Frauen angestellt, darunter fünf Lehrerinnen und eine Schulleiterin. Die Gehälter, 20 Euro, übernimmt der Verein.
Warum man dem zerstörten Land nicht schon früher mit Aufbauhilfe zur Seite stand? Niemand kann heute die Frage beantworten. Als Sybille Schnehage zum ersten Mal im Krankenhaus von Kunduz war, gab es dort noch nicht einmal ein Heftpflaster. Inzwischen beschäftigt sie das Problem, was nach dem Krieg geschieht. Wo sollen all die arbeitslosen jungen Männer hin, die außer Schießen nichts gelernt haben? In einem Nachbardorf Katachels sind alle 300 Bewohner den Folgen des Kriegs zum Opfer gefallen. Genau hier will sie eine Ausbildungsstätte errichten. Die jungen Männer sollen Mauern lernen und die Mädchen später hier in die Schule gehen.
"Hey du", ruft Dadgul Delawar heute Sybille Schnehage kurz zu. Zu längerer Begrüßung haben beide vor lauter Brunnen- und Häuserbauen keine Zeit. Aber irgendwann, als er nach seiner Verletzung wieder sprechen konnte, hat er auch Mama zu ihr gesagt.
THG-Schüler und Lions spenden für Katachel
WOLFSBURG. Eine Spende für Katachel übergaben Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums am letzten Schultag des Schuljahres der Vorsitzenden des Vereins Katachel e.V., Sybille Schnehage. Gleichzeitig wurden die Jugendlichen für ihr soziales Engagement mit dem Helferpreis des Lion-Clubs ausgezeichnet.
Die Klasse 9b des Gymnasiums hatte in Projekten Geld gesammelt, das dem afghanischen Dorf Katachel zugute kommt. Die dortige Regenbogenschule soll Kindern den Schulbesuch erleichtern, die sonst nicht die Möglichkeit dazu hätten. Sogenannte "Witwenpatenschaften" für mittellose Frauen sollen ebenfalls unterstützt werden. Das Restgeld von der Cafeteria, die Klassenkasse, die Jugendlichen nutzen jede Quelle, um Mittel für Afghanistan zusammen zu bekommen. Von dem Engagement der Klasse waren die Wolfsburger Lions so beeindruckt, dass sie die Schüler mit dem neu geschaffenen "Helferpreis" ehrten. Den Preis, der mit 1000 Mark dotiert ist, übergab der Präsident des Lions-Clubs Vorsfelde Dr. Wolfram Klose. Wegen der besonderen Förderungswürdigkeit des Projektes gaben die Lions noch eine Spende von 500 Mark dazu. Sybille Schnehage vom Verein Katachel e.V. nahm die Spende dankend und gerührt entgegen.
Katja Götte-Kroschewski
Wolfsburger Kurier 11.07.2001
Für Trinkwasserbrunnen fehlt das Geld
BERGFELD (sy). Könnt ihr nicht auch für uns einen Brunnen für sauberes Trinkwasser bauen? - Mit diesen Worten kommen zahlreiche Familien aus der gesamten Nordafghanischen Provinz Kunduz ins Dorf Katachel und bitten Projektleiter Dadgul um Unterstützung.
Nachdem der Bergfelder Verein Katachel in den vergangenen zwei Jahren den Bau von 67 Trinkwasserbrunnen durch die Übernahme von Materialkosten von 220 Mark pro Stück ermöglicht hatte, wollen auch andere Menschen an dieser langfristigen Gesundheitsvorsorge teilhaben, denn als im letzten Sommer die Cholera ausgebrochen war, da blieben die Nutzer der Ringbrunnen verschont.
Dadgul muss alle abweisen, denn der Verein hat im Moment dafür kein Geld. Alle reserven müssen für den Bau der neuen Schule für die Mädchen verwendet werden. Erst wenn das Gebäude fertig ist, die Möbel bezahlt sind und die Kinder in den neuen Räumen lernen, kann der weitere Bau von Brunnen in Erwägung gezogen werden.
"Ich habe Dadgul am Telefon gesagt, dass es mir sehr leid tut, diese Menschen vertrösten zu müssen", teilt die Vorsitzende des Vereins Sybille Schnehage mit, "aber wir können nur Geld ausgeben, das wir bereits haben." Mitglieder und Förderer des Vereins hoffen, dass sich Menschen finden, die diese Aktion - sauberes Wasser für alle - mit Spenden unterstützen.
In der Jahreshauptversammlung des Vereins wurde ausführlich über die Weiterentwicklung des Projektes gesprochen. Im Mittelpunkt der nächsten Monate stehen neben dem Schulbau und dem Brunnenbau auch die weitere Suche nach Witwenpatenschaften und möglicherweise eine Impfaktion für die Kinder. Wer an diese Hilfe zur Selbsthilfe Interesse hat, kann mehr unter Tel. 05368 505 von Sybille Schnehage oder von Lilo Weber, Tel. 05833 1841, erfahren.
Wolfsburger Nachrichten März 2000
Katachel bangt nach Missernten vor dem Winter
BERGFELD. Eine Hungersnot großen Ausmaßes droht den Menschen in Nordafghanistan, weil der Winter einbricht und die Vorräte nicht für alle reichen. Sybille Schnehage, Vorsitzende des Hilfsvereins Katachel, macht sich große Sorgen.
Im Sommer war im Norden des Landes die Reis- und Getreideernte nicht wie gewohnt ausgefallen, so daß die Lager nicht voll gefüllt werden konnten. Damit ist für die kommenden Monate bitterer Kälte am Hindukush eine große Notzeit zu erwarten, eine Zeit, in der dann die Lebensmittel-preise immens teuer werden.
Besonders darunter zu leiden haben die Witwen mit ihren oft noch kleinen Kindern, die ohne soziale Absicherung auf Hilfe angewiesen sind. Die Männer sind im Krieg gefallen, kamen durch Krankheiten ums Leben oder fielen, wie in den letzten Jahren ganz besonders, den noch zahlreich im Erdreich verborgenen Minen bei der Feldarbeit zum Opfer. Da die Verwandtschaft in diesem vom Bürgerkrieg erschütterten Land auch in Armut lebt, und so selbst nicht genug hat um ihnen zur Seite zu stehen, leiden diese Frauen mit ihren Kindern unter Hunger und dadurch an zahlreichen Krankheiten, die oftmals zum Tode führen, auch wenn sie für unsere europäischen Begriffe als harmlos eingestuft werden. All dies wird in diesem Winter verstärkt auftreten.
In ihrer Not sind die Frauen in der Regel gezwungen ihre Söhne ab dem 12. Lebensjahr an andere Familien als Arbeitskräfte gegen Lebenmittel abzugeben, eine Art neue Sklaverei, und ihre Mädchen mit 13 Jahren gegen ein Brautgeld zu verheiraten. Mit einer helfenden Hand aus Deutschland könnte dies den Frauen und Kindern erspart bleiben, argumentiert Schnehage. Auch können die Mädchen und Jungen mit einer Patenschaft die Dorfschule besuchen, um für ihre Zukunft zu lernen. Eine besondere Freude ist es Schnehage dabei, daß die eine Sondergenehmigung der Taliban-Machthaber vorliegt, nach der auch die Mädchen die Schule regelmäßig besuchen können.
Der Verein Katachel e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, für diese Frauen Patenschaften aus Deutschland zu suchen, wobei dann mit 50,- DM monatlich diesen Familien ein gesichertes Leben garantiert ist.
Schon 142 Frauen konnte so geholfen werden; dies bedeutet, im afghanischen Projektdorf Katachel und im Nachbardorf Ludin sind inzwischen alle Witwen versorgt, aber auch die Witwen aus den anderen Dörfern kommen immer wieder zu Projektleiter Dadgul um zu fragen, ob sich nicht eine weitere eine deutsche Familie zu einer solchen Hilfe für die Ärmsten entschlossen hat.
Wer über dies Projekt weitere Auskünfte möchte, kann dies bei der 1. Vorsitzenden des Vereins Sybille Schnehage in Bergfeld, Tel. 05368 505 oder Kassenwartin Lilo Weber aus Brome, Tel. 05833 1841 erfragen. Spenden können auf das Konto Katachel e.V. Kontonummer 014 160 006 bei der Sparkasse Gifhorn Wolfsburg BLZ 269 513 11 unter dem Stichwort "Patenschaften" eingezahlt werden.
Wolfsburger Nachrichten 19.11.1999
Scheckübergabe vor dem VfL-Spiel gegen Bremen
BERGFELD. Über einen Scheck in Höhe von 5000,- DM dürfen sich die Fußballer in der Regenbogenschule im nordafghanischen Dorf Katachel freuen. Vor Beginn der Bundesligapartie VfL-Wolfsburg gegen Werder Bremen überreichte der Vorsitzende des Nidersächsischen Fußballverbandes NFV Engelbert Nelle und der NFV Beauftragte für soziale Integration Gerhard Ballschmiede an den Leiter des Projektes in Katachel, Dadgul Delawar und die 1. Vorsitzende des Vereines Sybille Schnehage, die auch Mitglied im Präsidium des VfL-Wolfsburg ist.
Diese Summe, bereitgestellt von DFB-Sportförderverein, soll dafür verwendet werden, den 500 jungen Spielern Schuhe anzuschaffen, denn in diesem Land sind die Menschen so arm, dass sie im Sommer barfuß laufen müssen oder einfache Plastikbadelatschen dienen als Schuhersatz. Damit ein richtiges Training möglich ist, werden nun Schuhe in allen notwendigen Größen in Pakistan erworben und dann über die Berge ins Projektdorf gebracht.
Der DFB- Sportförderverein kann solche Aktionen dadurch unterstützen, dass die Nationalmannschaft Freundschaftsspiele veranstaltet, deren Erlös, wie beim Spiel gegen Liechtenstein, voll in diesen Fördertopf einfließt.
Die beiden Mitglieder des Vereins Katachel e.V. freuten sich sehr über diese großzügige Spende, die schon zum 3 Male den afghanischen Kindern zugute kommt, und dankten den überbringern ebenso, wie den Verantwortlichen beim DFB.
Wolfsburger Nachrichten 25.09.1999
Fußball als Botschafter des Friedens
"Beim Fußball sollen die Kinder den Krieg vergessen und den Frieden lernen" - erzählt Projektleiter Dadgul über sein Heimatdorf Katachel in Nordafghanistan.
Dort, wo die Kinder im Krieg geboren wurden, wo seit 20 Jahren Krieg und Bürgerkrieg herrschten und jeder Junge schon früh den Umgang mit der berüchtigten Kalashnikow erlernte, dort hat sich durch den Bau der Regenbogenschule vieles verändert.
Zum einen gehen inzwischen 500 Jungen und 46 Mädchen in die Schule und lernen, zum anderen wurde ein Fußballprojekt ins Leben gerufen, welches inzwischen bereits 10 Mannschaften umfasst.
Spielten die ersten Teams mit den alten Trikots des VfL Wolfsburg, so gibt es jetzt Mannschaften in allen möglichen bunten Ausstattungen, die durch die großzügige Unterstützung durch den NFV und den DFB, besonders durch die Hilfe vom Beauftragten für soziale Integration des NFV Herrn Ballschmiede, erst möglich wurden.
Die ausgemusterten Hemden und Hosen des Niedersächsischen Fußballverbandes, aber auch Trikots des TuS Woltersdorf sorgen dafür, daß beim großen Turnier der Teams aus allen benachbarten Ortschaften ein buntes Fußballbild zu bewundern war.
Für die Jugend in dem Projekt ist es das erste Mal, dass sich nun ihr Leben um Lernen und um Fußball dreht. Da planen sie voller Begeisterung bereits mit ihren Vätern das nächste Training und das nächste Spiel. In einer Situation, in der sich das afghanische Volk endlich Frieden und Normalität wünscht, ist der Fußballsport ein sehr wichtiger und erfolgreicher Schritt zum Umlernen und Umdenken geworden.
Wolfsburger Nachrichten 18.09.1999
Mädchen dürfen wieder zur Schule
Bergfelder Verein Katachel erwirkt Ausnahmegenehmigung vom Taliban-Gesetz
BERGFELD. "Endlich dürfen wir wieder in die Schule"- diese positive Nachricht konnten die Lehrerin der Regenbogenschule im nordafghanischen Dorf Katachel und der Projektverwalter Khaista Khan direkt aus Kunduz per Satellitentelefon berichten.
Nachdem vor einigen Monaten die Taliban die Macht in der Nordprovinz Kunduz übernommen hatten, galt auch für die Kinder in Katachel das strenge Gesetz der Taliban, nachdem die Mädchen die Schule nicht besuchen durften. Obwohl schon seit Jahren die Mädchen in der Projektschule lernten, waren die Lehrerin und die Mädchenklasse aus dem Schulgelände verbannt, so daß man sich in kleinen Gruppen in Privathäusern zum Lernen treffen mußte.
Unermüdlich versuchten seither die Mitarbeiter von Katachel e.V. die Regierung der Taliban und die Schulbehörden zu überzeugen, daß es moralisch völlig ungefährlich sei, die Mädchen weiter in der Schule lernen zu lassen. Die 1. Vorsitzende des Vereins Sybille Schnehage führte im vergangenen Jahr Gespräche im Ministerium in Kabul und Projektleiter Dadgul wechselte viele Briefe mit dem Gouverneur in Kunduz.
Nach einem persönlichen Gespräch mit dem Abgesandten der Taliban in Frankfurt befürwortete auch jener die Pläne in Katachel und plötzlich klappte es ganz zügig. Sowohl aus der Talibanzentrale als auch vom Ministerium aus Kabul wurde schriftlich die Sondergenehmigung erteilt, daß die Mädchen wieder in ihrem Klassenverband lernen können.
Ein besonders tragisches Los hat eine der Schülerinnen getroffen. Das Mädchen hat Knochentuberkulose und trägt zur Zeit einen Gipsverband um die Wirbelsäule zu stützen.
Aus dem Spendentopf von Katachel e.V. wird nun eine Geldsumme zur Verfügung gestellt werden müssen, damit Medikamente und Behandlung gesichert werden können.
Wer an weiteren Informationen zur Arbeit in Afghanistan interessiert ist, kann dies telefonisch bei der 1. Vorsitzenden des Vereins Sybille Schnehage in Bergfeld Tel 05368 505 oder der Kassenwartin Lilo Weber in Brome Tel 05833 1841 erfragen. Abzugsfähige Spenden können auf das Konto Katachel e.V. Nr. 014 160 006 bei der Sparkasse Gifhorn Wolfsburg BLZ 269 513 11 eingezahlt werden.
Wolfsburger Nachrichten september 1999
Roy Praegers Wunsch zu seinem Abschied
Unterstuetzung der Fans für die Ärmsten
BERGFELD(sy). Ein Fussballstar der sich in die Herzen aller Wolfsburger gespielt hat, wird den VfL Wolfsburg zum Saisonende verlassen. Viele Freunde und Fans in und um die Volkswagenstadt herum bedauern sein Fortgehen, wuenschen "ihrem" Roy aber dennoch alles Gute und viel Erfolg in den kommenden Jahren. Praeger moechte diesen Abschied mit einer Aktion fuer eine Gute Aktion verbinden - die Hilfe fuer junge Fussballer im aermsten Land der Welt, Afghanistan.
So hofft der zukuenftige HSVer, dass die jenigen, die mit einem Geschenk ein kleines Dankeschoen sagen moechten, dies dieser Hilfe zugute kommen lassen. Darueber hinaus wird Roy's Spielkleidung vom naechsten (und letzten) Heimspiel gegen Bayer Leverkusen versteigert und auch waehrend seiner privaten Abschiedsparty Geld fuer diese Aktion gesammelt. Der Verein Katachel e.V. liess bisher schon eine Schule im gleichnamigen nordafghanistan Ort errichten - von privaten Spenden. Diese Schule ist besonders wichtig, dada durch die langjaehrigen Kriegswirren im Lande am Hindukusch der groesste Teil der Infrastruktur, also auch die Schulen, zerstoert wurden. So ist die katacheler Regenbogenschule im Umkreis von 30 Kilometern die einzige Moeglichkeit, lernen zu koennen. Vor der Initiative des Verien waren von den rund 700 Einwohnern nur 10 Maenner des Schreibens kundig, alle anderen also Analphabeten. Nun koennen praktisch alle groesseren Kinder lesen und schreiben -gute Vorraussetzungen also um in eine bessere Zukunft zu blicken. Die Kinder nehmen Fussmaersche von bis zu acht Kilometern auf sich, um endlich in Frieden etwas lernen zu koennen. 500 Kinder stehen auf der Anmeldeliste fuer die Schule. Schnellstmoeglich soll nun ein Schulneubau mit zehn weiteren Klassenzimmern folgen. Um gerade die Jungen an ein friedliches Leben heranzufuehren, hat der Verein zum Projektleiter Dadgul ein Fussballprojekt ins Leben gerufen. Seitdem steht das Spiel mit dem Ball im Mittelpunkt der Jugend. Unter anderen in alten ausgedienten Trikots des VfL Wolfsburg ist die Fussballbegeisterung nach Katachel gekommen. Inzwischen traineren fast zehn Mannschaften aus Katachel und den umliegenden Doerfern. Inzwischen ist also der Fussball zu einer festen Einrichtung geworden, doch waere es wichtig die Randbedingungen noch zu verbessern. Bedingt durch die bittere Armut koennen die Familien es sich kaum leisten , fuer die Kinder feste Sportschuhe zu kaufen. Allenfalls fuer Badelatschen ist genug Geld da -doch zumeist kicken die Kinder barfuss das Leder. Auch das Fussballfeld ist gerade mal ein geebneter Acker. Dieser braucht eine Sandschicht. Doch Sand gibt es nicht. Er muesste von weit her mit dem Lastwagen geholt werden. Sybille Schnehage, die Vorsitzende des Vereins Katachel e.V. hofft nun, dass Roy Praegers Spendenaufruf Erfolg bringt: "Wir wuenschen uns, das den jungen Sportlern in der Regenbogenschule dabei geholfen werden kann mit Sport eine friedliche und bessere Zukunft zu finden. Steuerabzugsfaehige Spenden koennen unter dem Stichwort "Roy Praeger" auf das Konto Katachel e.V. Kontonummer: 014160006 bei der Sparkasse Gifhorn/Wolfsburg, BLZ 26951311 eingezahlt werden. Information unter der Telefonnummer: 05368/505.
Wolfsburger Kurier vom 19.05.1999
Ein Land im Bürgerkrieg
Sybille Schnehage stellt die Lage in Afghanistan dar
Zum Diavortrag "Bilder aus Afghanistan" lädt die Städtische Galerie in den Jagdsaal des Schlosses Wolfsburg am Sonntag, 28. März, um 15 Uhr ein.
Referentin ist Sybille Schnehage vom Verein Katachel. Der Vortrag ist eine Begleitveranstaltung zur Ausstellung "Kostbarkeiten orientalischen Basare", die noch bis zum 25. April in der Städtischen Galerie zu sehen ist. Das kleine Dorf Katachel im Norden von Afghanistan diente als Namensgeber für einen Verein mit Sitz in Bergfeld, der dieses Dorf durch Paten schaften unterstützt. Die erste
Vorsitzende des Vereins, Sybille Schnehage, bereist das Land seit Jahren.Sie wird in ihrem Diavortrag zur aktuellen Situation der Bevölkerung in Afghanistan so wie über die Arbeit ihres Projektes be richten. Der Verein hat es sich vor allem zur Aufgabe gemacht, den Opfern des seit Jahren tobenden Bürgerkrieges in Afghanistan zu helfen. Etwa 90 Prozent der Bevölkerung sind Muslime (Sunniten).
Wolfsburger Nachrichten 25.03.1999
Schützende Hände im weltweiten Netz
Unter dem Symbol der Hände finden Leser die neuesten Nachrichten aus dem kleinen Bergdorf, über stattgefundene und geplante Hilfsaktionen. Sogenannte Links, Querverweise, führen zu anderen Internet-Seiten, die sich mit dem Thema Afghanistan beschäftigen: "lch lese dort abends immer in den Online-Zeitungen die politischen Ereignisse nach", erklärt Sybille Schnehage.
Die Betreiber der anderen "Web-Pages" haben inzwischen die Seite in ihre Verweise aufgenommen - der Bergfelder Verein ist rund um den Globus erreichbar. E-Mails interessierter Internet-Surfer erhält Frau Schnehage ebenso wie Nachrichten von Universitäten. "Es ist ein Zeichen der Zeit", sagt die Betreiberin. Ehemann Michael - immer auf der Suche nach einem besonderen Geburtstagsgeschenk für seine Frau hatte eine Idee: Er wollte ihr Platz für eine eigene Seite, eine Homepage, im weltweiten Internet schenken. Für sie war klar: "Den Platz wollte ich nicht für mich nutzen, sondern für den Verein." Sie bereitete Fotos auf, las sie mit einem Scanner in ihren Computer ein. Sie entwarf Texte, schlug das Logo mit den Händen vor und gab einen ganzen Satz Disketten einem Bekannten.
In intensiver Kleinarbeit entstand eine informative Seite, die einen umfassenden Einblick in die Arbeit des Hilfsvereins gibt. Fotos und Texte zeugen von den Fortschritten wie Schul- und Brunnenbau im vom langen Krieg ausgemergelten Dorf. Die WobCom, das Internet-System der Stadt Wolfsburg, ist die Heimat der professionell gestalteten Seite.
Unter http://home.wolfsburg.de/schneha/ ist sie abrufbar. Alternativ ist sie im Verzeichnis Gesundheit des Wolfsburger Stadtinfo-Systems zu finden.
Wolfsburger Nachrichten 17.09.1998





